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Planegg:Tradition schlägt Umweltschutz

Weil der Maibaum aus Statik-Gründen versetzt werden soll, muss eine alte Fichte fallen

Von Rainer Rutz, Planegg

Maibaum statt Rotfichte: Weil der Maibaum auf dem Planegger Marktplatz um 30 Meter versetzt werden soll, wird die alte Rotfichte neben der Tiefgarageneinfahrt abgesägt. Darauf einigte sich jetzt mit Mehrheit der Gemeinderat und erfüllte damit einen dringenden Wunsch des Planegger Brauchtumsvereins "Die Almarösler". Dessen Mitglieder stellen den Maibaum alle fünf Jahre auf, das nächste Mal 2022. Dazu braucht es einen schweren Kran, der, so war in der Gemeinderatssitzung zu hören, auf das Dach der Tiefgarage fahren und den tonnenschweren Maibaum hochhieven muss. Fachleute haben jetzt allerdings errechnet, dass der Kran möglicherweise für die Tiefgarage zu schwer ist.

So kam man auf die Idee, den Maibaumsockel nach Norden zu versetzen, der Kran könnte dann von der Bahnhofstraße aus eingesetzt werden. Dazu allerdings müsste die alte Fichte entfernt werden. Man habe schon vor Jahren aus dem Umweltamt erfahren, dass der Baum nicht mehr besonders stabil sei, sagten Rathaus-Geschäftsführer Stefan Schaudig und Fritz Haugg (FDP) auf Anfrage. Auf eine Zusatzfrage hieß es allerdings, einige Jahre würde er schon noch überleben, so genau könne man das nicht sagen.

Vor allem die Gemeinderäte der Freien Wähler waren es, die eine Fällung der Fichte ablehnten. Florian Zeller fand, man könne aus Gewichtsgründen ja auch einen etwas kleineren Maibaum setzen "oder einen anderen Standort suchen". Dagegen wurde argumentiert, der Marktplatz sei schließlich ja auch der Ort der Feste, in deren optischem Mittelpunkt traditionsgemäß der Maibaum stehe.

Bei den Grünen und der Gruppe 21 forderte man von der Verwaltung einen Alternativvorschlag. Angelika Lawo (Gruppe 21) schlug vor, anderswo eine Ausgleichspflanzung vorzunehmen, und Hannah Betz von den Grünen konnte sich den Maibaum auch direkt auf dem Kirchplatz von St. Elisabeth gegenüber vorstellen. Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) fand das nicht so gut: "Der Planegger Marktplatz soll besser wahrgenommen werden. Außerdem geht es um Tradition."

Es nutzte auch nichts, dass Florian Zeller betonte, andere Gemeinden wären froh um einen Baum wie die alte Fichte - der etwa als gemeindlicher Christbaum genutzt werden könnte. Doch die Fichte ist wohl nicht zu retten. Mit 15 gegen fünf Stimmen wurde der Abholzaktion zugestimmt, die 20 000 Euro kosten soll.

© SZ vom 22.12.2020
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