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Posse um Lärm-Messgerät am Gärtnerplatz:Und jetzt alle!

Der Gärtnerplatz an einem Sommerabend. Nun will ein Stadtrat dort eine Messsäule aufstellen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ein Stadtrat will am Gärtnerplatz eine Messsäule aufstellen - mit Anzeige des Lärmpegels in verschiedenen Farben. Die Polizei allerdings befürchtet ein "vorsätzliches Hochsingen". Das Umweltreferat warnt sogar: Das Messgerät könnte als Feind wahrgenommen werden.

Was haben Kleinkinder und die Fans nächtlicher Ausschweifungen gemeinsam? Sie sind extrem verspielt. Wie erfreut wäre die Party-Szene daher, wenn die Stadt einem Vorschlag von CSU-Stadtrat Georg Schlagbauer folgen würde und eine automatische Messsäule am Gärtnerplatz aufstellt - mit Anzeige des Lärmpegels in verschiedenen Farbtönen.

Das ganz große Gemeinschaftserlebnis wäre garantiert: nächtliche Chöre, die zur Höchstform auflaufen, Wettbewerbe um den Titel des Dezibel-Königs, rhythmisches Flaschenklirren bis zum Maximalausschlag.

Stadt und Polizei wissen allerdings um deren Hang zur Albernheit. Weshalb es wohl nichts wird mit dem bunt funkelnden Blickfang - das Ganze war schließlich nicht als Förderprogramm für nächtliche Ruhestörung gedacht. Eigentlich sollte ein Bewusstsein für die Situation der Anwohnerschaft geschaffen, eine Art Selbstkontrolle etabliert werden. Doch die Polizei befürchtet eher ein "vorsätzliches Hochsingen der Messsäule" - und eine vorgegaukelte Objektivität, von welcher Lautstärke an es nachts zu laut ist.

Lärm werde schließlich sehr unterschiedlich wahrgenommen. Ein hoher Pegel an der Säule würde vermutlich dazu führen, dass die Polizei unter Handlungsdruck gerät, warnt das Präsidium - gerade so, als existiere ein verbindlicher Grenzwert für Personenansammlungen.

Es könnte aber noch schlimmer kommen, mahnt das Umweltreferat. Dann nämlich, wenn das Messgerät womöglich gar als Feind wahrgenommen wird. Nachfragen in Freiburg haben ergeben: Die dortige "Säule der Toleranz" auf dem Augustinerplatz, die ganz lärmunabhängig per Farbwechsel auf den Beginn der Nachtruhe hinweist, war alles andere als ein Erfolgsmodell.

Erst versuchten Besucher, die Säule umzureißen, dann kursierten Gerüchte, im Innern sei eine Kamera verborgen - was dazu führte, dass das Äußere mit zahlreichen Aufklebern verziert wurde. Dies alles veranlasst den Münchner Kreisverwaltungsreferenten Wilfried Blume-Beyerle zu dem Satz: "Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist."