Betrugsmasche:Studentin täuscht eigene Entführung vor

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Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei stürmt ein Hotelzimmer im Bahnhofsviertel. Dabei stellt sich heraus: Die 22-Jährige und ihre Eltern in China waren von Unbekannten erpresst worden.

Von Andreas Schubert

Mit einer fingierten Entführung haben bislang unbekannte Täter versucht, von einer chinesischen Studentin in München und ihrer Familie in China Geld zu erpressen. Nach Angaben der Münchner Polizei vom Montag hatte die 22 Jahre alte Sprachstudentin schon im August einen Anruf von angeblichen chinesischen Sicherheitsbeamten erhalten. Diese erklärten der Frau, ihr Bankkonto sei in Geldwäsche verwickelt. Um Ärger zu vermeiden, solle sie umgerechnet 200 000 Euro auf ein ausländisches Konto überweisen.

Weil die aus der Provinz Liaoning stammende Studentin nicht so viel Geld hatte, überwies sie zunächst umgerechnet 37 000 Euro. Die Täter wiesen sie danach an, sich von der Außenwelt zu isolieren und in ein Hotel einzumieten. Unter dem Vorwand, sie sei von der italienischen Mafia entführt worden, sollte sie ihre Eltern zur Zahlung des restlichen Betrags als Lösegeld bewegen.

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Die Eltern allerdings wurden misstrauisch und verständigten sowohl die chinesische Polizei als auch die Münchner Hochschule, an der die Tochter studiert. Dort war sie seit zehn Tagen nicht mehr gesehen worden, weshalb zwei Mitarbeiter sich an die Münchner Polizei wandten. Die ging zunächst von einer echten Entführung aus. Nachdem die Beamten das Hotel in der Bahnhofsgegend ermittelt hatten, von dem aus die Studentin mit ihren Eltern per Messenger-Dienst Kontakt hielt, rückte ein Spezialeinsatzkommando an. Dieses fand die 22-Jährige allerdings allein im Hotelzimmer vor.

Strafrechtliche Konsequenzen wegen der vorgetäuschten Entführung wird die Studentin nicht zu befürchten haben. Wie die Betrüger an ihre Kontaktdaten kamen, ist nach Angaben der Polizei noch offen. Fest steht: Die Betrugsmasche der "virtuellen Entführung" gibt es schon seit mehreren Jahren. Sie kam bisher vor allem in Australien, Neuseeland und Kanada vor. Opfer sind meistens chinesische Auslandsstudenten. In internationalen Medienberichten ist oft davon die Rede, dass die Opfer gestellte Videos oder Fotos von sich selbst in Fesseln verschicken, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Ob dies auch bei der Münchner Studentin der Fall war, ließ die Polizei offen.

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