Polizist vor Gericht:Opfer spricht von Gewaltexzess

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Es war quasi ein Auswärtsspiel für die Beteiligten: Duisburg gegen Mailand wurde vor dem Münchner Landgericht verhandelt. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Ein Polizist von der Inspektion an der Beethovenstraße muss sich vor Gericht verantworten. Er soll einen Festgenommenen mit der "behandschuhten Faust" viermal "wuchtig" geschlagen haben. Dieser schildert, wie die Situation eskalierte.

Von Andreas Salch

Ein Polizist der Inspektion an der Beethovenstraße soll einen vorläufig festgenommen Syrer auf der Wache weitaus heftiger geschlagen haben, als bislang bekannt. Der 27-Jährige Beamte muss sich seit Mitte September wegen Körperverletzung im Amt vor dem Amtsgericht München verantworten. Am Abend des 10. Februar vergangenen Jahres war ihm und seinen Kollegen der 24-jährige Fliesenleger aus Syrien in der Schillerstraße aufgefallen. Die Beamten kontrollierten ihn, weil sie ihn kannten und wussten, dass er Drogen konsumiert. Die Situation soll nach Angaben des Fliesenlegers, den das Gericht am Mittwoch vernahm, schnell eskaliert sein.

Laut seinen Angaben sei er wegen des vorherigen Konsums von Drogen und Alkohol "ein bisschen verärgert" gewesen. Als er seinen Rucksack vor den Beamten hingeworfen und sie beleidigt habe, habe einer von ihnen ihn sofort am Hals gepackt und auf den "Boden gedrückt". Daraufhin, so der Zeuge, sei er geschlagen worden. Anschließend habe man ihn ein Einsatzfahrzeug gesetzt und zur Inspektion in die Beethovenstraße gebracht. Nach den Angaben 24-Jährigen soll es dort zu einem regelrechten Gewaltexzess gegen ihn gekommen sein.

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Acht bis neun Beamte sollen sich daran beteiligt haben. Zwei von ihnen, darunter der Angeklagte, hätten ihm die Nase blutig geschlagen. Bei dem mutmaßlichen Übergriff erlitt der Syrer zudem eine Fraktur des linken Ringfingers sowie eine Fraktur am linken Fuß.

Zu dem mutmaßlichen Vorfall gibt es Aufnahmen von einer Bodycam eines Beamten. Der in dem Verfahren vor dem Amtsgericht angeklagte Polizeibeamte hatte daraufhin einen Strafbefehl über mehr als 90 Tagessätze erhalten. Dagegen legte er Einspruch ein. Denn hätte er ihn akzeptiert, wäre er vorbestraft gewesen. In dem Strafbefehl legt die Staatsanwaltschaft dem 27-Jährigen Körperverletzung im Amt zur Last, da er dem bereits gefesselten Fliesenleger mit der "behandschuhten Faust" viermal "wuchtig" auf den Kopf geschlagen und ihn aus zehn Zentimeter auf eine Holzpritsche haben fallen lassen. Dass der Beamte dem 24-Jährigen mehrmals und so heftig mit der Faust auf die Nase geschlagen haben soll, dass sie blutete, ist hingegen neu.

Im Zuge der mutmaßlichen Tat wurde auch gegen den Fliesenleger Ermittlungen geführt. Das Verfahren jedoch wurde eingestellt. Bei seiner Vernehmung am Mittwoch räumte der 24-Jährige ein, er habe die Beamten "geschubst", allerdings hätten diese ihm zuvor angeblich Faustschläge ins Gesicht versetzt. Ob der Angeklagte ihn, als er gefesselt war, aus zehn Zentimetern Höhe auf eine Holzpritsche fallen ließ, wisse er nicht, sagte der Fliesenleger. Nach den mutmaßlichen Schlägen durch die Beamten hätten zwei ihn an Händen und Füßen gepackt und eine Treppe hinunter getragen. In diesem Moment "ist der Film gerissen". Der Fliesenleger meinte damit, dass er das Bewusstsein verlor. Als er wieder zu sich gekommen sei, habe er sich in einer Zelle befunden - nackt bis auf die Unterhose. Der Prozess vor dem Amtsgericht wird Ende Oktober fortgesetzt.

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