bedeckt München 14°
vgwortpixel

Post-Filialen:Münchner Postfilialen sind unterschiedlich ausgelastet

Ist es dort wirklich so schlimm? Ein Besuch vermittelt ein anderes Bild. In der Ungererstraße sieht man am Samstagvormittag kaum Wartende. Und in der Arnulfstraße weder an einem Dienstagabend, noch an einem Samstagvormittag - obwohl das Stoßzeiten sind. "Heute hat man aber auch Glück, normalerweise muss ich schon 45 Minuten warten", relativiert ein Arnulfstraßen-Kunde die Momentaufnahme.

Die Münchner Postfilialen sind also sehr unterschiedlich ausgelastet. Wer wie lange anstehen muss, hängt sowohl vom Wohnort als auch vom Zeitpunkt ab. "Wir empfehlen unseren Kunden, die Feierabendzeit zu vermeiden und samstags, falls möglich, die Morgenstunden zu nutzen", sagt Carolin Gruber von der Deutschen Post. Um den Service zu verbessern, hat die Post 2012 ein Internet-Portal entwickelt.

Briefe Wenn der Postbote nicht mehr täglich liefert
Pilotprojekt

Wenn der Postbote nicht mehr täglich liefert

Die Post testet mit ausgewählten Kunden eine seltenere Briefzustellung: nur noch ein- oder dreimal die Woche. Die Gewerkschaft Verdi warnt vor einem "wirklich gravierenden Eingriff".

Dort können Kunden selbst entscheiden, wohin sie ihr Paket geliefert bekommen wollen. "Sie können sich einen Wunschtag für die Zustellung aussuchen, an dem sie zu Hause sind, oder online bestimmen, dass die Lieferung in eine bestimmte Filiale, an einen Nachbarn oder an eine Packstation erfolgen soll", erläutert Gruber. Besonders das Thema Packstationen möchte die Post in Zukunft stärker forcieren. Derzeit sind im Stadtgebiet 100 Packstationen mit etwa 12 500 Fächern in Betrieb. Ein Allheilmittel sind die aber auch nicht.

Christian Bösl zum Beispiel versucht nach Möglichkeit nur noch direkt in eine Packstation zu bestellen. "In 60 bis 70 Prozent der Fälle funktioniert das", erzählt er, während er an der Angererstraße ansteht. Aber häufig sei die Packstation überfüllt und dann komme das Paket doch wieder in die Filiale. Auch jene Kunden, die ihr Paket nach Hause liefern lassen möchten, klagen darüber, dass es ungewollt in einer Geschäftsstelle landet. "DHL bringt das Paket gar nicht erst zum Kunden, sondern direkt in die Filiale", glaubt Roxana Kotanova, die in der Schlange an der Meistersingerstraße wartet.

Auch Reinhold Schira wundert sich, dass er ansteht, denn er sei den ganzen Tag zu Hause gewesen. Dass Fehler vorkommen, könne er naturgemäß nicht ausschließen, sagt Post-Sprecher Dieter Nawrath, aber: "Für einen Zusteller ist es mehr Aufwand, ein Paket nicht korrekt auszuliefern." Erst müsse der Zettel in den Briefkasten und dann das Paket zurück in die Filiale. "Damit tut man sich keinen Gefallen", sagt Nawrath. Seiner Erfahrung nach hören Kunden nicht immer die Klingel.

Vor Weihnachten dauert es wohl noch länger

So weiß keiner so recht, wer nun an den langen Wartezeiten Schuld trägt. Nur: Auf Weihnachtsharmonie hofft man wohl vergeblich. "An Spitzentagen kurz vor Weihnachten rechnen wir mit der doppelten Sendungsmenge", sagt Post-Sprecherin Gruber. Auf die Frage, ob in der Weihnachtszeit mehr Personal in den Geschäftsstellen zur Verfügung steht, antwortet sie nur: Die Partner würden die Kunden- und Umsatzzahlen aus den Vorjahren kennen und den Personaleinsatz in eigener Regie regeln.

Bei den Anstehenden in der Meistersingerstraße stellt sich angesichts dieser Botschaft kein Frohlocken ein. "Letztes Jahr zu Weihnachten stand ich fast jeden Tag hier", erzählt Roxana Kotanova. Und Holger Kostner, der neben ihr steht, meint: "Aber man hat ja keine andere Wahl."

© SZ vom 04.12.2017/vewo
Postzusteller "Dieser Wandel ist schon gigantisch"

Postzusteller in München

"Dieser Wandel ist schon gigantisch"

Seit 33 Jahren arbeitet Christian Hufsky als Postzusteller - einst war es eine Vernunftentscheidung, jetzt ist es eine Leidenschaft. Doch über die Jahrzehnte hat sich viel geändert.   Von Gerhard Fischer

Zur SZ-Startseite