Planegg:Streit übers Keller-Dasein

Zwei Gruppen der Planegger Mittagsbetreuung sind im Untergeschoss der Grundschule untergebracht. Der Elternbeirat fordert Verbesserungen

Von Rainer Rutz, Planegg

Ein seit mehr als zehn Jahren schwelender Streit zwischen Vertretern der Grundschule Martinsried und der Gemeinde Planegg ist wieder aufgeflammt: Vordergründig geht es um die Unterbringung der Kinder, die in die Mittagsbetreuung gehen; grundsätzlich aber um ein von Schulleitung und Elternbeirat gewünschtes Konzept für ein Ganztagsschulsystem in Martinsried. Mittlerweile haben sich Politiker eingeschaltet, die Emotionen gehen hoch, und das Thema wird demnächst den Gemeinderat beschäftigen.

Planegg: Die Räume der Mittagsbetreuung sind zwar großzügig, aber nicht gerade optimal für einen Aufenthalt von kleinen Kindern über mehrere Stunden täglich.

Die Räume der Mittagsbetreuung sind zwar großzügig, aber nicht gerade optimal für einen Aufenthalt von kleinen Kindern über mehrere Stunden täglich.

(Foto: Catherina Hess)

Die Kinder der beiden Mittagsbetreuungsgruppen "Biberburg" und "Bärenhöhle" sind seit vielen Jahren in den Kellerräumen der Schule untergebracht. Diese Räume sind zwar großzügig, aber nicht gerade optimal für einen Aufenthalt von kleinen Kindern über mehrere Stunden täglich. Die FDP-Fraktion im Gemeinderat spricht sogar von einer "nicht kindgerechten Unterbringung", von "mangelhafter Belüftung und fehlendem Tageslicht." Es gebe "weder einen sachgerechten Zugang noch Fluchtwege". Alexandra Löffler, die Vorsitzende des Elternbeirats, schreibt in einem offenem Brief von einer unschönen Situation "durch Lichtschächte, Deckenrohre und Linoleum-Fußböden". Und auch die Ortsgruppe von den Grünen schaltete sich jetzt ein und fordert die Gemeinde auf, ein angeblich einmal gegebenes Versprechen einzulösen: Es geht um die Hausmeister-Wohnung über dem Keller, die der Schule zur Nutzung der Mittagsbetreuung schon vor Jahren zugesagt worden sein soll. Diese Wohnung steht jetzt leer und könnte der Mittagsbetreuung im Prinzip zugeteilt werden.

Planegg: Die Kinder der beiden Mittagsbetreuungsgruppen "Biberburg" und "Bärenhöhle" sind seit vielen Jahren in den Kellerräumen der Schule untergebracht.

Die Kinder der beiden Mittagsbetreuungsgruppen "Biberburg" und "Bärenhöhle" sind seit vielen Jahren in den Kellerräumen der Schule untergebracht.

(Foto: Catherina Hess)

Allerdings, das wollen Elternbeirat, die FDP und die Grünen erfahren haben, soll diese Wohnung nun an einen Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung vermietet werden. Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD) bestreitet das gar nicht und beklagt in diesem Zusammenhang die Wohnungsnot auch für Gemeindebedienstete. Er müsse fürchten, dass potenzielle Mitarbeiter deshalb einen Bogen um Planegg machten. Hofmann bestätigt in einer Stellungnahme für den Gemeinderat, dass die Grundschule Martinsried "seit ich Bürgermeister bin, wünscht, eine offene Ganztagsschule einzurichten. Jedes Jahr aufs Neue erklären wir die Gründe dafür, warum wir die Mittagsbetreuung durch die Arbeiterwohlfahrt für die bessere Lösung halten, etwa weil sie flexibler ist." Hofmann verweist auf Investitionen im hohen sechsstelligen Bereich, die die Gemeinde in den vergangenen Jahren für die Mittagsbetreuung getätigt habe, etwa für Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen.

Planegg: Kein "sachgerechter Zugang", keine Fluchtwege, unschöne Lichtschächte, Deckenrohre und Fußböden: Die Räume der Planegger Mittagsbetreuungstehen in der Kritik.

Kein "sachgerechter Zugang", keine Fluchtwege, unschöne Lichtschächte, Deckenrohre und Fußböden: Die Räume der Planegger Mittagsbetreuungstehen in der Kritik.

(Foto: Catherina Hess)

Bei einem runden Tisch Anfang Oktober seien "in teils hitziger Atmosphäre" weitere Maßnahmen besprochen worden, am Grundsatz des Keller-Daseins habe man allerdings festgehalten. Der Bürgermeister kündigt ein weiteres Gespräch für Mitte November an und verspricht: "Wir im Rathaus werden die Angelegenheit weiter fair und sachlich bearbeiten." Dass man Kinder "in einem Kellerloch" untergebracht habe, wie es vom Elternbeirat formuliert wurde, weist Hofmann empört zurück: "Davon kann keine Rede sein."

Gemeinderat Fritz Haugg (FDP) fordert in einem Antrag an den Gemeinderat nun, eine Planung und Kalkulation zur Schaffung von baulichen Voraussetzungen "für eine zeitgemäße und kindgerechte Unterbringung der vollständigen Mittagsbetreuung zu erstellen". Gleichzeitig solle "mit Schulleitung und Elternbeirat ein Konzept ausgearbeitet" werden, "um ein offenes Ganztagsschulsystem in Martinsried verwirklichen zu können". Dies ginge wohl aber nur mit einem Erweiterungsbau. Entschärft werden könne die Situation aber ganz schnell, wenn die einmal vor Jahren zugesagten Räume der Hausmeisterwohnung der Mittagsbetreuung überlassen würden, sagen Grüne und FDP. Haugg: "Die Unterbringung im Keller wurde vor 15 Jahren als Interimslösung angesehen."

© SZ vom 04.11.2019
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