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Privater Nachhilfeunterricht:Die Mehrheit will die Noten verbessern

Nur eine Minderheit bräuchte die Unterstützung tatsächlich, viele wollen ihren Schnitt nur veredeln oder ihre sehr guten Noten halten. Talia Örs aus Planegg etwa hat sich für den zweiwöchigen Kurs in Waldkraiburg, 65 Kilometer östlich von München, angemeldet. Die 18-Jährige steht zwischen 1,8 und 1,9. "Meine Hoffnung ist, mich noch auf 1,5 zu verbessern", sagt sie. Wäre sie daheim, würde sie bis zehn Uhr vormittags schlafen. Hier habe sie zu diesem Zeitpunkt schon zwei Unterrichtseinheiten hinter sich. Das Lernen in der Gruppe gebe ihr die nötige Sicherheit, nehme ihr die Angst vorm Abi - eine Angst, die sie bei ihren Noten nicht haben müsste.

Als schlechte Schüler würden sich auch Benjamin Schweighart, 20, aus Starnberg, und Benjamin Eisold, 19, aus München, nicht bezeichnen. Sie besuchen den Mathe-Unterricht. Die Grundlagen hätten sie drauf, die Übung aber fehle ihnen. "Hier lernen wir viel und haben Spaß dabei", sagen die beiden. Wie sie sind die meisten Schüler aus dem Großraum München (das liege an der Mundpropaganda, sagt Bremhorst) und versuchen, ihre Kenntnisse in Stochastik, Analysis und Geometrie zu festigen. In der Übungs- und Fragestunde brüten 70 Jungen und Mädchen aus privaten und öffentlichen Schulen über den Aufgaben, die in ihren UCB-Skripten stehen. Würden sie sich umdrehen, könnten sie durch die Fensterfront des hölzernen Seminarhauses mitbekommen, dass sie die letzten Sonnenstrahlen für die kommenden Tage verpassen. Aber sie sind beschäftigt.

Schülerzahlen, Studie, Geburtenrate

Kleine Gruppen, guter Erfolg: Bei der Abiturvorbereitung wollen viele Schüler an ihrem Notenschnitt arbeiten.

(Foto: Schülerzahlen)

Die Persönlichkeit muss stimmen

Sie berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit Fußballspieler in Topform auflaufen oder wie viele Stimmenanteile politische Parteien unter bestimmten Wählerkonstellationen erhalten würden. Jeder löst seine Aufgaben allein, wer eine Frage hat, meldet sich. Dann eilt entweder Bremhorst herbei oder einer seiner Mitarbeiter. "Das können Studenten, Referendare oder ausgebildete Lehrer sein", sagt der Chef. Auf Zeugnisse, so erklärt er, legt er anders als der Staat keinen allzu großen Wert. Die Persönlichkeit müsse stimmen, die fachliche Kompetenz und vor allem die Fähigkeit, den Stoff richtig zu kommunizieren.

"Das ist das Hauptproblem des Schulsystems", sagt Bremhorst. Es sei zu starr, vermittle nur Wissen in Häppchen, beschäftige Pädagogen, die die Lust am Lehren schon vor Jahren verloren hätten. "Den Schülern fehlt die Motivation, die bekommen sie hier", sagt der Mathematiker. Dieser Tag steht unter dem Motto "Die Skripte, die wir Ihnen gaben, enthalten alles, was man wissen muss". In der Früh stellt Bremhorst in jedem Stockwerk einen Gettoblaster auf. "All I gave to you" schallt durch die Lautsprecher, die Tagesbotschaft von JB Venus passend zum Motto. Abends beim sogenannten Come Together, wenn die Schüler mit ihren freiwilligen Mathe-, Englisch-, Chemie- und Deutschkursen fertig sind, wird er ihnen noch eine Episode aus dem Leben des Sokrates erzählen: So wie der Ertrinkende unter Wasser Luft holen will, so sollen sie den Erfolg im Abitur haben wollen. "Wir bieten einen Rahmen, die Schüler überlegen selbst, was für sie wichtig ist, und belegen die Kurse, die ihnen helfen, ihre Noten zu verbessern", sagt Bremhorst.

Leistungsdruck und Party

Seine Strategie nennt er "Power - Pressure - Party": Gas geben beim Lernen, effizient Fachkenntnisse aneignen und sich trotzdem wohlfühlen. Die Motivationseinheiten, die vielen kleinen Pausen und der gemeinsame gesellige Abend am Ende der Woche sollen denjenigen, die es sich leisten können, dabei helfen. "Gesellschaftlich wäre es schon schön, wenn der Kurs günstiger wäre", sagt Bremhorst. Für 200 oder 300 Euro sei sein Angebot aber nicht zu haben. 18 Betreuer kommen auf 92 Schüler: "Ein solches Verhältnis finden Sie sonst nirgends." Qualität kostet.

Bremhorst verabschiedet sich an diesem Tag um halb vier aus Waldkraiburg und fährt nach Nördlingen, seinem Komfortstandort mit größeren Zimmern und Flachbildfernseher, Balkon und Sauna. Hier bezahlt jeder Schüler 1340 Euro in der Woche.

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