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Preisverleihung:Die Früchte der Aufbauarbeit

Drei aufstrebende Talente werden mit dem Kurt Maas Jazz Award geehrt. In einem Preisträgerkonzert stellen sie sich vor

Von Oliver Hochkeppel

Dass immer mehr großartige junge Musiker die Jazzszenen in München wie in ganz Europa beleben und diese Musikgattung aktuell zur vielleicht innovativsten überhaupt machen, hat im wesentlichen zwei Gründe: Die Aufnahme des Jazz in den Ausbildungskanon der Konservatorien und Musikhochschulen sowie die Nachwuchsförderung im öffentlichen Bereich. Beides gibt es noch nicht sehr lange. In München kann man seit 1993 am Richard-Strauß-Konservatorium Jazz studieren, 2008 wurde der Studiengang dann an die Hochschule für Musik und Theater (HMTM) und ein in ihr eingerichtetes Jazz-Institut überführt. Der erste Münchner Nachwuchspreis für Jazzer datiert aus dem Jahr 2013. Beides ist aufs Engste mit dem Namen Kurt Maas verbunden.

Alma Naidu

Sängerin Alma Naidu.

(Foto: Tom Schneider)

1942 im Sudetenland geboren und nach der Vertreibung in Franken aufgewachsen, lernte Maas Großhandelskaufmann - und Akkordeon. Schon in den Sechzigerjahren erlag er seiner Jazzleidenschaft und gehörte bald zum Münchner Zirkel um Live-Clubs wie das legendäre "Domicile". Dank seines Geschäftssinns etablierte er einen legendären Notenversand, dank seines Weitblicks wurde er der pädagogische Fürsprecher des Jazz. Nachdem er die Ministerien jahrelang bearbeitet hatte, durfte er 1991 den Jazz als Fach am Richard-Strauss-Konservatorium aufbauen, er blieb der Leiter der Abteilung bis zur Überführung an die Musikhochschule 2008.

Als Maas 2011 starb, beschlossen der Leiter des Jazzinstituts Claus Reichstaller und der jazzbegeisterte Camilo Dornier, Enkel und Erbe des Flugbaupioniers Claude Dornier, noch auf der Beerdigung, ihn in seinem Sinne zu ehren: Mit einem seinen Namen tragenden Nachwuchspreis für die Studenten der HMTM. 2013 also wurde der im zweijährigen Turnus veranstaltete Kurt Maas Jazz Award erstmals ausgerichtet, als Vorreiter unter den lokalen Nachwuchspreisen, denn inzwischen sind mit dem "Jungen Münchner Jazzpreis" und dem "BMW Young Artist Jazz Award" weitere hinzugekommen.

Shuteen Erdenebaatar

Pianistin Shuteen Erdenebataar.

(Foto: Ralf Dombrowski)

Jetzt war die fünfte Ausgabe des Kurt Maas Jazz Awards fällig, und selbst Corona konnte sie nicht stoppen. Aus 17 Bewerbern hatte die Jury - bestehend aus dem Stifter Camilo Dornier, dem Leiter des Jazzinstituts Claus Reichstaller, dem HMTM-Präsidenten Bernd Redmann, Beate Samson vom Bayerischen Rundfunk, Innegrit Volkhardt vom Hotel Bayerischer Hof und Marco Ostrowski vom Jazzlabel ACT - wie immer fünf Kandidaten ausgewählt. Und kürte am vergangenen Mittwoch nach einem diesmal nicht-öffentlichen Finale die drei Sieger: Den 1. Preis gewann die Pianistin Shuteen Erdenebataar, den zweiten der Bassist Munguntovch Tsolmonbayar und den dritten die Sängerin Alma Naidu. Auf den Plätzen landeten die Sängerin Olga Dudkova und der Pianist Theodor Kollross. "Wir hätten am liebsten mehrere erste Preise vergeben. Die Finalisten haben sich alle auf höchstem Niveau präsentiert," kommentiert Reichstaller die Entscheidung.

So lokal der Preis ist, so sehr ist er heuer ein Beleg für die Globalisierung des Jazz, spiegelt das Ergebnis doch eine exotische, aber umso fruchtbarere Kooperation der Musikhochschule. Vom Goethe Institut initiiert gründete der Bassist Martin Zenker 2014 ein "Jazzlabor" in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator und brachte damit diese Musik überhaupt erst ins Land. Daraus ist inzwischen ein Leuchtturmprojekt geworden, ein groß angelegtes Austauschprogramm zwischen der HMTM und dem Mongolian State Conservatory. Die Gewinnerin wie der Zweitplatzierte des Kurt Maas Jazz Awards kommen aus diesem Programm. Und beweisen mit ihrer spannenden und schillernden Mischung aus klassischem Jazz mit der reichen und völlig eigenständigen mongolischen Musiktradition wieder einmal, dass der Jazz wie keine andere Musik in der Lage ist, verschiedenste Einflüsse zu kreativen neuen Klängen zu amalgieren. Kommt mit Alma Naidu als dritter Siegerin eines der größten Gesangstalente der Republik hinzu, das inzwischen auch schon den Stardrummer Wolfgang Haffner als Mentor gewonnen hat.

TEMKA Jazz Quartett im Turm.

Bassist Munguntovch Tsolmonbayar.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Für die Gewinner gibt es nicht nur Geldpreise: Wie alle ersten Preisträger zuvor darf Shuteen Erdenebataar zur Sommerakademie des Berklee College of Music in Boston fahren - zur mit der HMTM seit langem zusammenarbeitenden Kaderschmiede des internationalen Jazz, an der einst auch Kurt Maas und Camilo Dornier studierten. Die anderen beiden dürfen sich vermutlich auf Auftritte im Bayerischen Hof und bei den Ottobrunner Konzerten freuen, sobald das wieder möglich ist. Alle drei bestreiten am Freitag, 22. Januar, von 19 Uhr an gemeinsam mit Kommilitoninnen und Dozenten ein auf dem Youtube-Kanal des Jazz Instituts als Livestream übertragenes Preisträgerkonzert. Besonderer Höhepunkt im Rahmenprogramm ist - per Live-Schaltung zum Berklee-Präsidenten Dan Brown - die Verleihung eines "Berklee Master of Global Jazz Award" an den 89-jährigen Münchner Jazz-Trompeter, Ehrenmitglied des Jazz-Instituts, Dusko Goykovich.

Preisträgerkonzert des 5. Kurt Maas Jazz Awards, Freitag, 22. Januar, 19 Uhr, Livestream unter: https://website.musikhochschule-muenchen.de

© SZ vom 22.01.2021
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