Restaurant in HaidhausenWas wurde aus dem Preysinggarten?

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Der Preysinggarten setzt auf mediterrane Küche. Hier Spaghetti Vongole mit Muscheln.
Der Preysinggarten setzt auf mediterrane Küche. Hier Spaghetti Vongole mit Muscheln. (Foto: Stephan Rumpf)

Als Anfang 2025 das Aus des Preysinggartens verkündet wurde, war der Schrecken groß. Das Lokal öffnete zwar wieder – aber wie so häufig ist die Erinnerung an alte kulinarische Zeiten schöner als die Gegenwart.

Von Iwan Lende

Das bayerische Adelsgeschlecht derer von Preysing kann zwar nicht ganz mit den Wittelsbachern oder Habsburgern mithalten, hat es aber dank politischen Geschicks und Einfluss zu Ruhm, Ehre und beträchtlichem Reichtum gebracht. Der, um den es hier am Rande, also am Straßenrand, gehen soll, hieß Johann Max V. von Preysing-Hohenaschau, war Schlossbesitzer in Haidhausen und kam so zu der Ehre, dass eine Straße nach ihm benannt wurde. Etwas später, vor rund 150 Jahren, etablierte sich in ebendieser Straße der Preysinggarten und wurde, so die lexikalische Überlieferung, zum „Herzstück des Viertels“.

Dieses Viertel, und damit die Preysingstraße, erlebte in den Achtzigerjahren eine Gentrifizierung, die man alles in allem als geglückt bezeichnen kann, wenn man finanziell in der Lage ist, dort zu überleben. Der Preysinggarten jedenfalls überlebte bis heute und ist meistens voll. Warum das etwas schwer verständlich ist, dazu später mehr.

Anfang dieses Jahres schockte eine Kurznachricht in Münchens Zeitungen die Freunde dieser Lokalität, denn der Wirt Costas Papadakis verkündete dessen Schließung, allerdings mit dem Zusatz, ein Nachfolger nach kurzer Renovierung sei schon gefunden. In der Tat: Schon im frühen Frühjahr öffnete der Preysinggarten wieder, und der Wirt heißt nun, Überraschung, Papadakis, allerdings mit Vornamen Konstantinos. Man könnte jetzt einen ausufernden Aufsatz schreiben über das Phänomen und die Problematik, wenn die Folgegeneration einen wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb übernimmt. Aber dazu ist Lende nicht angetreten.

Nur so viel: Wenn diese Nachfolgegeneration meint, es besser machen zu können, und dieses Bessermachen erschöpft sich in einer Preispolitik, die teilweise schwer ins Unverschämte lappt, dann liegt sie falsch.

Der Preysinggarten in Haidhausen wurde nach einer kurzen Renovierung im Frühjahr 2025 wiedereröffnet.
Der Preysinggarten in Haidhausen wurde nach einer kurzen Renovierung im Frühjahr 2025 wiedereröffnet. (Foto: Stephan Rumpf)
Der Preysinggarten in Haidhausen ist eher schlicht gehalten.
Der Preysinggarten in Haidhausen ist eher schlicht gehalten. (Foto: Stephan Rumpf)

Der Name des alten wie neuen Wirts legt eine Provenienz aus Hellas nahe. Dort in Griechenland kann man die Küche territorial in drei Sparten aufteilen: Auf dem Festland wird größtenteils traditionell bäuerlich gekocht; im Dodekanes macht sich der türkische Einfluss positiv bemerkbar; und auf den Inseln der Ägäis (und mittlerweile auch des Ionischen Meeres) herrscht eine arg überteure Souvlaki-Kultur.

Im Preysinggarten hat man sich für die Inselversion entschieden. Sonst aber ist hier nichts griechisch, abgesehen von ein paar Weinen. Dazu muss man erwähnen, dass Lende sich (nicht zu Hause) dem Weinboykott verschrieben hat, seit, wie auch hier, das Straßenräubertum für 0,1 Liter Hauswein (sic!) 4,50 Euro, für den Rosé von Monolithos Nemea 5,00 und für einen halben Liter Retsina 14,50 Euro berechnet. Allerdings ist es auch kein Trost, für einen Liter Tafelwasser 8,20 Euro hinzulegen.

