Premiere in München Das Spiel der Elefanten

Das Spielfeld ist einer Landkarte nachempfunden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Erstmals findet die Weltmeisterschaft im Xiangqi, dem chinesischen Schach, in München statt. Xue Zhong ist Organisator und Teilnehmer in einem

Von Franziska Gerlach

Xue Zhong sitzt am Spielbrett wie einer, den nichts aus der Ruhe bringen kann. Mit Bedacht setzt er die Steine, Zug um Zug, zwischendrin notiert er etwas in eine Tabelle. Soll "Mister Munich Chess", wie er als Organisator, Sponsor und Mitstreiter bereits genannt wird, aber erklären, weshalb die 14. Weltmeisterschaft im Xiangqi, dem chinesischen Schach, nun erstmals in München stattfindet, dann ist er kaum zu bremsen.

München sei eine Sportstadt, sagt er, aber auch für Technologie bekannt. Eine Parallele. Denn beides, Sportsgeist und mathematische Logik, erfordert auch das chinesische Schach. Eine halbe Stunde, nachdem die "14th World Xiangqi Championship" am Samstag begonnen hat, tritt der 47 Jahre alte Zhong im Foyer des Sprachen- und Dolmetscherinstituts (SDI) an der Baierbrunner Straße von einem Bein auf das andere. Seit acht Jahren lebt der selbständige Berater aus Peking an der Isar, aufgrund seiner guten Verbindungen zum chinesischen Schachverband konnte er die Veranstaltung nach München holen. "Meine Heimat", sagt er und lacht. Dann ist er wieder weg. Das Spiel ruft.

Sechs Tage lang kämpfen 63 Spieler aus 20 Ländern um den Titel des weltbesten Spielers. An langen Tischen sitzen sie sich gegenüber. Xiangqi ist auch unter dem Namen Elefantenspiel geläufig, obwohl auf dem Spielfeld keine Elefantenfiguren zu sehen sind - sondern nur 16 Holzscheiben mit Schriftzeichen. Schachtheoretikern zufolge stelle das Spiel die Schlacht von Gaixia aus dem Jahr 202 vor Christus nach, sagt Rene Gralla, der Sprecher der Veranstaltung. Und mit den chinesischen Armeen zogen wohl auch Elefanten. Auch sonst ist einiges anders. Während sich der König des westlichen Schachs über das gesamte Brett bewegen kann, muss der chinesische in einer vorgegebenen Zone auf dem Spielfeld bleiben, erklärt Gralla. Dort kann er zwar leichter angegriffen werden. Man komme dadurch aber schneller ins Spiel und könne leichter einmal gewinnen. Ein weiterer Vorteil: Xiangqi lasse sich durch bloßes Zuschauen lernen - ohne "1000 Bücher zu wälzen".

Daniela Schmidt aus Berlin spielt seit gut zwei Jahren Xiangqi und findet es "faszinierend". Es gebe einen Palast und einen Fluss, sagt sie, eine komplexe Welt. Die chinesischen Schriftzeichen bereiten ihr keine Probleme. "An den drei kleinen Strichen erkennt man ganz deutlich den Wagen", sagt sie und dreht den Stein um. Eine halbe Stunde soll ihre Partie gegen eine Chinesin dauern. Gewonnen? Sie winkt ab. "Das war aber klar", sagt sie. Gegen die Chinesen habe man kaum eine Chance. Spaß bringe das Spiel aber trotzdem - allein schon des kulturellen Austauschs wegen.

Die neun Jahre alte Lucy schaut währenddessen ihrer Mutter beim Spielen zu. Vor ihr liegt eine Tüte Schokoladenbonbons auf dem Tisch - Nervennahrung. Sie selbst beherrsche das Spiel auch "ein bisschen", erklärt sie. Ungewöhnlich ist das nicht. Denn, wie Zhong sagt, lernen in China schon Grundschulkinder das Spiel.

Organisator Zhong spielt seit er zehn Jahre alt ist. Momentan hält der Wahlmünchner den zehnten Platz der Weltrangliste. In München trifft er sich jeden Dienstag mit "acht Langnasen und zwei Chinesen" auf eine Partie in einer Kneipe an der Arnulfstraße. Ginge es nach ihm, soll die Schachweltmeisterschaft auch in zehn Jahren noch in München stattfinden und so bekannt werden wie der FC Bayern. "Bier, Fußball und Schach", sagt er. Das wäre doch was.