SicherheitMünchens Polizei schaut jetzt auch von oben zu

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Vorstellung eines weiteren mobilen Polizei-Videoturms: Am Stachus werden die Menschen jetzt noch genauer beobachtet.
Vorstellung eines weiteren mobilen Polizei-Videoturms: Am Stachus werden die Menschen jetzt noch genauer beobachtet. Stephan Rumpf

Die Beamten in der Stadt benutzen nun mobile Videotürme, um potenzielle Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen. Wo die Anlagen stehen und welche Regeln es für die Überwachung gibt.

Von Patrik Stäbler

Am Stachus gibt’s Ärger. Vor dem Gloria-Palast ist ein Pärchen in Streit geraten. Die junge Frau brüllt wutentbrannt einen Mann im schwarzen T-Shirt an, der ebenso zornig zurückschreit – wild gestikulierend, mit einem Gegenstand in der Hand. Vielleicht ein Messer? Oder gar eine Pistole?

In einem solchen Fall hätte die herbeigerufene Polizeistreife bislang als „typisches Meldebild“ die Nachricht erhalten: „Lautstarker Streit, möglicherweise Waffe in der Hand“, sagt Thomas Schelshorn, Sprecher der Münchner Polizei. Künftig aber könne man den Kollegen oftmals mehr Details liefern. „Denn wie wir hier sehen, ist es keine Waffe“, sagt Schelshorn und deutet auf einen Bildschirm, der ein gestochen scharfes Bild der Streitenden zeigt, in das nun bis zur rechten Hand des Mannes hineingezoomt wird. „Sondern ein Mobiltelefon.“

Jene Aufnahmen stammen von einem Videoturm, der auf der anderen Seite des Stachus-Brunnens gut 50 Meter vom Geschehen entfernt steht. Mit einer Hightech-Kamera auf sechs Metern Höhe hat er die hochauflösenden Bilder von dem Mann im schwarzen Shirt aufgezeichnet, der ebenso wie seine Partnerin in Wahrheit bei der Polizei arbeitet. Die beiden haben den Streit lediglich zu Anschauungszwecken nachgestellt, und zwar für die Präsentation der insgesamt drei neuen mobilen Videotürme der Münchner Polizei.

Die Bilder, die die Kamers liefern, sind gestochen scharf.
Die Bilder, die die Kamers liefern, sind gestochen scharf. Stephan Rumpf

Die jeweils 70 000 Euro teuren Anlagen könnten „schnell, flexibel und autark eingesetzt werden“, betont Polizeipräsident Thomas Hampel. Erstmals habe man die Videotürme bei der jüngsten Sicherheitskonferenz getestet – „mit großem Erfolg“. Seit zwei Monaten stünden sie im Alten Botanischen Garten, wo sich der Einsatz ebenfalls bewährt habe, sagt Hampel. Daher werden zwei der Türme künftig in der Parkanlage bleiben, während die dritte Anlage fortan das Geschehen am Stachus überwacht. Dieser sei „schon seit zehn Jahren Schauplatz von entsprechenden Störungen“, sagt der Polizeichef und nennt beispielhaft sexuelle Belästigungen sowie pöbelnde Jugendgruppen.

München belege seit Jahren den ersten Platz im bundesweiten Vergleich der sichersten Städte mit mehr als 200 000 Einwohnern, betont Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der heute ebenfalls zum Stachus gekommen ist. „Die neuen mobilen Videotürme werden dazu beitragen, dass wir dieses hohe Sicherheitsniveau nicht nur halten, sondern weiter ausbauen.“ Die Kameraüberwachung im öffentlichen Raum helfe, „Kriminalität zu verhindern und Straftaten aufzuklären“, gibt sich Herrmann überzeugt. „Sie ist ein immer wichtigerer Bestandteil unserer umfassenden Sicherheitsstrategie.“

Wiewohl es auch Kritik gibt an der steigenden Zahl von Kameras im öffentlichen Raum – vorrangig wegen des Datenschutzes. Darauf angesprochen verweist der Minister auf die „klaren Regeln“ für eine solche Überwachung. So dürften Kameras nicht beliebig aufgestellt werden, sondern nur „an Orten, an denen es Probleme gibt“. Im Falle der Videotürme würden die Daten verschlüsselt an die Einsatzzentrale übermittelt, sagt Thomas Hampel. Nur bei einer Alarmierung werde das Bildmaterial geprüft. Und spätestens nach 21 Tagen müssten die Aufnahmen wieder gelöscht werden, so der Polizeichef.

Er geht danach noch auf die technischen Details der Videotürme ein, die jeweils über drei Hightech-Kameras mit Richtungs- und Zoomfunktion verfügen. Zwei der Anlagen könnten dank einer Brennstoffzelle unabhängig von einem Stromanschluss betrieben werden – etwa bei Großveranstaltungen. Zudem verfügten die Kameras über einen Infrarot-Modus, um auch bei Dunkelheit auswertbare Bilder zu liefern. Rund um den Turm, dessen Optik sich an den neuen Streifenwagen orientiert, gibt es am Boden eine abgesperrte Sicherheitszone. Dringt jemand dort ein oder macht sich an der Anlage zu schaffen, dann ertönen sowohl ein Alarm als auch eine warnende Bandansage – auf Deutsch und Englisch.

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