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Pläne für die Nachnutzung:Was auf dem Areal des Schwabinger Klinikums entstehen soll

München krams

So soll das Gelände des Schwabinger Klinikums in wenigen Jahren aussehen. (SZ-Grafik: Eiden; Foto: Google Earth; Quelle: Stadt München)

  • Das städtische Klinikum Schwabing wird in den kommenden Jahren deutlich kleiner.
  • Zahlreiche Abteilungen sollen nach Bogenhausen umziehen.
  • Auf dem Areal an der Parzivalstraße könnten Wohnungen entstehen, geplant ist außerdem ein öffentlicher Bereich mit Geschäften und Gastronomie.

Von Dominik Hutter

Allmählich zeichnet sich ab, was aus dem weitläufigen Areal an der Parzivalstraße werden soll, wenn das Schwabinger Krankenhaus wie geplant zusammenschrumpft: ein Gesundheitscampus, auf dem es auch Wohnhäuser sowie einen öffentlichen Bereich mit kleinen Läden, Cafés, Kultureinrichtungen und Arztpraxen gibt. Als Erstes will sich die Stadt um die teilweise schon geräumten Bauten im Westen des Geländes, Richtung Scheidplatz also, kümmern. Kommunalreferent Axel Markwardt und Kämmerer Ernst Wolowicz wollen demnächst eine Ausschreibung für die früheren Bettenhäuser 1 und 2 starten. Der Stadtrat muss dem Konzept allerdings noch zustimmen.

Bis 2022 zieht sich das städtische Klinikum nach und nach in den Südosten des Geländes zurück. Eine neue Kinderklinik ist bereits im Bau, in Schwabing sollen künftig neben der Kinder- und Jugendmedizin die Gynäkologie und Geburtshilfe, ein Mutter-Kind-Zentrum, ein Notfallzentrum für Erwachsene sowie eine Dermatologie angesiedelt sein. Da es deutlich weniger Betten geben soll, können große Teile des zwischen 1904 und 1928 errichteten Krankenhauses aufgegeben werden, darunter auch der repräsentative Haupttrakt am Kölner Platz. Von den großen Bettenhäusern bleibt lediglich die Nummer 6 Bestandteil des Klinikums Schwabing, 1 bis 5 werden nicht mehr benötigt.

Die Häuser 1 und 2 sind bereits entkernt und stehen leer - das Innere gleicht einem Rohbau. Die Stadt will sie erst herrichten, wenn feststeht, wer die Räume bekommt. Geplant ist, in Haus 1 ein Kinderhospiz, möglicherweise mit speziellen Wohngruppen, unterzubringen. Haus 2 könnte zum Wohnhaus für Klinik- und Pflegepersonal sowie Auszubildende werden. Bei der Ausschreibung soll auch das ebenfalls zum Wohnen vorgesehene Haus 3 gleich mitangeboten werden - es wird allerdings noch bis 2018 vom Klinikum genutzt.

Das nördlich anschließende Haus 27, ein verwinkelter und im Inneren immer wieder veränderter Altbau, will die Verwaltung abreißen lassen, obwohl es unter Denkmalschutz steht. Der Komplex, der ursprünglich Desinfektionsanstalt und Wäscherei, später auch Werkstatt, Lager und Lkw-Werkstätte war, sei nur schwer zu vermieten und ohnehin vom Originalzustand weit entfernt. Stadtbaurätin Elisabeth Merk wehrt sich jedoch vehement gegen einen Abbruch. Dem könne "in keiner Weise zugestimmt werden". Auf den Erhalt der Denkmäler sei in der gesamten Planungsphase immer wieder hingewiesen worden.

Ihre Kollegen Markwardt und Wolowicz wollen jedoch die Fläche im Norden am liebsten freiräumen und komplett neu bebauen. Neben Haus 27 befinden sich dort unter anderem nicht erhaltenswerte Siebziger-Jahre-Bauten, die jetzt noch für die Infektionsabteilung genutzt werden. Dort könnten unter anderem Wohnungen für Klinik- und Pflegepersonal entstehen - mit einem 50-Meter-Turm in der Mitte. Südlich davon, im Haupttrakt Richtung Kölner Platz, ist der öffentliche Bereich mit Gastronomie und Läden geplant. Die neuen Wohnblöcke würden - Abbruchkosten, Tiefgarage und Grünflächen inklusive - knapp 407 Millionen Euro kosten. Die zu erwartenden Mietkosten liegen bei 16,9 Millionen pro Jahr, die Investition amortisieren sich also nach rund 24 Jahren.

Der Zeitplan hängt an den Erweiterungen in Bogenhausen

Der Osten des Geländes bleibt langfristig Klinikgelände. Ob die Räumung der anderen Häuser tatsächlich bis 2022 gelingt, hängt davon ab, dass die Schwabinger Kinderklinik wie auch die Erweiterung des Krankenhauses Bogenhausen pünktlich fertig werden. Zahlreiche Schwabinger Abteilungen sollen gemäß dem Sanierungskonzept für das wirtschaftlich angeschlagene Stadtklinikum nach Bogenhausen umziehen. Neben dem städtischen Krankenhaus bleiben auch die psychiatrischen Abteilungen des Bezirks Oberbayern in Schwabing. Sie sind in Haus 7 untergebracht und sollen dort auch bleiben.

Der Bezirk hat bereits Interesse bekundet, zusätzlich das benachbarte Haus 9 anzumieten. Die Münchner Stadtverwaltung zeigt sich aufgeschlossen gegenüber diesem Plan, da psychiatrische Patienten möglichst wohnortnah versorgt werden sollen. Haus 9 befindet sich in gutem Zustand, steht aber derzeit leer. Es wurde im vergangenen Jahr immer wieder für Filmaufnahmen genutzt.

© SZ vom 21.02.2017/vewo
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