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Plakataktion:Umweltschützer wittern einen "Zensurversuch"

Das Plakat des Umweltinstituts ähnelte der aktuellen Imagekampagne für Südtirol.

(Foto: Umweltinstitut München)
  • Das Plakat, mit dem das Münchner Umweltinstitut am Stachus auf die Verwendung von Pestiziden in Südtirol aufmerksam machen wollte, ist verschwunden.
  • Der Vermieter der Werbefläche hat die Entfernung des Plakats veranlasst.
  • Der Grund dafür soll eine "rechtliche Androhung" sein. Südtirol hatte zuvor mit einer Klage gedroht.

Der Streit um eine Plakatkampagne des Umweltinstituts München, in der die Umweltschützer das Land Südtirol für die laxe Haltung im Umgang mit Pestiziden im Obstanbau kritisiert, verschärft sich. Zwei Tage, nachdem das Umweltinstitut eine große Werbefläche im Stachus-Untergeschoss gemietet hatte, war das Plakat verschwunden.

Wie sich nun herausstellt, hatte der Vermieter der Werbefläche das veranlasst. "Aufgrund einer rechtlichen Androhung musste das Plakat lt. Anschlagunternehmen abgedeckt werden", heißt es in einer knappen E-Mail der Firma "123Plakat" an das Umweltinstitut. Das "Anschlagunternehmen" ist in diesem Fall die Firma "Ströer", einer der größten Anbieter von Außenwerbung in Deutschland.

Was genau hinter dem Werbebann im Stachus-Untergeschoss steckt, kann Karl Bär vom Umweltinstitut nur vermuten. Er hält es für denkbar, dass die "rechtliche Androhung" direkt aus Südtirol kommt. Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher und Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler hatten beim Start der Kampagne des Umweltinstituts mit rechtlichen Schritten gegen die Münchner gedroht. "Wir werden es sicher nicht hinnehmen, dass Südtirol und die Südtiroler Obstwirtschaft verunglimpft werden", so Kompatscher und Schuler in einer gemeinsamen Erklärung.

Das Umweltinstitut hatte ein Plakat entworfen, das der aktuellen Imagekampagne für Südtirol stark ähnelt. Darauf war ein Traktor in einer Plantage zu sehen, der einen weißen Stoff versprühte. "Südtirol sucht saubere Luft. Südtirol sucht sich", stand auf dem Foto - und darunter das Wort "Pestizidtirol". Dass das Plakat statt wie mit der Firma 123 Plakat nach einer Woche bereits nach zwei Tagen abgehängt wurde, hält das Umweltinstitut für einen "Zensurversuch". Doch die Umweltschützer wollen ihre Kampagne trotzdem weiter fortsetzen.

"Wenn wir für Kritik am Pestizideinsatz keine Plakatwand mieten können, verbreiten wir die Plakate eben über unseren Newsletter", schreiben die Aktivisten. Sie rufen Unterstützer nun dazu auf, eines von 1000 neu gedruckten Plakaten mit neuem Motiv beim Umweltinstitut zu bestellen und gut sichtbar aufzuhängen. Zu sehen ist diesmal eine Gruppe von Radfahrern, die am vergangenen Wochenende in Schutzanzügen und Atemmasken auf dem Etschtalradweg in Südtirol radelte und damit gegen Pestizideinsatz protestierte.

Umwelt Giftige Grüße aus Bozen

Münchner Umweltinstitut

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