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Verkehr in München:Experten suchen nach Ursache für Loch in der Prinzregentenstraße

Loch auf der Fahrbahn in der Prinzregentenstraße

Das Loch in der Prinzregentenstraße liegt genau in dem Bereich, wo früher der Triftkanal in den sogenannten Holzgarten mündete.

(Foto: Robert Haas)
  • In der Prinzregentenstraße klafft seit Dienstagnachmittag ein Loch.
  • Stadtauswärts war am Mittwochmorgen nur eine Spur befahrbar, stadteinwärts blieben alle Spuren offen.
  • Experten des Bau- und des Kreisverwaltungsreferats sowie von Tiefbaufirmen suchen noch nach der Ursache.

Von Martin Bernstein

Ein Loch mitten auf der Prinzregentenstraße stellt die Münchner Autofahrer vor eine Geduldsprobe, das Baureferat vor ein Rätsel - und die am Freitag beginnende Sicherheitskonferenz möglicherweise vor Probleme. Denn eskortierte Schutzpersonen, die plötzlich im Stau stehen - so etwas sehen die für die Sicherheit der Konferenzteilnehmer Verantwortlichen gar nicht gerne. Noch ist völlig unklar, was die Ursache des Straßenschadens und damit der Teilsperrung der Münchner West-Ost-Achse ist. Die Polizei sprach in einer ersten Einschätzung davon, dass die Straße unterspült sein könnte.

Experten des Bau- und des Kreisverwaltungsreferats sowie von Tiefbaufirmen versuchten am Mittwochmorgen fieberhaft, das herauszufinden. Eine Probebohrung sollte Aufschluss bringen. Anders als von der Polizei zunächst befürchtet hatte sich das Loch vor dem Nationalmuseum im Lauf der Nacht nicht vergrößert. Allerdings sah es zunächst so aus, als habe sich die Fahrbahn leicht abgesenkt.

Stadtauswärts war am Mittwochmorgen nur eine Spur befahrbar, stadteinwärts blieben alle Spuren offen. Der Verkehr staute sich jedoch in beiden Richtungen, besonders zäh ging es durch den Altstadttunnel, der wenige hundert Meter westlich auf die Prinzregentenstraße mündet. Zunächst blieb offen, ob die Straße tatsächlich unterspült worden war, etwa durch einen Wasserrohrbruch, oder ob der Fahrbahnschaden eine andere Ursache hat. An der Kreuzung der Wagmüller- mit der Prinzregentenstraße mündete früher der Triftkanal in den sogenannten Holzgarten.

Der Kanal brachte Brennholz, das am Oberlauf der Isar geschlagen wurde, in die unmittelbare Nähe der Stadt. Das Holz wurde in den Kanal gezogen und dann in den so genannten "Holzgarten" geschwemmt - mehrere durch Dämme voneinander getrennte Felder, die dort lagen, wo heute das Nationalmuseum steht. 1870 wurde die Holztrift eingestellt, zehn Jahre später wurde der Kanal aufgelassen und aufgefüllt. Das Loch liegt genau in diesem Bereich.

Immer wieder tun sich in Münchner Straßen größere oder kleinere Löcher auf. Mal ist der Schotteruntergrund schuld, mal ein Wasserrohrbruch, in anderen Fällen konnte die Ursache nie geklärt werden. Krater oder Löcher auf Straßen und Gehwegen gab es beispielsweise 2013 in der Kaspar-Spät-, 2014 in der Inneren Wiener, 2016 in der Kreiller- und 2015 in der Balanstraße. Dort sackte nach einem Wasserrohrbuch der Untergrund weg, das Loch war sieben Meter groß. Bei einem Wasserrohrbruch im Januar 2012 war in der Sonnenstraße ein Krater entstanden, es traten fünf Millionen Liter Wasser aus. 2009 klaffte im Westpark vor einem Kinderspielplatz plötzlich ein Loch, das unter der Erde Ausmaße von dreimal vier Meter hatte.

Es wurde untersucht, eine Unterspülung als Ursache jedoch ausgeschlossen. Vier Monate wurde das Gebiet großräumig abgeriegelt. 2003 stürzte in Trudering eine Frau in einen Krater auf dem Radweg und versank darin, konnte sich aber aus eigenen Kräften wieder befreien. Durch einen Rohrbruch war der Untergrund abgesackt. Der wohl schlimmste Vorfall ereignete sich im September 1994, als ein Bus in ein etwa zehn Meter tiefes Loch am Truderinger Bahnhof einbrach und drei Menschen starben. Entstanden war der Krater allerdings nicht durch einen Wasserrohrbruch, sondern durch den U-Bahnbau, bei dem Grundwasser durch Risse getreten war.

Schon am Dienstagnachmittag hatte es auf der Prinzregentenstraße Probleme mit einem Loch im Fahrbahnbelag gegeben. Um 20.45 Uhr brach dann die Straßendecke auf. Ein Sprecher der Polizei gab den Durchmesser des Loches um 21.30 Uhr mit "zwei Meter, Tendenz steigend" an. An der Oberfläche war indes nur eine Öffnung mit einem wesentlich geringeren Umfang zu sehen.

Noch am Abend wurden stadtauswärts zunächst alle Spuren gesperrt, stadteinwärts blieb die äußerst rechte Fahrbahn offen. Im Bereich der Baustelle kam es zu massiven Verkehrsbehinderungen. Bis 22.30 Uhr reduzierte sich die Sperrung allerdings auf zwei Spuren stadtauswärts. In Richtung Innenstadt waren alle Spuren frei befahrbar. Bereits am Dienstagabend war ersten Angaben zufolge abzusehen, dass das Loch in der Fahrbahn nicht einfach repariert werden könne. Zur genauen Feststellung der Ursache müssten Probebohrungen vorgenommen werden.

© SZ.de/amm
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