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Planespotter am Münchner Flughafen:Jagd auf die Air Force One

G7-Gipfel 2015 - Ankunft US-Präsident Barack Obama

Das Objekt der Begierde: Die Air Force One von US-Präsident Barack Obama.

(Foto: dpa)

Planespotter fotografieren in ihrer Freizeit Flugzeuge und stellen die Bilder ins Netz. Wer am Sonntag früh genug aufgestanden ist, hat sie noch erwischt: die Air Force One, die Maschine von US-Präsident Barack Obama.

Von Kassian Stroh, Hallbergmoos

Bernd Kalis hat Glück gehabt. "Oh, das war knapp", sagt er. Eine Stunde Puffer müsste reichen, das hatte er sich gedacht. Aber dann findet man ja keinen Parkplatz hier, alles vollgeparkt, die Wege und Wiesen am Südzaun des Flughafens. Und dann kommt der Präsident eine halbe Stunde früher als geplant. Aber es hat noch gereicht, gerade noch - und so hat Kalis sie jetzt auf seiner Kamera: die Air Force One, die Maschine von Barack Obama, auf dem Münchner Flughafen landend.

Kommt ja nicht alle Tage ins Erdinger Moos. Und deshalb haben sich entlang der Startbahn viele Hundert Menschen aufgestellt, um halb sieben Uhr morgens am Sonntag. Zaungäste im Wortsinne, fast ausnahmslos Männer. Zur einen Hälfte sind das Flaneure, die einfach mal schauen wollen und die alle irgendwas wissen: Es gebe zwei Präsidenten-Maschinen, absolut identisch, damit niemand wisse, in welcher Obama wirklich sitzt, weiß ein Bärtiger in kurzer Hose und Trekkingsandalen zu berichten, während er durch den Zaun die 1000 Meter hinüber blickt, wo die Boeing parkt. Ob Obama also wirklich schon da ist, ob er schon ausgestiegen ist? Könne ja gar nicht sein, sagt ein Brillenträger nebenan. Er wisse, dass die Gebirgsschützen böllern, wenn Obama kommt. Ganz sicher. Und das hätte man ja wohl gehört.

Gebirgsschützen? "So ein Schmarrn", sagt Kalis leise vor sich hin. Er gehört zur anderen Hälfte hier, zu den Profis. Eine Leiter hat er dabei und zwei Rucksäcke voller Kameras und Objektive, sein größtes hat 600 Millimeter Brennweite und erregt Aufsehen wie Bewunderung bei den Flaneuren. Kalis gehört zur Szene der Planespotter, Menschen, die in ihrer Freizeit Flugzeuge fotografieren und die Bilder ins Netz stellen. In seinem Fokus: Militärmaschinen, vorzugsweise aus Asien. Hier, Kalis holt das Handy aus der Tasche: eine F16 aus Singapur. Und hier: eine F15 aus Japan. Dafür fliegt der Banker aus München um die Welt, und manchmal wird er eben auch daheim fündig.

Am Dienstag und am Donnerstag war er ebenfalls hier, auf gut Glück. "Das ist wie Angeln", sagt er, "da weiß man auch nie, wann ein Fisch anbeißt. Man hofft halt." Er hatte Glück die Woche und bekam eine amerikanische Boeing C17 vor die Linse, ein Transporter, der Obamas Limousinen und das halbe Dutzend Hubschrauber heranschaffte, mit denen der Präsident weiterfliegt. Die starten jetzt gerade und fliegen keine 50 Meter über Kalis' Kopf hinweg gen Süden. Er reißt die Kamera hoch - aber, leider, leider, kaum was zu erkennen im Gegenlicht.

Spotter Thomas Bichl aus Garching hat den richtigen Moment abgepasst: US-Präsident Barack Obama landet mit der Air Force One am Münchner Flughafen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Ein paar Meter weiter links stehen fünf junge Burschen, auch sie Profis, "Salzburg Aviation Spotter" heißt ihre Truppe wie ihre Internetseite. Sogar Visitenkarten haben sie, darauf ihre Funktionen: "Flightplan" etwa oder "Head of Operations". David Schilcher, das ist der für den Flugplan Zuständige, deutet jetzt aufgeregt über den Zaun: "Ich möcht ja nix sagen, aber die 74er blinkt." Tatsächlich, gelbes Blinklicht auf der Air Force One, das heißt: Gleich setzt sie sich in Bewegung. Und das alarmiert die Salzburger Spotter, denn aus guten Quellen haben sie erfahren, dass die Maschine auf den US-Stützpunkt Ramstein fliegt, um dort über Nacht geparkt zu werden.

Aber auf welcher Bahn wird sie abheben, Nord oder Süd? Wohin stellen für das beste Foto? Kurze Debatte, dann die Entscheidung: "Fahr ma zum Stromkastl!" Das ist, so erklären sie dem Laien, ein Ort am Zaun, von dem aus sie mit dem Auto schnell sowohl einen guten Ort an der Nord- wie an der Südbahn erreichen können - dann, wenn man sieht, wohin sich das Flugzeug bewegt. Und weg sind die Salzburger. Die Air Force One aber bewegt sich nur 100 Meter weiter zum Entladen.

Die ersten Flaneure fahren allmählich wieder heim, François Hollande interessiert sie nicht. Doch um kurz vor acht noch einmal Aufregung. Hinter den Bäumen knattert es, Obamas Hubschrauber kehren zurück, nur leider ein Stück zu weit im Osten. Gegen die Sonne, keine Chance. Ein paar Spotter plaudern mit einem der vielen Polizisten, die entlang des Flughafenzauns postiert sind. Die einen können mit Sachinfos über Kampfhubschrauber dienen. Der andere, der Polizist, hat auch Nützliches mitzuteilen bezüglich der amerikanischen Sicherheitskräfte: "Bewegts Euch ned zu hektisch", rät er den Spottern, "sonst werds derschossen." Ein Scherz natürlich nur.

Auch die Salzburger Truppe ist jetzt wieder da, sie hat von ihrer guten Quelle eine ganz neue Info bekommen: Die Air Force One bleibt doch hier über Nacht. Keine Fotos vom Start also. Schade. Und morgen noch ein Versuch? Nein, geht nicht, sagt David Schilcher, morgen müssten sie dann auch mal wieder ganz normal arbeiten.

© SZ vom 08.06.2015/infu

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