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Pop:Heimat im Underground

Echokammer

The Sound Of Money mit Martin Lickleder, Claudia Kaiser, Franziska Erdle und Albert Pöschl (von links).

(Foto: Gerald von Foris)

Das Münchner Indie-Label Echokammer wird 20

Von Jürgen Moises

Seit 20 Jahren gibt es das Münchner Indie-Label Echokammer. Aber um von dessen Anfängen zu erzählen, muss man noch weiter zurück, bis in die Achtziger. Das heißt genauer, bis zum Commodore 64 und den wunderbaren 8-Bit-Sounds, die der inzwischen legendäre Heimcomputer ausgespuckt hat. Denn ohne diesen hätte es "Dis*ka - presents C2064" nie gegeben. Diese "Killer Compilation mit den besten C64-Mods aus dem Netz", die im Sommer 2000 als erstes Echokammer-Album erschien. Mehr als 800 Stück wurden von den Coverversionen im fiependen Floppy-Sound von Bands wie Pet Shop Boys oder Nirvana verkauft, erzählt Albert Pöschl am Telefon. Er hat die Band Dis*ka 1998 zusammen mit dem BR-Moderator Ralf Summer gegründet und dann 2000 mit Summer und dem Journalisten, Musiker und DJ Noe Noack das Label Echokammer.

Dass sich Pöschl und Noack schon aus frühen Jahren in ihrem gemeinsamen Geburtsort Altötting kennen und hier drei Freunde die eigene Musik auf ihrem eigenen Label herausbrachten, ist bis heute bezeichnend für Echokammer. Was nämlich da in einem kleinen Studio in einem Giesinger Hinterhof entsteht, ist in erster Linie Musik von Freunden. Hits zu produzieren oder gar viel Geld damit zu machen, das ist nicht wirklich das Ziel von Albert Pöschl, der das Label als ausgebildeter Tontechniker seit etwa zehn Jahren alleine führt. Wobei: "When I'm C64" von Dis*ka, das 2001 herauskam, das war schon ein kleiner und schon wegen des Titels absolut verdienter Hit. Und als "mysteriöses" Synthiepoptrio Queen Of Japan haben es Hans Platzgumer, Miss le Bomb und Albert Pöschl sogar geschafft, die internationale Popwelt zu foppen. Weil man zeitweise glaubte, dass das Trio aus Japan stammt.

Zumindest hitverdächtig sind auch einige Song von Suzie Trio und The Sound Of Money. Zwei weitere von etwa 40 Musikprojekten, an denen Albert Pöschl in den vergangenen 40 Jahren als Musiker beteiligt war und teilweise noch immer mitwirkt. So wie am Freitag, 14. August, wenn beide Formationen beim Kultursommer am Grünspitz aus Anlass von 20 Jahre Echokammer auftreten. Suzie Trio, das sind im Wesentlichen Pöschl und Martin Lickleder, immer mal wieder um verschiedene Musiker ergänzt. Ihre Musik: verquere Liedermacherkunst mit einem erklärten Hang zum Scheitern. Der "Sound Of Money" steht für sehnsüchtigen Sixties-Pop. Hier ist neben Pöschl Claudia Kaiser von den Moulinettes die treibende Kraft.

Dass beide Projekte nach längeren Ruhepausen immer wieder aufhallen - auch das ist typisch für zahlreiche Bands von Echokammer, dessen Diskografie nicht nur den verästelten Klangkosmos von Pöschl, sondern auch 20 Jahre Münchner Underground und Subkultur dokumentiert. Die Moulinettes, Kamerakino, Hans Platzgummer, Das Weiße Pferd, Parasyte Woman, Tom Wu, die Damenkapelle: Sie alle haben auf Echokammer veröffentlicht. Aktuell ist ein Album des Percussionisten Zoro Babel und dessen Vater, des Bildhauers und Klangkünstlers Paul Fuchs, in Planung, außerdem ein experimentelles Elektronik-Album von Christian Nothaft. Wenn die Zählung stimmt, dürften das die Nummern 88 und 89 von Echokammer sein.

Auf Corona angesprochen meint Albert Pöschl, dass sich für ihn als Label-Chef eigentlich nicht viel verändert hätte. Denn die finanzielle Bilanz, die sei beim kleinen Echokammer-Label schon immer ein "Plus-minus-null" gewesen. Weswegen das Virus die "Großen" eigentlich viel stärker treffe. Ansonsten habe er sich mit seiner "Mischkalkulation" als Label-Chef, Produzent, Musiker DJ und Barmann bisher ganz gut durchgemogelt. Und dass große Bands im Biergarten und kleine wie etwa zuletzt Salewski (auch eine Echokammer-Band) plötzlich im Olympiastadion spielen, das sei irgendwie auch schon eine interessante Entwicklung. Was den 20. Geburtstag angeht: Am 11. September und 23. Oktober sind mit The Grexits und Das Weiße Pferd zwei weitere Echokammer-Bands am Grünspitz zu erleben. Außerdem kann man seit ein paar Tagen unter soundcloud.com/westtor-radio eine dreistündige Radiosendung mit Albert Pöschl hören. "40 Jahre Da Pöschl On Stage" heißt sie, mit Musik von 41 Pöschl-Bands. Viele davon sind auch auf www.echokammer.de zu finden.

The Sound Of Money & Suzie Trio, Fr., 14. August, 19 Uhr, Giesinger Grünspitz

© SZ vom 12.08.2020

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