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Polizei-Uniform:Nicht ganz kugelsicher

Wenn es bei der Verbrecherjagd zu Schießereien kommt, könnte es für bayerische Polizisten gefährlich werden. Tests haben gezeigt, dass einige Schutzwesten die Kugeln nicht abhielten.

Staatliche Prüfer schießen im Labor regelmäßig auf die Schutzwesten der Polizei, um deren Sicherheit zu testen. Bei älteren Exemplaren war ein Durchschuss möglich, wenn die Waffe direkt auf der Kleidung aufgesetzt war.

Polizistin mit kugelsicherer Weste

Einige Westen der bayerischen Polizei sind nicht ganz kugelsicher.

(Foto: Foto: AP)

In Extremsituationen sind die Westen somit nicht mehr kugelsicher. Die bayerische Polizei hatte die Bekleidungsstücke im Jahr 2001 angeschafft.

Innenminister Günther Beckstein hat nun Verhandlungen mit dem US-Hersteller Second Chance aufgenommen, um das Manko zu beseitigen. Die Probleme treten bei häufig getragenen, über 30 Monaten alten Westen auf. Im normalen Einsatz böten die Westen weiter ausreichenden Schutz. "Es besteht keine unmittelbare Sicherheitsgefahr", sagte ein Sprecher.

Landtagsvizepräsident Peter Paul Gantzer (SPD) drängt auf eine rasche Lösung. Auch Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz haben ihre Polizisten mit den Second Chance-Westen ausgerüstet. Nach Angaben von Second Chance wurden insgesamt 80 000 Westen in Deutschland verkauft, weil sie mit einem Gewicht von 1,4 Kilogramm sehr leicht sind.

Auch in den Vereinigten Staaten wird das Problem durch die US-Regierung untersucht. Grundmaterial der Westen ist die Zylon-Faser des japanischen Unternehmens Toyobo. Nach Angaben des Herstellers Second Chance wurden bei firmeneigenen Tests gravierende Alterungsprobleme bei den Fasern festgestellt. Zog man eine Zylon-Faser aus dem Material, hatte diese nach 200 Tagen ein Viertel ihrer Stärke verloren.

Die Firma Second Chance, deren Motto "Wir retten Leben" lautet, spricht von "höchst inkonsistenten Haltbarkeitsproblemen". Die bayerische Regierung muss nun überlegen, ob sie Second Chance eine zweite Chance gibt.

© dpa
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