Süddeutsche Zeitung

"Prix International Pour Les Enfants":Jane Goodalls Sprösslinge

Die britische Umweltschützerin erhält einen Preis der Stiftung Otto Eckart und gibt ihn an das deutsche Programm ihrer "Roots and Shoots"-Bewegung weiter

Von Julia Huber

Es ist nicht so leicht, einen Preis per Zoom-Konferenz zu überreichen. Laudator Nikolas Fricke hält die Urkunde des "Prix International Pour Les Enfants" der Stiftung Otto Eckart in die Computerkamera, fuchtelt damit herum und tut so, als würde er sie Jane Goodall in die Hand geben, die hunderte Kilometer entfernt vor ihrem Computer sitzt. Aber Jane Goodall ist Profi. Nicht nur in ihrem Fachgebiet, der Verhaltensforschung von Schimpansen, sondern auch im Entgegennehmen von Preisen.

Seit Jahrzehnten kämpft Goodall für den Natur- und Umweltschutz, sie hat unzählige Ehrungen und Trophäen dafür bekommen. Also nimmt sie auch an diesem Montagabend ganz souverän die Urkunde entgegen, die ihr ein Helfer seitlich ins Bild gegeben hat. Die Urkunde ist kurz doppelt zu sehen, Goodall lacht. Sie bekommt den Preis, weil sie Kinder und Jugendliche zum Erhalt der Umwelt und der Artenvielfalt motiviert. "Roots and Shoots", Wurzeln und Sprösslinge, heißt ihre Bewegung, in der rund 150 000 junge Menschen in knapp 100 Ländern aktiv sind.

Die lokale Münchner Gruppe nennt sich Würmranger. Paula und Lena, zwei junge Mitglieder der Gruppe, sind zur Preisverleihung zugeschaltet. Entlang des Flusses Würm untersuchen die Ranger Wassertierchen, säen Insektenfutterpflanzen, sammeln Müll. "Die jungen Menschen erben das Chaos, das wir angerichtet haben", sagt Jane Goodall. "Wir wollen sie mit dem Handwerkszeug ausrüsten, mit dem sie den Schaden vielleicht wiedergutmachen können. Denn wenn sie sich der Herausforderung nicht stellen, dann werden unsere Ur-ur-ur-Enkel keine Erde mehr übrighaben." Jane Goodall ist 87 Jahre alt, aber ihr Terminkalender ist voll mit Online-Vorträgen, Podcasts und Interviews. "Wir haben nur noch dieses eine Zeitfenster, deswegen arbeite ich in meinem 88. Lebensjahr mehr denn je daran, die Leute aufzuwecken. Damit alle endlich handeln."

Der Preis der Stiftung Otto Eckart ist mit 10 000 Euro dotiert. Jane Goodall stiftet ihn an das deutsche Programm ihrer "Roots and Shoots"-Bewegung. Und so gibt es an diesem Abend noch eine Urkunde, die überreicht wird. Jane Goodall hält sie in die Ecke ihrer Computerkamera. In München taucht eine Urkunde bei den beiden jungen Umweltschützerinnen Paula und Lena auf. "Das ist ja fast Zauberei, unglaublich", sagt Moderator Michael John Gorman, Gründungsdirektor des Biotopia-Museums. Paula und Lena nehmen die Urkunde entgegen. Sie lachen. Fast schon wie Profis.

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Quelle:
SZ vom 09.06.2021
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