bedeckt München 15°
vgwortpixel

Pinakothek der Moderne:Weihnachten im Januar

klee

Paul Klee hat den "Pastor Kohl" 1932 gemalt, ein Jahr, bevor ihn die Nationalsozialisten seiner Professur in Düsseldorf enthoben.

(Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne)

Die Pinakothek der Moderne lüftet das Geheimnis um eine teure Neuerwerbung: Im Verbund mit anderen Institutionen hat sie Paul Klees Gemälde "Pastor Kohl" gekauft.

"Ein berühmter Maler", gar "ein Bild, das noch nie öffentlich ausgestellt war", so wurde gemunkelt, als man vor wenigen Tagen ankündigte, dass die Pinakothek der Moderne mit Hilfe mehrerer Förderer ein Werk der Klassischen Moderne gekauft hat. Klar war da nur eines: Da hat jemand ganz schön viel Geld zusammenkratzen müssen, um das Ding zu stemmen. Aber was mochte es wohl sein; und wie teuer war es wohl? Wie viel man für den Ankauf des Gemäldes "Pastor Kohl" von Paul Klee aus dem Jahr 1932 nun tatsächlich aufbringen musste, wurde natürlich nicht verraten. Nur so viel war in Erfahrung zu bringen: Hier ging es um einen hohen siebenstelligen Betrag. Der "Pastor" stammt aus dem Privatbesitz des Enkels von Paul Klee, Alexander Klee, aus Bern.

Die Präsentation der Neuerwerbung wurde regelrecht inszeniert. Als Bild und Erläuterungstafel endlich enthüllt waren, ging ein leises Raunen durch den Saal. Denn der Klee ist keine Papierarbeit und auch kein kleinformatiges Werk, sondern ein für Klees Verhältnisse großformatiges Gemälde aus den Dreißigerjahren im Stil des Pointillismus und figurativ dazu. Leicht findet man Zugang zu dem Werk. Man kann es sogar mehrfach interpretieren: Den Kragen könnte man als eine abstürzende Friedenstaube, den Hut als Arche Noah interpretieren. Mit etwas Witz und Fantasie meint man, bei einer 90-Grad-Drehung wie bei einem Vexierbild eine Nonne zu erkennen.

Das Bild ist eine substanzielle Verstärkung und Erweiterung der herausragenden Sammlung

Was bedeutet nun aber die Neuerwerbung für die Sammlung? Sie stelle eine "substanzielle Verstärkung und Erweiterung der herausragenden Klee-Sammlung der Pinakothek der Moderne" dar, schwärmt man bei den Staatsgemäldesammlungen. Sieben Klee-Werke besitzt man nun. Der "Pastor Kohl" wird in Saal 12 der Pinakothek der Moderne dauerhaft ausgestellt, wo neben Klees Werken auch solche der Bauhausmaler Oskar Schlemmer und Lyonel Feininger zu sehen sind.

So herrscht mitten im Januar plötzlich Weihnachtsstimmung in der Pinakothek der Moderne. "Es ist wie Heiligabend", jauchzt Bernhard Maaz, Generaldirektor der Bayerischen Gemäldesammlungen, nennt das Gemälde ein "Objekt der Begierde" und "ein gewichtiges Bild", das die Sammlung "essenziell" ergänze. Auch Oliver Kase, zuständiger Kurator der Sammlung Klassische Moderne, ist begeistert.

Es sei zwar "keine Jahrhundert-Erwerbung, aber eine Vierteljahrhundert-Erwerbung", denn in den vergangenen 25 Jahren sei es Museen nur zweimal gelungen, Klee-Gemälde zu kaufen. Unter den etwa 9000 Werken Klees sind nur etwa 700 Gemälde, ansonsten handelt es sich um Papierarbeiten. Das Bild war tatsächlich noch nie in einem Museum ausgestellt, wurde noch nie auf dem Kunstmarkt gehandelt, sondern befand sich immer im Besitz der Familie. Daher sei die Provenienz, darauf weist Kase hin, auch "ohne jeden Makel".

"Ich sehe keinen anderen Platz für ein Klee-Werk von dieser Wichtigkeit als München."

Der aus der Schweiz angereiste Enkel Alexander Klee scheint denn auch weniger unter Abschiedsschmerz zu leiden als vielmehr Freude über den neuen Standort zu empfinden: "Hin und wieder muss man sich von einem Werk trennen, um den Nachlass, um die Forschungen zu ergänzen und die Sammlung zu erhalten", erklärt er seine Beweggründe für den Verkauf des Bildes, das er gelegentlich auch zur eigenen Freude in seinen privaten Räumen aufgehängt habe. Wenn man sich aber von so einem Bild trenne, "dann ist es wichtig, dass es nicht für immer in einem Panzerschrank oder Zollfreilager landet, sondern in einer Sammlung, in der man es sehen kann". Ganz besonders freue er sich aber, dass der "Pastor" nun in München hänge: "Ich sehe keinen anderen Platz für ein Klee-Werk von dieser Wichtigkeit als München", betonte Alexander Klee im Gespräch, denn die Stadt habe ja sehr viel Bezug zu diesem Künstler.

Die Kaufsumme wurde zur Hälfte vom Museum aufgebracht, etwa 30 Prozent teilen sich die Kulturstiftung der Länder und die Ernst von Siemens Kulturstiftung, mit 20 Prozent ist Pin beteiligt, der Verein Freunde der Pinakothek der Moderne. Dessen Vorsitzende Katharina von Perfall verwies darauf, dass man beim Ankauf des Gemäldes, das neben dem "Pastor" hängt, - "Das Licht und Etliches" von 1931 - schon beteiligt gewesen sei. Auch deshalb sei man bei Pin so begeistert gewesen, als die Idee aufkam, anlässlich des 50. Pin-Jubiläums bei der Finanzierung des Klee-Ankaufs mitzuwirken. Letztlich hat die Pin-Zusage aber noch mehr bedeutet: Sie hatte die Zusagen der anderen Förderer zur Folge und so den Ankauf erst ermöglicht.

© SZ vom 15.01.2016
Zur SZ-Startseite