Für Lende ist der Aperol Spritz, auch wenn der schon aus der Mode ist, ein ideales Testgetränk. Mit 9,70 Euro liegt er hier selbst für München im oberen Drittel, leider entsprach auch der Wasseranteil dieser Größe. Die Himbeerlimonade (5,40) kann man so überall kaufen.

Das Ambiente hat sich mit dem neuen Wirt wenig verändert. Der kleine, dreieckige Garten ist recht lauschig und wird von einem Kinderspielplatz gesäumt, von dem an sonnigen Nachmittagen eine deutliche Belebung ausgeht. Innen drinnen ist es vor allem: laut. Die großenteils kargen Wände – Lende hat sie etwas eierschalenfarben in Erinnerung – sind grau und weiß und reflektieren jedes Geräusch. Es hat also keinen Sinn, nach dem Service zu rufen. Handzeichen wirken mit Zeitverzögerung. Dass das Essen dann einmal nach etwa eineinhalb Stunden auf den Tisch kommt, wäre weniger schlimm, könnte man sich mit seinen Tischnachbarn ohne zu brüllen unterhalten. Aber der Hund kriegt sofort ein Wasser hingestellt; das ist nett.

Hausgemachte Ravioli mit Pfifferlingen gefüllt, serviert in Butter-Salbei-Soße.
Hausgemachte Ravioli mit Pfifferlingen gefüllt, serviert in Butter-Salbei-Soße. (Foto: Stephan Rumpf)
Mittelmeer trifft Bayern: Auch Schweinebraten steht auf der Speisekarte.
Mittelmeer trifft Bayern: Auch Schweinebraten steht auf der Speisekarte. (Foto: Stephan Rumpf)

Jetzt aber wird’s ernst, wir kommen zu den Speisen. Bei der Lektüre deren Karte fiel uns zunächst in der Kategorie Frühstück auf, dass hier zwei Weißwürste mit einer Brezn mit sage und schreibe 11,50 Euro berechnet werden. Es gibt in München Cafés, da kostet so etwas gerade mal die Hälfte – Weißbier inklusive! Nun gut, die „Bruschetta mit Tomatenwürfeln, Knoblauch und Basilikum“ (6,90) ließen zwar den Knoblauch vermissen (der taucht dafür anderswo gewaltig auf), war aber sonst in Ordnung. Der „kleine Beilagensalat“ (5,20) reichte gut als Vorspeise, auch wenn er zu geschätzten 80 Prozent aus Rucola bestand und das Dressing die Note langweilig bekam.

Die Hauptspeisen sind geografisch zweigeteilt. In der Abteilung einheimisch geht’s vom Schweinebraten über Wiener Schnitzel, Fleischpflanzerl, Rotweingulasch bis zu den Kasspatzn, die allerdings mit 16,50 veranschlagt werden. Auch in der Abteilung Italien stechen die Spaghetti Bolognese vor allem wegen des Preises ins Auge: 17,20 Euro. Ist das Hackfleisch vom Wagyurind?

Die Tagliatelle mit Lachs (17,80) waren sehr rahmlastig, und Lachs ist nun mal auch nicht mehr das, was er einmal war. Tortelloni mit Steinpilzen (17,50) waren ein lockendes Versprechen. Sie schmeckten, außer nach Salz, auch nach Schwammerl, allerdings eher nach Champignons aus der Zucht. Interessant auch der Spargel mit Wiener Schnitzel vom Kalb (26,50): Zwei riesige Schnitzel aus der Oberschale, zwar ebenfalls stark salzhaltig, aber sonst in Ordnung. Dazu lagen vier dünne, zu weiche Spargelstangen auf dem Teller, allerdings ohne jede Kartoffel, was zu leichter Empörung seitens der Bestellerin führte.

