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Präimplantationsdiagnostik:Prozess um Eizellen-Prüfung

Münchner Labor will ohne Erlaubnis Embryonen untersuchen

Untersuchungen an Embryonen unterliegen in Deutschland strengen gesetzlichen Regelungen. Ethikkommissionen entscheiden pro Jahr bundesweit über ein paar Hundert Anträge auf sogenannte Präimplantationsdiagnostik. Denn nur unter besonderen Umständen darf ein Embryo vor dem Einpflanzen genetisch untersucht werden: Entweder muss das Risiko schwerer Erbkrankheiten bestehen oder die hohe Wahrscheinlichkeit einer Tot- oder Fehlgeburt. Ein Münchner Labor will die Kommission nun in bestimmten Fällen umgehen - und zieht dafür vor Gericht.

Wer in Deutschland ohne explizite Erlaubnis menschliche Keimzellen verändert, dem drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Das Münchner Labor Synlab will die Regelungen nicht hinnehmen und streitet vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in Ansbach dafür, bestimmte Untersuchungen durchführen zu dürfen, ohne vorher die Kommission zu fragen. Die Stadt München hat das untersagt. Am Donnerstag befasste sich das Gericht mit dem Fall. Ein Urteil soll am kommenden Montag verkündet werden. Das Gericht beabsichtigt allerdings, die Revision zum Bundesverwaltungsgericht zuzulassen - zu grundsätzlich sei die Bedeutung.

Synlab begründet die Klage damit, dass die sogenannten Trophektodermbiopsien gar nicht unter das Embryonenschutzgesetz fallen. Bei der Untersuchung würden nicht dem Embryo direkt Zellen entnommen, sondern dem umgebenden Gewebe. Erblich belastete Zellen sollten nicht aussortiert werden, es werde lediglich untersucht, ob eine Zelle sich überhaupt einnisten kann. Von einem "Trick" spricht dagegen der Münchner Medizinethiker Georg Marckmann. "Was zählt, ist ja die Konsequenz: die Nichteinpflanzung aufgrund einer genetischen Untersuchung." Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Claudia Wiesemann, würde es begrüßen, "wenn die bürokratische Prozedur erleichtert würde". Denn in der Regel seien Familien, die Anträge stellen, durch ein schwer behindertes Kind oder mehrere Fehlgeburten schon belastet.

© SZ vom 30.11.2018
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