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Nach Aus von "Heide Volm":Gastwirt-Familie bringt Bauvorhaben durcheinander

Ein Trümmerfeld: Fast 100 Jahre lang zog das Heide Volm am Bahnhof Gäste aus dem Würmtal und der Großstadt an. Das ist vorbei.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Familie Heide will ihre Grundstücke "zeitnah" an einen Investor verkaufen. Damit wären die Pläne der Gemeinde fürs südliche Bahnhofsumfeld Makulatur.

Von Rainer Rutz, Planegg

Alles wieder auf Anfang? Die Bebauung des südlichen Bahnhofsumfelds steht auf der Kippe. Die Gemeinde hat alle derzeitigen Planungen einschließlich des Baus von Wohnungen, eines Edeka-Supermarkts und einer Tiefgarage vorläufig eingestellt. Grund: Ganz überraschend hat die Familie Heide mitgeteilt, sie wolle nicht nur wie bereits bekannt den Betrieb der seit fast hundert Jahren bestehenden Gast- und Vergnügungsbetriebe samt Biergarten einstellen, sondern das rund 13 000 Quadratmeter große südlich anschließende Grundstück an einen Investor verkaufen. Geplant sind offenbar überwiegend Wohnungen. Für die Gemeinde bedeutet dieser Schritt, dass der gesamte, über zehn Jahre entwickelte Bebauungsplan mit mehreren Architektenwettbewerben und Bürgeranhörungen noch einmal aufgerollt werden muss.

Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) hat deshalb die Notbremse gezogen. Auf einer schnell einberufenen Sondersitzung am Dienstag beschloss der Gemeinderat einstimmig, der Familie Heide und ihren Anwälten den Ankauf des Grundstücks anzubieten. Die Rede ist von einer Summe von 25 Millionen Euro. Erreichen will die Gemeinde das mit einer Ausnahmeregelung, die ihr das Baurecht anbietet: den Erlass einer Vorkaufsatzung.

Für Nafziger sind das schwere Tage. Ganz überraschend wurde die Gemeinde ohne vorherige Ankündigung von den Anwälten der Familie Heide vergangene Woche darüber informiert, dass alle mit dem Traditionsunternehmen verbundenen Grundstücke an der Ortsgrenze zu Krailling "zeitnah" verkauft werden sollen. Der völlig überrumpelte Bürgermeister informierte zunächst seine Gemeinderäte in einer nichtöffentlichen Sitzung.

Nafziger konsterniert: "Das ist eine völlig neue Herangehensweise. Wenn wir im Sinne der Allgemeinheit eine städtebaulich geordnete Entwicklung wollen, müssen wir eine Vorkaufsatzung erlassen." Sollten die Anwälte, denen die Familie Heide das gesamte Projekt übergeben hat, der Gemeinde doch den Zuschlag geben, würde das für Planegg eine Riesen-Chance bedeuten. Im Gemeinderat war die Rede von neuen Wohnungen, dem Erhalt des Biergartens und einer Umgestaltung der Flächen des Kraillinger Gleisbauunternehmens Braun eventuell zu Wohnbauzwecken. Gemeinderat Peter von Schall-Riaucour (FDP-Liste): "Das wäre eine Jahrhundert-Chance für Planegg, sich städtebaulich weiter zu entwickeln." Dass die Gemeinde die riesige Kaufsumme stemmen kann, da ist sich Nafziger sicher: "Was der Investor kann, können wir auch." Das Geld könne durch Projektanten, also vom Bauherrn eingesetzte Planer, die zusammen mit Architekten und Investoren die Bauaufsicht haben, wieder hereinkommen. Die Gemeinde könnte ihren Einfluss nachhaltig geltend machen.

25 Millionen Euro will die Familie Heide dem Vernehmen nach für ihre Grundstücke. Jetzt will die Gemeinde ein Vorkaufsrecht durchsetzen und selbst zugreifen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Nafziger glaubt, dass die Kommune gute Argumente auf ihrer Seite hat: "Für die Familie Heide wäre es ein riesiger Imageverlust, wenn die gesamte geplante Bebauung den Bach runter gehen würde." Schließlich gebe es eine "soziale Verpflichtung und Verantwortung". Schall-Riaucour verweist auf eine "fast hundertjährige Tradition mit den Heides". Nafziger fügt an, dass die Planungshoheit für das gesamte Gebiet weitestgehend ohnehin bei der Gemeinde liegt. Sollte man sich nicht im Sinne der Kommune einigen, sieht Nafziger "viel Juristisches" auf Planegg zukommen: "Da können Jahre vergehen, die wir vor Gericht verbringen." In der Zwischenzeit kann im südlichen Bahnhofsumfeld kein Stein bewegt werden, es entstünde eine riesige Bauruine.

Für den Bürgermeister ist klar: "Wir werden Krallen und Zähne ausfahren. Wir müssen jetzt schnellstens wissen, was Sache ist." Doch soweit ist es noch nicht. Nafziger will sich kurzfristig mit den Heide-Anwälten in Verbindung setzen, noch während der Osterferien: "Wir müssen schnellstens handeln. Ich habe den ganzen Gemeinderat hinter mir."

Dass auch der nördliche Teil des Bahnhofs mit seinen geplanten Wohnungen, den sozialen Einrichtungen und Einzelhandel-Geschäften von einem Baustopp betroffen sein könnte, glaubt Nafziger nicht. Schall-Riaucour ist sich da nicht so sicher: "Möglicherweise wird es Gemeinderäte geben, die jetzt eine Chance sehen, alles noch einmal neu aufzurollen." Die Hoffnung auf eine schnelle Verwirklichung der Bauprojekte am S-Bahnhof hat sich jedenfalls erst einmal zerschlagen. Alles hängt jetzt davon ab, ob man sich mit den Anwälten der Heides einigen kann.

© SZ vom 01.04.2021
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