Pläne für das Klinikum Großhadern:Keine großen Emotionen für die Klinik

Das Klinikum Großhadern mag das größte und vielleicht auch das wichtigste Krankenhaus Bayerns sein - große Emotionen scheinen die Münchner trotzdem nicht damit zu verbinden. Was mit dem in ganz München nur als "Toaster" bekannten Bettenhaus passiert, lässt sie jedenfalls ziemlich kalt.

Umso mehr, als der Abriss und Neubau erst in zwanzig Jahren abgeschlossen sein soll. Wer will schon so weit denken? "Bis das passiert ist, bin ich doch längst weg", sagt ein Medizinstudent im siebten Semester, der gerade von einem Kurs im Klinikum kommt und das Gebäude "eigentlich okay" findet.

Pläne für das Klinikum Großhadern: Nach 40 Jahren sei ein Krankenhausbau eben veraltet, sagen Mitarbeiter des Klinikums Großhadern: So seien die Wege zwischen den Abteilungen zu weit.

Nach 40 Jahren sei ein Krankenhausbau eben veraltet, sagen Mitarbeiter des Klinikums Großhadern: So seien die Wege zwischen den Abteilungen zu weit.

(Foto: Robert Haas)

Und einer der Mitarbeiter sinniert: "Ich werde das wahrscheinlich sowieso nur noch von der Parkbank aus beobachten, beim Taubenfüttern".

"Stadt der Gesundheit"

Es ist genau 60 Jahre her, dass sich die bayerische Staatsregierung von der Idee verabschiedete, noch mehr Erweiterungsbauten im sogenannten Klinikviertel zwischen Sendlinger Tor und Goetheplatz unterzubringen. Der Ministerrat folgte damals den Empfehlungen eines Expertengremiums und beschloss auszubrechen: mit einem neuen Klinikkomplex auf der grünen Wiese, genauer gesagt auf einem 70 Hektar großen Areal in Großhadern. Die Architektengemeinschaft Godehard Schwethelm, Walter Schlempp und Werner Eichberg wurde beauftragt, das neue Großkrankenhaus zu planen, eine "Stadt der Gesundheit", wie es hieß. Während in Krankenhäusern früherer Tage jede Fachklinik ihr eigenes Gebäude hatte, wurde Großhadern von Anfang an so geplant, dass die Abteilungen technische, wirtschaftliche und medizinische Ressourcen gemeinsam nutzen. Auch deshalb wurde der Komplex so massiv. Der bayerische Kultusminister Theodor Maunz sprach schon 1958 von einem "Bauprojekt einmaliger Größenordnung".

Der Bau des Klinikums begann 1967. Der erste Patient wurde in Großhadern am 16. September 1974 behandelt. Vorerst abgeschlossen war das Projekt 1981, als der OP-Trakt in Betrieb ging. 367 Millionen Mark kostete der Bau des Klinikums insgesamt.

Großhadern ist auch ein Ort medizinischer Pionierleistungen. Im Jahr 1983 etwa nahm der Herzchirurg Bruno Reichart an einem 28-jährigen Patienten die deutschlandweit erste Transplantation von Herz und Lunge in einem Eingriff vor. 1990 kam es zur ersten Lungentransplantation. Auch in der Krebstherapie gab es in Großhadern große Erfolge, etwa in der 1979 eröffneten Station für die Transplantation von Knochenmark.

1200 Betten gibt es derzeit in Großhadern, sie verteilen sich auf 29 klinische Einrichtungen. Im vergangenen Jahr feierte das Klinikum die Eröffnung des neuen Operationszentrums. Es hat 32 feste und vier ambulante OPs sowie 70 Intensivbetten. Laut Klinikum ist es eines der größten und modernsten seiner Art in Europa.

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