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Platz der Opfer des Nationalsozialismus:Schwierige Erinnerung

Der Platz der Opfer des Nationalsozialismus in München wurde umgestaltet.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ein Parkplatz und zu viel Verkehr: Der Platz der Opfer des Nationalsozialismus in München war lange umstritten. Jetzt hat ihn die Stadt für fast vier Millionen Euro umgestaltet. Es ist nicht das erste Mal, dass München nachbessert, wenn es um die richtige Form des Gedenkens geht.

Die Idee war eigentlich gut: eine Tag und Nacht brennende Flamme, die aus einem bronzenen Kerker hervorleuchtet, ein Symbol für die Hoffnung, die weiterlebt, auch wenn sie unterdrückt wird. Das Denkmal steht auf dem Münchner Platz der Opfer des Nationalsozialismus; geschaffen hat es der Bildhauer Andreas Sobeck im Jahr 1985. Er wollte dem Platz mehr Aufmerksamkeit verschaffen, immerhin ist er ein zentraler Gedenkort der Stadt. Doch diesem Anspruch ist er bis jetzt nie gerecht geworden, auch mit der Flamme nicht.

Der Platz, früher ein Rondell zwischen Brienner Straße und Maximiliansplatz, lag bald an einer Sackgasse, die als Parkplatz und Taxi-Stellfläche genutzt wurde. Auf der anderen Seite rauschten Autos vorbei, doch den Fahrern fiel die Flamme kaum auf, auch den Fußgängern nicht, denn die Säule lag abseits der Sichtachse der Brienner Straße. Selbst im Adressbuch ist der Platz schwer zu finden: Die angrenzenden Häuser tragen die Anschrift "Maximiliansplatz" oder "Brienner Straße".

Die Adressen sind geblieben. Sonst aber hat sich einiges verändert. Seit 2012 hat die Stadt den Platz für 3,9 Millionen Euro umgestalten lassen. Er wurde ergänzt: Eine 18,5 Meter lange und 1,3 Meter hohe Bronzetafel erinnert nun an einzelne Opfergruppen, ein Bronzeband im Boden weist auf den Standort der früheren Gestapo-Zentrale und auf das künftige NS-Dokumentationszentrum hin. Vor allem aber ist der Platz ein würdigerer Ort geworden, um an die Opfer der Nationalsozialisten zu erinnern.

Bäume schirmen ihn vom Verkehr ab, der Parkplatz wurde zumindest verkleinert, die flammende Säule ist ins Zentrum gerückt - und erstmals seit 1946, als er in "Platz der Opfer des Nationalsozialismus" umbenannt wurde, lädt der Platz dazu ein, sich zu setzen, zu bleiben und sich mit der Geschichte zu beschäftigen. An diesem Montag um 13 Uhr legt Oberbürgermeister Christian Ude einen Kranz am neu gestalteten Platz nieder. Danach wird die Flamme in der Granitsäule neu entzündet. Der Umbau ist damit offiziell beendet. Es ist der Abschluss einer Gedenk-Korrektur.

Geschichtsklitterung erhielt ein Korrektiv

Es ist nicht das erste Mal, dass die Stadt nachbessert, wenn es um die richtige Form des Gedenkens geht. Sei es, dass Straßen umbenannt werden wie im Mai 2010 die ehemalige Meiserstraße in "Katharina-von-Bora-Straße", weil der frühere Namensgeber, der evangelische Landesbischof Hans Meiser, wegen antisemitischer Äußerungen als nicht mehr tragbar galt.

Sei es, dass der Obelisk am Karolinenplatz 2013 eine zusätzliche, wenn auch nur temporäre Hinweistafel erhielt, um eine irreführende Inschrift ins rechte Licht zu rücken. König Ludwig I. von Bayern hatte die Geschichte im Jahr 1833 so darstellen lassen, als wären 30 000 Bayern in Russland im Kampf um die bayerische Freiheit gestorben. Tatsächlich starben sie im Angriffskrieg Napoleons. Die königliche Geschichtsklitterung erhielt ein Korrektiv.

Verhüllung des Trümmerfrauen-Denkmals

Drohanrufe bei den Grünen

Inzwischen gibt es sogar Morddrohungen: Münchens Grünenchefin Schulze wird beschimpft, nachdem sie ein umstrittenes Trümmerfrauen-Denkmal verhüllt hat. Dabei hatte auch der Stadtrat das Monument abgelehnt. Aufgestellt wurde der Gedenkstein trotzdem.   Von Dominik Hutter

Auch heute noch ist Gedenken vor allem eins: politisch. Um umstrittene Denkmäler entspinnen sich heftige, emotional geführte Debatten, zuletzt um das Denkmal für Münchner "Trümmerfrauen" auf dem Marstallplatz, das ein Verein aufgestellt hat - gegen den Widerstand der Mehrheit im Stadtrat und von Historikern, die bemängelten, Kriegsschutt sei in München vornehmlich von gefangenen Nationalsozialisten und von Profis geräumt worden.