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Polizeistatistik:Sorgt Münchens Wohlstand für Sicherheit?

Sorgt Münchens Wohlstand für Sicherheit?

Nicht nur die Polizeiarbeit spielt eine Rolle dabei, wie sicher eine Stadt ist, sondern auch die Menschen, die in ihr leben. Es gibt kaum einen Städtevergleich zur Wirtschaftskraft, bei dem München nicht auf dem ersten Platz landet. Die Stadt floriert, die Arbeitslosenquote ist mit 3,9 Prozent konkurrenzlos niedrig (Berlin 8,4, Köln 8,2, Hamburg 6,5, Frankfurt 5,7). Die statistische Kaufkraft eines durchschnittlichen Münchners lag im vergangnen Jahr bei 32 139 Euro. Ein Bürger Berlins hingegen hatte mit 21 227 Euro ein Drittel weniger zur Verfügung.

Der allgemeine Wohlstand an der Isar wirkt sich positiv auf die Sicherheit aus: Wer seinen Passat in der Garage parkt, wird selten aus Existenznot zum Taschenräuber. Natürlich begehen auch wohlhabende Bürger Straftaten, aber oft subtiler. Verbrechen wie Steuerhinterziehung oder Wirtschaftskriminalität können gewaltige finanzielle Schäden anrichten, wirken sich aber nicht auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung aus und stellen, was die statistischen Fallzahlen von Straftaten betrifft, eine vernachlässigbare Größe dar.

Welche Rolle spielt der Ausländeranteil in München?

Knapp 48 Prozent aller Tatverdächtigen in München waren 2017 keine Deutschen. Der Anteil der Ausländer an der Bevölkerung liegt mit 28 Prozent deutlich darunter. Somit waren Ausländer in der Kriminalitätsstatistik überrepräsentiert. Das hat viele Gründe: Migranten werden häufiger kontrolliert, leiden oft unter prekären Lebensumständen, dürfen häufig nicht arbeiten, und gerade unter Flüchtlingen finden sich viele junge Männer, die allein aufgrund ihres Alters und Geschlechts statistisch häufiger straffällig werden.

Wenn aber Zuwanderer häufiger als Tatverdächtige erfasst werden, wirkt sich dann der Migrantenanteil im Vergleich der Großstädte auf die Sicherheit aus? Die Zahlen belegen das nicht: Frankfurt und München haben mit 29 und 28 Prozent beinahe denselben Anteil von Ausländern an der Gesamtbevölkerung, der Unterschied ist winzig. Bei den Straftaten pro 100 000 Einwohner jedoch ist der Abstand zwischen den Städten gewaltig, die Frankfurter werden statistisch doppelt so häufig straffällig wie die Münchner. In Berlin leben mit 19 Prozent anteilig die wenigsten Ausländer im Städtevergleich, gleichzeitig registriert die Polizei dort die meisten Straftaten pro 100 000 Einwohner. Mit dem Ausländeranteil sind die Unterschiede im Sicherheitsniveau der Großstädte folglich nicht zu erklären.

Sind Münchens Ausländer besser integriert?

Auch in München gibt es reichere und ärmere Gegenden, aber nicht zuletzt die astronomischen Mietpreise sorgen dafür, dass nirgendwo ganze Viertel verwahrlosen. Die Arbeitslosenquote schwankt innerhalb der Stadt nur geringfügig. Auch die hier lebenden Ausländer verteilen sich weitgehend homogen auf das gesamte Stadtgebiet, anstatt sich zu isolieren. In fast allen Vierteln liegt ihr Anteil zwischen 20 und 30 Prozent. Die deutsche und nichtdeutsche Bevölkerung ist durchmischt, was der Integration dient. Ein nachbarschaftliches Zusammenleben wirkt sich positiv auf die Sicherheit aus.

In anderen Großstädten herrschen hingegen gravierende Unterschiede. Ein gutes Beispiel ist Hamburg: Während der Ausländeranteil im Stadtteil Billbrook bei 77 Prozent liegt, leben in Blankenese gerade mal acht Prozent Nichtdeutsche. Je größer die Kluft, desto eher können Parallelgesellschaften entstehen, aus denen mitunter Spannungen erwachsen.

Sicherheit liegt im Trend

Auch wenn München in puncto Sicherheit seit Jahren den ersten Platz belegt, so ist der Trend in allen deutschen Großstädten derselbe: München vermeldete für das Jahr 2017 einen Rückgang der Straftaten um 14,7, Berlin von 8,5 Prozent. In Köln sank die Fallzahl um sechs und in Hamburg um 5,6 Prozent. Frankfurt verzeichnete mit 4,7 Prozent zwar den geringsten Rückgang, erreichte damit aber einen Rekord: die niedrigste Zahl seit Beginn der elektronischen Erfassung im Jahr 1971.

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