bedeckt München 19°
vgwortpixel

Prinzregentenstraße:Peace, Putin

Putin Plakat an dem Gebäude Prinzregentenstraße 65. Putin is peace

Putin in Pink rittlings auf einem Bären. Wer genauer hinschaut, entdeckt im rosa Hintergrund männliche Geschlechtsteile. Ob das Kritik sein soll oder ironischer Personenkult, bleibt das Geheimnis der unbekannten Aktivisten.

(Foto: Florian Peljak)

Über Nacht tauchen rätselhafte Plakate an einer Fassade auf

Waren es Künstler, Putinfreunde oder einfach nur Spaßvögel? Auf jeden Fall haben sie keinen Aufwand gescheut, um ihre rätselhafte Botschaft an der Fassade des Anwesens in der Prinzregentenstraße 63 zu platzieren. Ein riesiges Peace-Zeichen auf knallrosa Grund hing am Montagmorgen von der Dachtraufe des vierstöckigen Gebäudes gegenüber der Villa Stuck. Darauf der russische Präsident mit nacktem Oberkörper auf einem Bären reitend und der Schriftzug "Putin is Peace". Ein zweites Plakat war im ersten Stock am Balkon über dem Eingang befestigt. Dort stand der gleiche Satz als Hashtag: #putinispeace. An dem Balkon hängen schon seit über sieben Jahren Plakate mit politischen Botschaften, die den russischen Präsidenten kritisieren. Irina Revina, die dort eine Wohnung hat, wurde in Moskau geboren, sie hält engen Kontakt zur Opposition in ihrer Heimat. Den russischen Diplomaten, die nur wenige Schritte entfernt im Generalkonsulat am Europaplatz arbeiten, sind die Botschaften ein Dorn im Auge.

Als der russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow im Februar 2015 vor den Mauern des Kremls erschossen wurde, legten Bürger vor dem Konsulat Blumen nieder und stellen Kerzen und Bilder Nemzows auf. Botschaftsmitarbeiter räumten sie ab. Daraufhin verlegte Revina den Gedenkort in ihren Vorgarten. Auch dieses Mahnmal wurde immer wieder zerstört, zuletzt am 3. Juli. Die neuerliche Intervention kommt ironisch daher, was nicht ungewöhnlich ist. Kreml-freundliche Gruppen wie etwa die Gruppe #Set' spielen gerne mit einem zweideutigen Personenkult. Das Putin-kritische Plakat am Balkon wurde überhängt. Vor Ort ließen die Täter mehrere fabrikneue Aluleitern zurück. Die professionell gemachten Banner müssen mehrere Tausend Euro gekostet haben, schätzt Revina. Sie hat Anzeige erstattet. Auf Instagram haben die Aktivisten Spuren gelegt: Dort findet sich unter dem Hashtag ein Foto einer Person in Trainingsanzug mit Putin-Maske vor einem Verkehrsschild auf der B 304 etwa auf der Höhe zwischen Vaterstetten und Zorneding. Außerdem ein Bild von Revina auf ihrem Balkon, das am 10. April 2017 in einem Artikel über sie in der SZ erschienen war.