bedeckt München 15°
vgwortpixel

Polizei in München:Entführer der Bankiersfrau gefasst

  • Am 10. Juni entführt ein Mann die Frau eines Bankmanagers aus ihrem Haus in Ottobrunn. Er fährt mit seiner Geisel nach München. Auf einem Supermarkt-Parkplatz entkommt die Frau. Daraufhin flüchtet der Täter.
  • Jetzt haben Zielfahnder der Polizei mit Hilfe von thailändischen Kollegen den mutmaßlichen Täter gefasst.

Wie die Flucht des Gesuchten endete

Der mutmaßliche Entführer der Frau eines Bankmanagers ist gefasst. Am Freitag ist es thailändischen Polizisten gelungen, den Gesuchten festzunehmen. Es handelt sich um 52-Jährigen gebürtigen Kölner Mario S., der ein Haus in Thailand besitzt. Dorthin hatte er sich noch am Abend nach der spektakulären Entführung einer Ottobrunnerin abgesetzt.

Bei einer Pressekonferenz ließ die Polizei die Frage nach möglichen früheren Geschäftsbeziehungen des 52-Jährigen zur Münchner Stadtsparkasse offen. Der Täter hatte sich die Familie eines leitenden Angestellten dieses Geldinstituts für seinen Entführungs- und Erpressungsversuch ausgesucht. Er hatte am Tatort einen Brief mit einer Lösegeldforderung über 2,5 Millionen Euro und einer Handynummer zurückgelassen.

Der Festgenommene hat vor seinem Umzug einige Zeit in Ohlstadt (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) gelebt. Seit 2013 hatte er seinen Hauptwohnsitz im Norden Thailands. Er ist dort verheiratet. Vorstrafen hat er nicht. Somit konnte die Polizei ihn zunächst auch nicht über ihre Datenbank identifzieren.

Dennoch ist es den Beamten gelungen, dem mutmaßlichen Täter auf die Spur zu kommen. "Der Täter war nicht schlecht, aber wir waren besser", sagt der Chef der Münchner Kripo, Markus Kraus. Anhand von zahlreichen Handydaten, weiteren Bildern aus Videoüberwachungen und Passagierlisten konnten die Beamten den Mann identifizieren. Ohne den Zugriff auf von Anbietern kurzfristig gespeicherte Telekommunikationsdaten wäre das schwierig bis unmöglich gewesen, sagte Kraus.

Wie die Entführung ablief

Der Täter war am 10. Juni frühmorgens mit der S-Bahn nach Ottobrunn zum Wohnhaus der vierköpfigen Familie eines Sparkassen-Managers gefahren. Er gab sich als Paketbote aus, überwältigte die 46-jährige Ehefrau und fesselte den zwölfjährigen Sohn an die Heizung. Dann zwang er die Frau mit vorgehaltener Pistole zu ihrem Wagen.

Sie musste eine abgeklebte Brille aufsetzen, der Entführer steuerte den Wagen nach München. Die Fahrt endete auf dem Lidl-Parkplatz an der Westendstraße 100. Dort parkte der Mann das Auto im hinteren Eck. Offenbar wollte er am helllichten Tag mit seinem Opfer zu einer Wohnung in der Nähe gehen, die er angemietet hatte.

Doch auf dem Parkplatz gelang es der Frau, das Magazin aus der Softair-Waffe des Entführers an sich zu bringen und sich loszureißen. Der Täter machte sich daraufhin über den Parkplatz und das nahegelegene Firmengelände von Opel Häusler aus dem Staub. Eine sofortige Großfahndung blieb erfolglos.

Der mutmaßliche Täter hatte sich Mitte Mai als Zwischenmieter eine Wohnung in der Bergmannstraße im Westend besorgt. Die eigentlichen Mieter, eine vierköpfige Familie, wollte offenbar den Umbau- und Sanierungsmaßnahmen in dem Haus entgehen. In unmittelbarer Nähe der Wohnung, von ihr aber durch eine Straße und abgezäunte Hinterhöfe getrennt, liegt der Parkplatz, auf dem die Entführung endete.

Warum die Großfahndung der Polizei erfolglos blieb

Inzwischen weiß man auch, warum die Fahndung zunächst erfolglos blieb: Der Mann war offenbar zurück in seine Wohnung gegangen, hatte sich dort rasiert und gründlich geputzt, um keine Spuren zu hinterlassen. Dann wartete er seelenruhig ab, bis die starken Polizeikräfte aus dem Westend abgezogen waren, übergab die Wohnungsschlüssel an den Vater der Wohnungsmieter und tauchte unter. Der Festgenommene wurde allerdings bei seiner Ausreise am Flughafen gefilmt.

Seit vergangener Woche gab es einen internationalen Haftbefehl gegen den deutschsprachigen Mann. Üblicherweise heften sich in so einem Fall die Zielfahnder des Polizeipräsidiums auf die Spuren des Gesuchten. Sie waren auch bei der Festnahme des Mannes durch thailändische Polizisten dabei. Den zwölf Spezialisten wird nachgesagt, eine Erfolgsquote von nahezu hundert Prozent zu haben, wenn sie erst einmal die Fährte eines gesuchten Verbrechers aufgenommen haben.

So auch in diesem Falle. Nun sitzt der mutmaßliche Täter in Thailand in Abschiebehaft. Auf Antrag der Münchner Staatsanwaltschaft hatte ihm die deutsche Botschaft in Bangkok seinen deutschen Pass entzogen. Damit war sein Aufenthalt in Thailand illegal - und die sofortige Festnahme durch die örtlichen Behörden möglich. Ihn erwarten in Deutschland fünf bis 15 Jahre Haft.

© SZ.de/bica/sekr
Zur SZ-Startseite