Planegg "Ideale Standorte gibt es nicht"

Planegger Gemeinderäte, unter ihnen Herbert Stepp (Grüne), erläuterten den Bürgern die aktuelle Lage bei der Unterbringung von Flüchtlingen.

(Foto: Robert Haas)

Planegger debattieren über die Unterbringung von Flüchtlingen in ihrer Gemeinde

Von Rainer Rutz, Planegg

Planegg wird auch nach 2016 jährlich rund 150 Flüchtlinge aufnehmen müssen. Diese vorläufige Zahl wurde bei einer Veranstaltung von SPD und Grüner Gruppe 21 im Kupferhaus genannt - sie ist hochgerechnet mit Blick auf die derzeitigen Flüchtlingsströme und den Verteilerschlüssel für die Gemeinden des Landkreises. Im laufenden Jahr und Anfang 2016 soll es in Planegg und Martinsried 193 Asylbewerber geben, bis Ende 2016 dann schon 286. Das größte Problem für die Gemeinde wird sein, geeignete Plätze und Grundstücke für die Unterkünfte zu finden.

Bürgermeisterin Anneliese Bradel, die Gemeinderäte Herbert Stepp (Grüne) und Felix Kempf (SPD) sowie der Ortsvorsitzende der Planegger SPD, Ulrich Braun, skizzierten die derzeitige Lage in Planegg und Martinsried. Speziell zur Unterbringung erklärte Bürgermeisterin Bradel: "Man kann es nicht jedem recht machen. Ideale Standorte gibt es nicht."

Moderiert wurde der Abend von der Journalistin Andrea Fleming, die es zumindest am Anfang der Diskussion mit einigen aggressiven Wortmeldungen nicht leicht hatte. Doch schnell kehrte unter den rund 70 Zuhörern die Sachlichkeit zurück und im Verlauf des Abends wurden etliche Aspekte der Planegger Flüchtlingspolitik diskutiert. So stellte sich heraus, dass von der Standort-Positivliste des Gemeinderats letztlich nur noch ein Grundstück übrig geblieben ist: eine Fläche an der Fürstenrieder Straße, die dem Baron von Hirsch gehört. Hier ist jedoch möglicherweise mit Altlasten im Boden zu rechnen. Im Januar soll eine Entscheidung über ein weiteres Grundstück in Planegg getroffen werden. Gefragt wurde nach einem Konzept zur Integration der Flüchtlinge. Herbert Veit vom Helferkreis Asyl erklärte dazu: "Der Königsweg für alles ist das Erlernen der deutschen Sprache." Ein Redner wollte wissen, was die Gemeinde "für das Zusammenleben von Deutschen und Flüchtlingen" tue. Ein Problem sei ja wohl schon die spätere Unterbringung von anerkannten Asylbewerbern. Man könne in Planegg auf zahlreiche Sozialwohnungen zurückgreifen, erwiderte Bradel, die Gemeinde wolle auch neue Wohnungen bauen.

Der frühere Bürgermeister Dieter Friedmann verwies auf die freie Fläche zwischen Gräfelfing und Planegg in Steinkirchen und betonte, man habe durchaus noch Platz. Alwin Elf erkundigte sich nach der Ausstattung der Unterkünfte und erfuhr, dass für Fernsehen und Internet gesorgt werde. Zudem gebe es beste Verbindungen zu Ärzten, Kindergärten und Kirchen. Die Feststellung, die Flüchtlinge kosteten den Steuerzahler eine Menge Geld, konterte Herbert Veit mit der Bemerkung: "Sie geben uns aber auch viel zurück." In diesem Zusammenhang lobte er die "hervorragende Hilfsbereitschaft der Würmtaler Bevölkerung", die sich vor allem bei der Unterbringung in der Planegger Turnhalle gezeigt habe. Darauf zielten gleich mehrere Fragen ab. Ob es denn möglich sei, alte Bekannte aus der Turnhalle und Familien in die neuen Unterkünfte zu bekommen? In Gräfelfing, sagte Herbert Veit, werde dies versucht. Letztlich aber komme es darauf an, wer der Gemeinde vom Landkreis zugeteilt werde.