Nun aber zum Schweinebraten (17,80): Noch nie, und Lende schwört’s bei allen Säuen dieser Welt, noch nie hat er einen so miesen, schrecklichen, alle Kochkünste missachtenden Schweinebraten vorgesetzt bekommen. Das Fleisch, natürlich nicht aus der Schulter, sondern von irgendwo innen drinnen, war bis zur Mitte hin dermaßen ausgetrocknet, dass jedes Messer versagte. Und selbst die wenigen essbaren Teile waren von erlesener Langeweile. Kein Kümmel, kein Knoblauch, kein Pfeffer, nur – natürlich – Salz. Dass der Kartoffelknödel als einziges eine bessere Note bekam, verdankt er wohl seiner industriellen Herkunft.

Hatte der Koch also einen schlechten Tag? Die Tortelloni mit Pecorino (18,50), ein andermal genossen, waren zwar offensichtlich handgemacht, ertranken aber auch in der Butter, durch die sich der Käse kaum behaupten konnte.

Überraschend waren dann auch die Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat (17,20). Erstens, weil dieser Kartoffelsalat „leider aus“ war und durch fetttriefende, leicht verkokelte Bratkartoffel ersetzt wurde; zweitens, weil die Pflanzerl schon nach der ersten Gabel Lendes Kauvorgang abrupt stoppen ließ: Was ist das denn? Es schien, als bestünde das Fleisch(!)pflanzerl vor allem aus einem superdominanten Gewürz, welches jede andere Beimischung zur Randerscheinung degradierte. Die Runde tippte auf Estragon.

In Anbetracht all dieser Erfahrungen verzichtete die Runde auf die Nachspeisen. Und Lende konstatierte: Es ist, zugegebenermaßen, selten, dass die Recherche zum Füllen dieser Kolumne wirklich Arbeit ist. Doch nun war Lende recht froh, als dieser Job erledigt war.

Preysinggarten, Preysingstraße 69, 81667 München, Telefon 089/688 67 22, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 16 bis 1 Uhr, Samstag, Sonntag & Feiertag von 9 Uhr bis 1 Uhr.

Hinweis der Redaktion. Nach Erscheinen des Artikels erreichte uns eine Reaktion des Betreibers: Es habe keinen Pächterwechsel gegeben, dieser heiße „seit 25 Jahren Konstantinos ,Costas‘ Papadakis“, das Lokal sei durchgehend von diesem betrieben worden. Hinsichtlich der Kritik an der Beschaffenheit des Schweinebratens stellt er fest: „Unser Schweinebraten bestand und besteht weiterhin aus Schweineschulter, was wir mit Rechnungsnachweisen belegen können.“

Die SZ-Kostprobe

Die Restaurant-Kritik „Kostprobe“ der Süddeutschen Zeitung hat eine lange Tradition: Seit 1975 erscheint sie wöchentlich im Lokalteil, seit einigen Jahren auch Online. Etwa ein Dutzend kulinarisch bewanderter Redakteurinnen und Redakteure aus sämtlichen Ressorts – von München, Wissen bis zur Politik – schreiben im Wechsel über die Gastronomie in der Stadt. Die Auswahl ist unendlich, die bayerische Wirtschaft kommt genauso dran wie das griechische Fischlokal, die amerikanische Fast-Food-Kette, der besondere Bratwurststand oder das mit Sternen dekorierte Gourmetlokal. Das Besondere an der SZ-Kostprobe: Die Autorinnen und Autoren schreiben unter Pseudonym, oft ist dies kulinarisch angehaucht. Sie gehen unerkannt etwa zwei- bis dreimal in das zu testende Lokal, je nachdem wie lange das von der Redaktion vorgegebene Budget reicht. Eiserne Grundregeln: hundert Tage Schonfrist, bis sich die Küche eines neuen Lokals eingearbeitet hat. Und: sich nie bei der Arbeit als Restaurantkritiker erwischen lassen – um unbefangen Speis und Trank, Service und Atmosphäre beschreiben zu können.

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