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Pinakothek der Moderne:"Noch einmal würden wir das nicht bauen"

Sie zählt zu den größten Attraktionen in München und ist erst zehn Jahre alt. Doch jetzt muss die Pinakothek der Moderne geschlossen werden - wegen Rissen in der Rotunde. Wer ist schuld? Der Architekt offenbar nicht.

Evelyn Vogel

Die Pinakothek der Moderne in München muss im kommenden Jahr wegen Sanierungsarbeiten von Februar an für sieben Monate geschlossen werden. Das gaben Kunstminister Wolfgang Heubisch und die Sammlungsleiter der Pinakothek der Moderne am Donnerstag bekannt. Während dieser Zeit soll an der Südostecke des Areals ein neuer temporärer Ausstellungsbau, die sogenannte "Schaustelle", den Ausstellungsbetrieb aufrechterhalten.

Die Kosten für die Sanierungsarbeiten werden auf 750.000 Euro geschätzt. Für den Bau der temporären Kunsthalle nach Plänen des Berliner Architekturbüros J. Mayer H. Architects wird noch einmal die gleiche Summe veranschlagt, so dass mit 1,5 Millionen Euro Gesamtkosten gerechnet werden muss. Diese Kosten teilen sich zu je einem Drittel der Freistaat, die Stiftung der Pinakothek der Moderne und ein Sponsor, der Fahrzeugbauer Audi.

Die Sanierung der Pinakothek der Moderne ist notwendig geworden, nachdem vermehrt Risse an der zentralen Rotunde aufgetreten sind. Im vergangenen Jahr musste die Pinakothek deshalb auch kurzfristig ihre Teilnahme an der "Langen Nacht der Museen" absagen. Das Museum, das vier unabhängige Sammlungen für Moderne Kunst, Grafik, Architektur und Design beherberg und zu einer der größten Attraktionen in München zählt, wurde erst vor zehn Jahren nach Plänen des Architekten Stephan Braunfels eröffnet.

Nach Angaben von Bauamtsleiter Kurt Bachmann sind "Verformungsbewegungen durch Schwinden des Betons und gleichzeitigem Quellen der Ziegel" die Ursache für die Risse. Das sei ein sehr selten auftretendes Phänomen. Das so etwas passieren kann, sei damals bei den entsprechenden DIN-Normen für Ziegel noch gar nicht berücksichtigt worden. Damit kann man dem Architekten der Pinakothek, Stephan Braunfels, wohl auch keine Planungsfehler vorwerfen. Gleichwohl nimmt Bachmann Abschied von der fugenlosen Ästhetik der Rotunde: "Noch einmal würden wir das so nicht bauen."

Nun sollen die defekten Ziegel in der großen Eingangshalle die seit Monaten eingerüstet ist, ersetzt und das Mauerwerk homogen verfugt werden. Dem Besucher, sagt Bachmann, würde das gar nicht auffallen.

Eine Sanierung bei laufendem Betrieb komme nicht in Frage, weil die Arbeiten staubintensiv seien, erläutert Bachmann. Deshalb müssen zunächst auch alle Kunstwerke innerhalb des Hauses gesichert werden. Die Sanierungsarbeiten selbst sollen Mitte April beginnen und 14 Wochen in Anspruch nehmen. Die Wiedereröffnung ist für Mitte September 2013 geplant.

Die 18 Meter hohe temporäre "Schaustelle" soll an der Ecke Türken-/Gabelsbergerstraße aus Container- und Gerüstelementen entstehen. Im Innern der 40 Meter langen und 15 Meter breiten Konstruktion aus wiederverwertbaren Elementen wird sich ein geschlossener White Cube mit einer bespielbaren Fläche von 300 bis 400 Quadratmetern befinden. Darüber werden sich mehrere offene Etagen aus Gerüstelementen in den Münchner Himmel recken, die über zwei Treppen zugänglich sind. Und auf dem Dach wird womöglich eine Aussichtsterrasse entstehen, die für eigene Veranstaltungen genutzt und eventuell auch vermietet werden soll.

Die klimatischen Bedingungen im neuen Ausstellungspavillon werden nicht den konservatorischen Ansprüchen des Hauses entsprechen. Alle Sammlungsleiter betonten deshalb, man wolle die schwierige Situation als Chance nutzen, um Neues ausprobieren, das in die Zukunft wirke. Vor allem "multimediale Bildwelten", also Videokunst, aber auch Installationen sollen im Fokus stehen. Stiftungsvorsitzender Markus Michalke bezeichnete den temporären Pavillon als Ort der "Intervention und Interaktion". Man werde "eine Verortung der Schaustelle auf der Fehlstelle des zweiten Bauabschnitts" vornehmen.

Der Entwurf der "Schaustelle" entspringt einem Wettbewerb, den Berlin vor Jahren für eine neue, nie realisierte Kunsthalle ausgeschrieben hatte. Andres Lepik, der von Oktober an als Nachfolger von Winfried Nerdinger das Architekturmuseum leiten wird, betonte, man wolle "keine Architektur-Ikone" präsentieren , sondern eine temporäre Plattform. Kunstminister Heubisch sagte: "Ich bin mir sicher, dass das Provisorium ein Hingucker sein wird."

© SZ vom 13.07.2012/bica

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