Gerade in einer Nische wie dem Jazz muss man als Musiker inzwischen selbst etwas auf die Beine stellen, wenn man Erfolg haben will. Am besten zusammen mit anderen. So gründeten vor drei Jahren einige der prominentesten Absolventen des Jazzinstituts der Musikhochschule das Kollektiv „Niq“. Den Anstoß gaben der Pianist Luca Zambito und der Saxofonist Moritz Stahl, mit dabei waren dann die Sängerin Fiona Grond, die Schlagzeuger Sebastian Wolfgruber und Valentin Renner sowie die Kulturmanagerin Isumi Röger.
Ausgangspunkt war Frustration, nicht nur über fehlende Proberäume, Auftrittsmöglichkeiten und Gender-Gerechtigkeit: „Es gibt in München genug Jazzer, die sich engagieren und tolle Sachen machen. Aber es gibt keinen Ort, an dem alle zusammenkommen, die Kräfte bündeln und an einem Strang ziehen“, erklärte Röger seinerzeit. Mit dem Kollektiv wollte man einen Nährboden schaffen für Ideen, Kollaborationen und künstlerische Prozesse aller Art. Einen Dreh- und Angelpunkt für Verbindungen der regionalen Szene mit der überregionalen und internationalen herstellen. Und diesen Austausch durch innovative Veranstaltungskonzepte fördern.
Es war ein günstiger Zeitpunkt für die Gründung, bekam man doch im Rahmen der „Fat Cat“-Zwischennutzung im alten Gasteigs einen festen Raum. Sodass man die „innovativen Veranstaltungskonzepte“ rasch verwirklichen konnte. Mit der Reihe „Piq/Niq“ in gemütlicher Wohnzimmer-Atmosphäre als Labor für neue Projekte aus der Münchner Szene. Mit den „Pa/Niq“-Konzerten, die immer mit einer Podiumsdiskussion zu kulturellen, politischen und sozialen Themen verbunden sind. Und mit der im Mai vergangenen Jahres in der Black Box gestarteten Doppelkonzertreihe „Niq/Exchange“, bei der stets eine Formation aus München und eine auswärtige jeweils ein eigenes Set spielen und eines gemeinsam.

Jetzt aber holt man zum bislang größten Schlag aus: mit einem eigenen Festival. Am 19. und 20. Juni geht das erste „Muniq Jazz Festival“ im Kreativquartier München über die Bühne. Genauer gesagt im „Zirka“, dem Zentrum für interdisziplinäre Raum- und Kulturarbeit, und in der Skatehalle „SpaceForSkate“, die damit als neue Räume für den Jazz erschlossen werden.
Jeweils vier Konzerte gibt es an den beiden Tagen, dazu kommt noch ein Panel zum Thema „Jazz für alle“ am 20. Juni um 17.30 Uhr. Und wieder geht es zentral um den Austausch der lokalen Jazzszene mit den anderen. Am deutlichsten wird das bei den beiden zentral angesetzten „Carte blanche“-Formaten: Am Freitag stellt sich der Münchner Posaunist Moritz Renner – mit seinem Bruder Valentin preisgekrönter Aufsteiger der vergangenen Jahre – eine nicht aus München stammende Band zusammen, tags darauf wird die Leipziger Schlagzeugerin Eva Klesse – Deutsche Jazzpreisträgerin und inzwischen mit internationalen Stars unterwegs – mit einer Besetzung aus der Münchner Szene spielen. Neue Ensembles, die so noch nicht zusammengearbeitet haben, erschaffen also neue, nie da gewesene Musik.

Auch sonst spannt das Festival einen Bogen von heimischen zu international gefeierten Acts. Am Freitag mit der jungen, in Nürnberg lebenden Bassistin Natasha Zachenko und ihrem um den Pianisten Paul Bießmann verstärkten Trio. Mit der einst Münchner, heute Berliner Pianistin Svetlana Marinchenko und ihrem ebenfalls bereits gefeierten Trio SVM3. Und am Schluss mit der Sweetlife-Band der österreichischen Saxofonistin Yvonne Moriel. Die umtriebige Trägerin des Österreichischen Jazzpreises hat heuer die begehrte Auftragskomposition zur Eröffnung des Jazzfestivals Saalfelden im August bekommen. Für viele ihrer Vorgänger war das ein Sprungbrett zu einer internationalen Karriere. Die aktuell wohl erfolgreichste österreichische Jazzband Shake Stew etwa wurde dafür gegründet – seit einem Jahr ist Moriel auch dort dabei.
Der Samstag gehört weitgehend den Niq-Mitgliedern selbst. Zum Auftakt spielen Fiona Grond und Luca Zambito im ungewohnten Duo, dann geht Martin Bruggers multistilistische Erfolgsband Fazer mit Sebastian Wolfgruber am Schlagzeug an den Start. Das Finale bestreitet Moritz Stahl mit der südkoreanischen, in Amsterdam lebenden Schlagzeugerin Sun-Mi Hong, die inzwischen zu den gefragtesten Jazzerinnen der europäischen Szene gehört. Und die günstigerweise gerade als Stipendiatin der Villa Waldberta in München weilt.
Muniq Jazz Festival, 19./20. Juni 2026, Zirka und SpaceForScate, Dachauer Straße 110c

