Sätze wie „I imagine Spiderman zu sein“ oder „I imagine Kunst zu sein“ zieren die bunten Holzelemente des Baumhauses. Es ist mit Halbkreisen, Mondformen, Quadraten, Dreiecken und Rechtecken in 50 verschiedenen Farben bemalt und ein Ergebnis aus Workshops und Mal-Sessions der Künstlerin Morag Myerscough mit mehr als 1500 Teilnehmenden. Mit knapp neun Metern ist es die größte begehbare Installation, die je in der Pinakothek der Moderne errichtet wurde.
Bereits seit vergangenem Sommer steht auf der einstigen Kiesfläche an der Gabelsbergerstraße die begehbare Großskulptur Flux, eine Art Villa Kunterbunt, die mit kostenlosen Kreativworkshops, Silent Discos, Yoga-Stunden und Tanzeinheiten zu einem vielseitig genutzten Treffpunkt für alle geworden ist. Seit der Eröffnung im Juni 2025 haben rund 90 000 Menschen das Flux besucht und 23 000 davon an Workshops teilgenommen.
Das neue Baumhaus drinnen im Museum ist so etwas wie die kleine Schwester des Flux draußen, und bietet einen ganzjährig nutzbaren Raum ohne wetterbedingte Einschränkungen. Geplant sind Lesungen, Konzerte, Chormusik, Diskussionsabende und Yoga-Sessions. Man kann das Baumhaus aber auch ganz oder teilweise für eigene Veranstaltungen mieten. Überall sind Hocker, Tische und Steckdosen verteilt. Wer will, kann sich also auch bequem mit einem Laptop irgendwo niederlassen und arbeiten. Wie das Baumhaus ankommt und wer es wie nutzt, das wollen die Organisatoren abwarten.
Flux und Baumhaus entstanden auf Initiative der vier Museen der Pinakothek der Moderne und der Stiftung Pinakothek der Moderne. Es wird von der Allianz und der Kirch Stiftung finanziert und soll als „dritter Ort“ fungieren – ein Ort zwischen Arbeit und Zuhause. Zum Prinzip eines dritten Orts gehört auch die Konsumfreiheit. So gibt auf der Außenfläche des Flux zwar die Paloma Bar, einen Foodtruck und ein Angebot mit japanischem Ramen, konsumiert werden muss jedoch nichts. Man kann draußen sogar seinen eigenen Picknickkorb mitbringen. Das Café im Wintergarten der Pinakothek der Moderne selbst ist weiterhin regulär geöffnet und gewinnt durch das neue Baumhaus sogar noch an Sitzplätzen dazu.
Museum der Zukunft
Besonders in den vergangenen Jahren zeigen Museen vermehrt Bestrebungen, Kunst und Kultur zugänglicher und barrierefreier zu gestalten. Das Flux sei ein Paradebeispiel dafür, wie man die Museen der Zukunft gestalten kann, meint einer der Sammlungsdirektoren der Pinakothek der Moderne, Oliver Kase. „Morag hat es mit ihrem Charme und ihrer Arbeitsweise geschafft, dieses Bollwerk aus Beton, Bürokratie und Behörde aufzubrechen und ermöglicht uns so, anders zusammenarbeiten als bisher“, so Kase.

Das Baumhaus soll wie eine Membran wirken, mit der das Innere und das Äußere miteinander verschmelzen und so Austausch, Dialog und Partizipation ermöglichen. „Wir hoffen, dass das Baumhaus vor allem von der Nachbarschaft gut angenommen wird“, betont Projektleiterin Eva Tillig. Geöffnet ist es von Dienstag bis Sonntag bis 20 Uhr, teilweise sogar bis 22 Uhr.
Für die britische Künstlerin Morag Myerscough, deren Stil und Vision hinter der ganzen Installation steckt, ist die Eröffnung ein ekstatischer Moment. „Es ist wirklich das beste Projekt, das ich in meiner ganzen Karriere jemals gemacht habe – und ich bin schon sehr alt“, sagt die Britin lachend. Sie trägt einen platinblonden Bob und eine kantige Kette im knallbunten Flux-Stil um ihren Hals. Für sie ist es ein „Once-in-a-lifetime-Projekt“, besonders deshalb, weil sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen konnte.
Ein rosaroter Juwel
Das quietschbunte Baumhaus stellt einen klaren Kontrast zu den grauen Fassaden des Wintergartens dar – für Myerscough perfekt. „Die Farbe wird zum Juwel im Raum und konkurriert mit nichts“, erklärt sie. In ihren Arbeiten geht es oft um Zugehörigkeit und das Gefühl der Gemeinschaft. Bei den Workshops habe sie den immensen Durst der Teilnehmenden gespürt, dazuzugehören und etwas zu schaffen. Ihre Prämisse: Partizipation. „Wenn du möchtest, dass eine Gemeinschaft deine Arbeit akzeptiert, dann musst du den Menschen das Gefühl geben, ein Teil davon zu sein“, meint Myerscough.

Seinen Namen erhielt das Flux in Anlehnung an die Fluxus-Kunstbewegung der Sechzigerjahre, die einen fließenden Übergang zwischen Kunst und Leben vertraten. Die Anhängerinnen und Anhänger der Bewegung hinterfragten traditionelle Kunstbegriffe und Konventionen und standen für eine inklusive und egalitäre Kunstszene – genauso wie es das Flux heute tut.
Besonders die Wörter-Workshops, in denen die Phrasen entstanden, die heute das Baumhaus schmücken, waren für das Team beeindruckend. „80-jährige Leute hatten teilweise die exakt gleichen Gedanken wie siebenjährige Kinder – sie wollen Frieden, Liebe und Natur“, erzählt Myerscough. Ein vierjähriges Mädchen namens Funda schrieb beispielsweise: „Ich kann pinke Wolken schmecken.“ Tatsächlich wird das bunte Baumhaus beim Sonnenuntergang ganz in rosarotes Licht getaucht.
Mindestens fünf Jahre lang soll das Baumhaus nun den Wintergarten füllen. Ein weiterer dritter Ort in Myerscoughs Stil ist nicht geplant. Das Baumhaus gehörte von Anfang an zu ihrem Gesamtkonzept und verbindet nun auf ganz spielerische und lebendige Art und Weise das Draußen mit dem Drinnen.


