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Pop:Sommer, Freiheit, Weltuntergang

Die Tour ist abgesagt, doch bald erscheint das neue Album von Sebastian Eggerbauer alias Telquist

Telquist - ein Wort, acht Buchstaben, zwei Silben. Was es bedeutet, weiß keiner genau. Nicht mal Sebastian Eggerbauer selbst, der unter diesem Namen auf die Bühne tritt und mit lässigen Indie-Pop-Klängen positive Vibes verbreitet. "Mit am schwierigsten beim Musikmachen ist, einen Namen zu finden", sagt der Solokünstler. Er habe einfach eine zweisilbige Kombination genommen, die es noch nicht gebe - das "Faszinosum" sei gewesen, dann zu sehen, ob der Klang des Namens Telquist auch den Charakter der Musik widerspiegeln könne.

Telquist

Auf die Konzerte wie hier im Februar im Ampere hatte sich Sebastian Eggerbauer (li.) gefreut. Aber er betont: Die Gesundheit geht vor.

(Foto: Benjamin Hoffmeister)

Die Musik von Sebastian Eggerbauer ist genauso "bunt" wie der Name des Soloprojekts, das passt also gut zusammen. Das Grundgerüst bilden dabei Reggae und Offbeat. Das liegt wohl daran, dass der gebürtige Landshuter früher sowohl in Indie- und Reggae-Bands den Bass übernahm als auch in Ska-Punk Gruppen. Nur eine Musikrichtung zu machen, war dem 24-jährigen Telquist alias Sebastian Eggerbauer zu engstirnig.

2017 erschien unter dem Label Wohnzimmer Records sein erstes Album "Strawberry Fields" mit zwölf Songs. Dann kam Marc Liebscher von der Künstleragentur Blickpunkt Pop, Manager von beispielsweise Sportfreunde Stiller oder Die Sauna, hinzu und brachte ihn auf Kurs. Die beiden Single-Vorboten "Fun" und "Trash Talk", unter dem Label Krawall erschienen, kündigen nun das neue Album an, das 2020 noch irgendwann kommen wird. "Die Nummern sollten vor allem live funktionieren", sagt Eggerbauer. Die Themen der Neuheiten kreisen, wie auch beim vorhergehenden Album, vorrangig um Sommer, Freiheit, Jugend und Weltuntergangsszenarien - passender geht es offenbar kaum in der momentanen Krise. Dabei scheint der kratzigen Stimme des Solo-Sängers alles egal zu sein, außer die momentane Musik. Bei "Fun" ist aber aus einem Sampling ein ganzer Song entstanden. Da habe er versucht, einen bestimmten Lebensstil einzufangen, konkret gehe es um einen Nichtsnutz. "Es sind auch viele Hip-Hop-Zitate im Song, um auf ironische Art auf dicke Hose zu machen, um die eigene Belanglosigkeit zu verdeutlichen", sagt Eggerbauer zum neuen Track.

Wann genau die vollständige Platte kommen wird, ist noch nicht ganz klar; am besten bevor die gerade abgebrochene Tour von Telquist im November weitergehen kann. Anfang März startete Eggerbauer zusammen mit seiner Live-Besetzung, bestehend aus Christoph Hundhammer (Gitarre), Thomas Huck (Bass) und Max Gerisch (Schlagzeug), in Wien die "Trash Talk Tour". Danach folgten Bayreuth, Chemnitz und Jena, die sich nach den Konzerten als letzte Stationen entpuppten. Der Grund für den Abbruch ist das Corona-Virus. "Wir waren wirklich sehr enttäuscht, weil wir uns auf einen Monat voller Konzerte gefreut haben und die Vorverkäufe in Deutschland wirklich super waren. Aber natürlich ist es die richtige Entscheidung", betont Eggerbauer, "die Gesundheit geht vor."

Im November soll die Tour definitiv weitergehen, die Tickets behalten ihre Gültigkeit. Niemand von ihnen lebe außerdem ausschließlich von der Musik. Das ist in dieser Zeit mehr Segen als Fluch. Derzeit studiert Eggerbauer Germanistik in Regensburg. Dort, in seiner Wohnung, hält er sich derzeit auch auf. Er wolle nun Dinge tun, für die er sonst nie Zeit hatte. "Ich freue mich darauf, endlich mal wieder mehr zu lesen."

Aber auch für die Musik bietet die Zeit mehr Freiraum, um Neues intensiver auszuprobieren. Genres zu vermischen, das reizt Sebastian Eggerbauer alias Telquist eben sehr.

© SZ vom 25.03.2020
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