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Polizei warnt vor Hundehasser:Gift in Hackfleischbällchen

Grafik Vergiftete Hunde

Eine Grafik zeigt, wo Hunde im Münchner Westen bereits vergiftet wurden.

Köder am Wegesrand: Im Süden und Westen von München versucht ein Unbekannter, Hunde mit Schneckenkorn zu vergiften. Zwölf Tiere wurden seit Jahresbeginn vergiftet, eines starb. Nun fordert die Polizei Hundehalter zur Achtsamkeit auf.

Ist es immer der gleiche Täter? Oder sind es mehrere? Wer legt die giftigen Köder aus? Und vor allem: warum? In den Gemeinden im Süden und Westen von München stellen sich Hundebesitzer seit Monaten bang diese Fragen. Denn dort treiben ein oder mehrere Hundehasser ihr Unwesen. Die unheimliche Serie begann im Sommer vorigen Jahres am Starnberger See, rund um Feldafing und Pöcking. Seit Dezember tauchten die mit Schneckenkorn vergifteten Hackfleischbällchen auch in Germering, Krailling und Planegg auf - und am Mittwoch dieser Woche dann auch noch zwischen Ebenhausen und Icking.

Mehrere Dutzend Hunde haben die Köder mittlerweile gefressen und mussten in Tierkliniken behandelt werden. Die Vergiftungsfälle treten dabei in Wellen auf: Ein paar Wochen lang passiert nichts - dann geht es wieder los. Die jüngsten Fälle: Zwischen Ebenhausen und Icking fraßen am Mittwoch fünf Hunde das Schneckenkorn. Und auch in Germering sind erst vor wenigen Tagen zwei Dackel und ein Labrador in die örtliche Tierklinik eingeliefert worden.

Auf die neuen Fälle reagierte die Polizei in Germering mit einer Plakataktion: Sie fordert die Hundebesitzer auf, ihre Tiere an der Leine zu führen und darauf zu achten, was sie am Wegesrand fressen. Außerdem will die Polizei die Aufmerksamkeit aller Spaziergänger auf das Thema lenken. Denn sie benötigt Hinweise, um den oder die Hundehasser erwischen zu können. Bislang gebe es keinen konkreten Verdacht, sagt Inspektionsleiter Klaus Frank. Ein Mädchen habe einen Mann mit Stofftasche gesehen, der so getan habe, als suche er im Unterholz etwas. Auch andere Beobachtungen sind gemeldet worden. Doch an den angegebenen Orten konnten Streifenpolizisten niemanden vorfinden.

Was aber treibt den oder die Hundehasser an? Im vergangenen Herbst hat ein Kampfhund in Germering mehrere Menschen angefallen. Eine alte Frau war von dem Tier umgerissen worden. Weil die Halterin nicht mit dem Hund umgehen konnte, ist dieser eingeschläfert worden. Ob die Vergiftungsfälle in einem Zusammenhang damit stehen? Die Polizei will darüber nicht spekulieren. Schon vorher wurden die Köder in Starnberg, Pöcking und Feldafing ausgelegt. Die Polizei ist sich sicher, dass die giftigen Happen dort von mehreren Tätern präpariert wurden.

Im Internet warnen sich Hundebesitzer gegenseitig vor Giftattacken. Über ganz Deutschland sind dort Fundorte von Ködern verzeichnet (www.giftkoeder-radar.com). Letzter Eintrag aus der Region München: das Schneckenkorn in Schäftlarn. Eine Vergiftung mit dem blauen Schneckenkorn ist für die Hunde besonders schlimm. Die Tiere müssen sich übergeben und erleiden Krämpfe, ehe sie sterben. Hundebesitzer sollten deshalb so schnell wie möglich einen Tierarzt aufsuchen, wenn sie bemerken, dass sich ihr Hund übergibt, oder wenn sie vermuten, dass er etwas Falsches gefressen hat.

Doch nicht nur die Tiere leiden Qualen. Vor allem Kinder sind geschockt, wenn sie miterleben, wie ihr Liebling stirbt. Vor Kurzem traf dies eine Familie in Türkenfeld. Die brachte ihre Hündin in eine Tierklinik, nachdem sich das Tier mehrmals übergeben hatte. Doch die Veterinärin konnte das Tier nicht mehr retten.