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Präsidentschaftswahl an der LMU:Nida-Rümelin darf kandidieren

Julian Nida-Rümelin ist Philosophie-Professor an der LMU und will Präsident der Universität werden. Aber die Zeichen stehen schlecht: Die LMU-Dekane wollen Huber als Präsidenten.

Julian Nida-Rümelin befindet sich auf einer Fernreise. Zurückkehren wird er angeblich am 13. April. Wäre er Politiker, müsste man ihn für tollkühn erklären, jetzt zu verreisen. Keine zwei Monate vor der Wahl. Doch Nida-Rümelin, Staatsminister außer Diensten, ist kein Politiker mehr, sondern Philosoph, Inhaber eines Lehrstuhls an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) sowie Dekan der Philosophischen Fakultät. Nun will er Präsident werden. Doch die Zeichen stehen schlecht.

Noch vor dem Urlaub hatten ihm die Dekane der 18 Fakultäten ihr einstimmiges Votum gegen seine Bewerbung übermittelt. Diese Abstimmung ist nicht bindend für den Hochschulrat, der am 1. Juni den Präsidenten wählt. Und sie hat auch nicht verhindert, dass Nida-Rümelin, 55, zur Kandidatur gegen Amtsinhaber Bernd Huber, 49, zugelassen wurde. Als Vorentscheidung kann man sie trotzdem werten.

Die Aufstellung der Kandidaten hat am Dienstagabend der Wahlausschuss des Hochschulrates beschlossen, der aus dessen Vorsitzendem Nikolaus von Bomhard und dessen Stellvertreter Martin Hose besteht.

Bomhard ist im Brotberuf Vorstandsvorsitzender der Münchener Rück, Hose Ordinarius für Griechische Philologie und Senatsvorsitzender der LMU. Dass diese beiden Männer allein bestimmen, welche und wie viele Kandidaten der 17-köpfige Hochschulrat wählen kann, hält mancher LMU-Professor für befremdlich.

An der Sitzung der Dekane durfte Nida-Rümelin nicht teilnehmen, obwohl er selbst einer Fakultät vorsteht. Seine Bewerbung, die im Gegensatz zu vorangegangenen Äußerungen konkrete Vorschläge enthalten soll, lag den Dekanen vor: Vor allem will er die Geisteswissenschaften stärken. Dennoch wurde die Kandidatur einhellig abgelehnt - auch vom Stellvertreter Nida-Rümelins aus dessen Fakultät.

Der Physiker Axel Schenzle sagt, es handle sich um "eine Entscheidung für Huber und nicht gegen Nida-Rümelin". Sämtliche Dekane fürchteten, bei einer Kampfkandidatur nähmen sowohl beide Bewerber als auch die Uni selbst Schaden. "Freilich wurde auch festgestellt, dass manches verbesserungswürdig sei", sagt Schenzle. Huber aber traue man zu, den Rang der LMU bei künftigen Exzellenz-Initiativen zu behaupten.

Keine Rolle hätten etwaige Ambitionen Nida-Rümelins auf das Münchner Oberbürgermeister-Amt gespielt. Darüber lässt sich der Philosoph keinen Kommentar entlocken. Auf seiner Reise bekommt er auch Spekulationen darüber nicht mit, ob er geeignet sei, einen Holzschlegel in ein Bierfass zu treiben und "Ozapft is" zu rufen.