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Posse um passivrauchende Reptilien:Hat die Schlange gern mitgeraucht?

Markus Baur mit Bartagamen.

Tierarzt Markus Baur, hier mit Bartagamen.

(Foto: privat)

Ein militanter Nichtraucher legt sich mit einem Münchner Tierarzt an: Markus Baur hat an seinem Schreibtisch gequalmt - obwohl dort Schlangen und Schildkröten leben. Nun weicht er in den Innenhof aus. Ein Gespräch über Sucht, passivrauchende Reptilien und einen "mobbenden Einzelkämpfer".

Wenn es um gefährliche Schlangen, um Skorpione oder gar um Krokodile geht, ist Markus Baur, 46, für die Behörden der erste Ansprechpartner. Der Tierarzt leitet die Münchner Reptilienauffangstation an der Kaulbachstraße, in der jährlich etwa 400 Tiere aufgenommen werden, etwa jene, die der Zoll am Flughafen beschlagnahmt, weil man sie in Deutschland nicht halten darf. Nun steht Baur wegen eines persönlichen Lasters in der Kritik: Er raucht 30 bis 50 Zigaretten am Tag. Weil er das lange Zeit im Büro zu tun pflegte und dort - aus schierer Platznot - 14 herrenlose Schildkröten, sieben Schlangen und ein paar Guppys leben, hat er die Anti-Raucher-Lobby gegen sich aufgebracht.

Süddeutsche.de: Herr Baur, betrachten wir diese Thematik unter einem streng wissenschaftlichen Gesichtspunkt: Leiden Reptilien unter Passivrauchen?

Baur: Also mir wäre keine Studie bekannt, die das untersucht hätte. In der Wissenschaft gibt es weitaus drängendere Fragen. Das soll um Gottes Willen nicht heißen, dass ich die Vorwürfe der Nichtraucher-Lobby bagatellisieren möchte. Natürlich ist Rauchen gesundheitsschädlich. Die Welt geht aber nicht unter, nur weil einer einen Glimmstängel in der Hand hält.

Sie müssen zugeben, dass es auf den ersten Blick merkwürdig erscheint, wenn ein Arzt in dem Raum raucht, in dem seine Patienten leben.

Ja, vielleicht. Die Frage ist nur, ob ich den Tieren im Glaskasten schade, wenn ich in einem Zimmer rauche, in dem toujours ein Abzug läuft und das Fenster so gut wie immer offen steht. Neulich ist eine Grüne Strauchnatter gestorben, die mindestens zwei Jahre lang bei mir im Büro gelebt hat. Der Pathologe hat sie untersucht und dabei weder Teerablagerungen in der Lunge entdeckt noch Atemwegsreizungen festgestellt: Das Tier ist an einem nicht behandelbaren Darmverschluss verendet.

Das heißt aber noch lange nicht, dass die Schlange gerne mitgeraucht hat. Können Sie die Empörung der Nichtraucher gar nicht nachvollziehen?

Wir haben lange über das Thema Rauchen am Arbeitsplatz diskutiert, als wir uns mit dem Trägerverein für die Auffangstation selbstständig gemacht haben. Wir haben es mit den Behörden abgesprochen und am Ende für vertretbar gehalten - auch, weil es aus unserer Sicht nicht gegen den Tierschutz verstößt.

Wie lässt sich das belegen, wenn es keine Studien zu dem Thema gibt?

Meine Kollegen und ich können an den Verhaltensweisen der Reptilien ablesen, wie es ihnen geht und wie sie sich fühlen. Das ist quasi unser Handwerkszeug, mit dem wir täglich arbeiten. In der Zeit, in der ich im Büro geraucht habe, hat es bei den Tieren nie Ansatzpunkte für Unruhe gegeben - sonst hätten wir sofort gehandelt.

Sie wurden von einem Mitglied des Vereins "Pro Rauchfrei" in persönlichen E-Mails sehr hart angegangen. Er nannte Sie einen " rücksichtslosen Egoisten, Tierquäler und Heuchler" und hat Sie angezeigt. Sie haben mittlerweile kapituliert und rauchen jetzt im Innenhof.

Wir haben über das Rauchen noch einmal intern gesprochen und demokratisch entschieden, dass es uns wichtiger ist, in Ruhe arbeiten zu können. Ich habe im Alltag einfach nicht die Zeit, mich mit einem mobbenden Einzelkämpfer herumzuschlagen. Es gibt jetzt eine offizielle Dienstanweisung, die das Rauchen verbietet. Von einer Kapitulation möchte ich aber nicht sprechen: Ich bin weiterhin Raucher und stehe auch dazu.

Letzte Frage: Wenn Sie die Tiere so gut lesen können, haben die jetzt Entzugserscheinungen?

(Lacht.) Nein. Die Tiere verhalten sich genauso normal wie vor drei Monaten.