Die goldene Taschenuhr wollte die 92-Jährige ihrem Sohn schenken. Doch dann wurde sie gestohlen. Ein Trickbetrüger hatte sich mit einer relativ neuen Masche ganz einfach Zugang zur Wohnung der Frau verschafft: Er gab sich als Käufer von Pelzen aus. Das Opfer wurde durch einen Flyer in einer Zeitung auf ihn aufmerksam. Die Frau lud den Täter selbst in ihre Wohnung ein. Bei einem ersten Besuch überredete der Betrüger die 92-Jährige, ihm neben Pelzen auch Gold zu verkaufen. Als er am Abend desselben Tages wiederkam, um das vermeintliche Geschäft abzuschließen, entwendete er die Taschenuhr. Und eine Goldmünze obendrein. Die Pelze hingegen ließ er liegen. Der Schaden? Beträgt Tausende Euro.
Mit Fallbeispielen wie diesem warnt die Münchner Polizei eindringlich vor Dieben, die falsche Zeitungsannoncen, -beilagen und Posteinwürfe nutzen, in denen sie sich als Ankäufer von Wertgegenständen ausgeben, um sich Zugang zu den Wohnräumen ihrer Opfer zu verschaffen. Die Fake-Anzeigen seien „Türöffner“, sagte Claudia Winkler vom für Trickdiebstahl zuständigen Kommissariat 55. Sie seien also ein Vorwand, um spätere Geschädigte in ihren Wohnungen aufzusuchen und sie dort abzulenken. Oft gingen die Täter zu zweit vor. Während einer das Geschäft abwickelt, stöbert ein Partner oder eine Partnerin nach Wertgegenständen.
Die Fake-Anzeigen richteten sich dabei explizit an ältere Menschen, sagte Winkler. Sie hatte bei der Pressekonferenz der Polizei einige Beispiel-Anzeigen dabei. Aus, wie sie sagte, praktisch allen Zeitungen in der Stadt. Von der Süddeutschen Zeitung bis zum Münchner Merkur, von der Abendzeitung bis Hallo München. Die Anzeigen seien in Form und Machart teils nicht von seriösen Anzeigen zu unterscheiden.
2024 sei es im Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidiums München zu 29 solcher Fälle gekommen, sagte Matthias Willim, Leiter des Kommissariats 55. Schadenssumme: insgesamt etwa 340 000 Euro. Und in Wahrheit liege der Schaden noch um einiges höher. Denn viele Geschädigte trauten sich gar nicht, die Polizei einzuschalten. Aus Scham, ähnlich wie beim Enkeltrick oder bei falschen Handwerkern. Für 2025 sind die Fallzahlen bisher nicht offiziell, die Tendenz aber sei gleichbleibend. Die Täter stammten meist aus Großfamilien und gingen sehr professionell vor, sagte Willim. „Wir reden hier von familiären Strukturen, die das über Jahrzehnte perfektioniert haben.“ Inzwischen legten die Täter ihre Köder nicht mehr nur in Zeitungsannoncen aus, sagte Winkler. Sondern auch auf Kleinanzeigen-Portalen.

