In Sachen Geheimtipp ist der Rundbrief etwas aus der Mode gekommen, seit es Social-Media gibt. Geheimnisse sind ja das Schönste am Pop. Zum Beispiel, wenn man vor zwei Wochen schon wusste, dass vorige Woche Das Lumpenpack im Münchner Club Backstage spielen würden, obwohl sie im offiziellen Programm als Ein Klumpen Hack angekündigt waren. Ein Geheimkonzert eben zum Testen und Anschüren des neuen Albums „Bevor der Mut dich verlässt“. So wie das gerne auch immer wieder mal die ihnen sehr artverwandten Toten Hosen (alias Die Roten Rosen) oder Die Ärzte (alias Die ulkigen Pulkigen) veranstalteten – streng geheim, nur für Eingeweihte.
Wer den Auftritt der Stuttgarter um den gebürtigen Augsburger Maximilian Kennel, die in der bayerischen Poetry-Slam-Szene groß wurden und bis auf eine halbe Million Social-Follower angewachsen sind, also verpasst hat, muss nun bis zum offiziellen Konzert am 3. Oktober im Zenith warten. Und darf sich freuen auf schmissigen, nach außen und innen schauenden Punkrock mit tollen Zeilen wie dieser: „Ich mal’ alles schwarz, um die Scheiße nicht zu sehen, doch ich merk’, dass meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhn’“.
Das Lumpenpack hat berühmte Freunde in München: die Sportfreunde Stiller. Erst vergangenen Herbst brachten sie die Single „Wand“ mit Sportfreunde-Sänger und -Gitarrist Peter Brugger heraus, der sich bei solchen Seitensprüngen gerne als Peter Balboa tarnt. Ansonsten tritt die genau vor 30 Jahren als Endkrass gegründete, dann über den Namen ihres Fußballlehrers Stiller zum endgültigen Titel gekommene Münchner Parade-Band kaum unter Pseudonym auf. Und dennoch kann es helfen, den E-Mail-Newsletter der sehr Spielfreudigen regelmäßig zu lesen. Sonst würde man vielleicht verpassen, dass die Sportfreunde außer auf ihrem offiziellen „Hurra wir leben noch“-Geburtstagsfest am 16. Mai in der Olympiahalle zuvor ebenfalls ganz spontan im Backstage auftreten.
In ihrem wie immer sehr blümerant geschriebenen Rundbrief #96 steht auch, warum. Nämlich, weil sie das Backstage, diesen „Glutofen der kreativen Alternativkultur“, unterstützen wollen, und es verteidigen gegen den Bau-Großinvestor in der Nachbarschaft: „Da kommt wer und will Luxushütten auf das Gelände stellen“, schreiben sie in arg verknappter Darstellung. Jedenfalls meinen sie: „Das geht nicht nur zu weit, sondern gar nicht!!!“ Also geben sie am 28. April, 19 Uhr (vorgezogen wegen des Championsleague-Halbfinales um 21 Uhr) ein Solidaritäts-„Konzertchen“ in der mittelgroßen Backstage-Halle, das auch als „Aufwärmparty“ für ihre anstehende „30 wunderbaren Jahren“-Tour fungiert.
Wie jeder Sportsfreund weiß, ist ein gutes Aufwärmprogramm entscheidend vor so wichtigen Saisons wie dieser dreißigsten: Die neuen Singles „Tiamo Italiano“ und „Keine Blumen ohne Regen“ sind schon durchgestartet, es folgen das Album „Happy Birthday“ Mitte Mai, die Tournee und eine ARD-Dokumentation, die auch auf dem Dok.Filmfest (6. bis 18. Mai) gezeigt wird, alles nachzulesen in den jüngsten Rundbriefen der Band.
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Für Freunde deutscher oder (weitestgehend) deutschsprachiger Pop-Musik ist Anfang Mai jede Menge geboten in München: Aus dem weiten Feld der Castingshows haben zwei Interpreten sich gelöst und als ernstzunehmende Solo-Künstler etabliert: „The Voice“-Sieger und ESC-Verweigerer Andreas Kümmert („Rocket Man“) füllt das Backstage am 8. Mai mit seinem Soul-Organ, „The Voice“-Dritter und ESC-Vierter Michael Schulte auf seiner „Sanfte Töne, besondere Orte“-Tour das Prinzregententheater mit Pop-Songs von internationalem Format am 2. Mai.

Viel hiesigen Hip-Hop gibt es auch auf die Ohren: Bevor Thomas D. mit den „Fanta Vier“ auf „Der letzte Bus“-Abschiedstour geht (17./18. Januar 2027, Olympiahalle), gastiert er ganz intim mit seinen einstigen „Mars“-Kommunarden The KBCs im Ampere (6. Mai), wo sich auch Münchens Strahlefrau Fiva nach zwei Jahren Tourpause wieder einläuft (13. Mai). Samy Deluxe lässt seine Eimsbuscher Hip-Hop-Hymnen vom Klassik-Ensemble Mikis Takeover! veredeln (17. Mai, Isarphilharmonie), während seine Hamburger Kollegin Hayty auf „Drehkreuz“-Tour ihren Musikbegriff höchstselbst von Girl-Gangster-Rap auf deutsche Weltmusik und Baile-Funk und Emo-Hyper-Pop ausweitet (8. Mai).

Wer es noch ethnologischer mag, wird von den Oberösterreichischen Quetschn-Anarchos Attwenger wie immer bestens bedient, die beiden Polka-Trip-Hop-Punks stellen in der Milla ihr neues Album „Wos“ vor (2. Mai). Wenig verstehen, aber viel feiern wird man auch bei den rheinischen Party-Kapellen Kasalla (1. Mai) und Knallblech (2. Mai) nacheinander im Backstage. Und freilich bei den Schweizern Fäaschtbänkler in der Olympiahalle (1. Mai), die zwar große Stars der Neue-Volksmusik-Szene sind, aber für viele andere noch ein Geheimtipp.


