Kleintierklinik Der Hund braucht Physio!

Windhündchen Bambi bei der Physiotherapie mit Tierärztin Barabara Esteve, die das neue Zentrum für Tiermobilität leitet.

(Foto: Jan A. Staiger)

Das Zentrum für Tiermobilität der LMU bietet Physiotherapie für Vierbeiner an. Klinik-Chefin Katrin Hartmann will, dass die Tiere gesund bis ins hohe Alter durchs Leben gehen.

Von Janina Ventker

Wenn Max rennt, springt ihm schon mal die Kniescheibe raus. Deshalb soll Max jetzt zur Physiotherapie. Heute ist sein erstes Mal. Unter der Aufsicht von Tierärztin Susanne Lauer stellt er sich aufs Laufband und trabt fröhlich drauf los. Die Zunge hängt ihm aus dem Maul, er hechelt leicht. Vera Geisen, sein Frauchen, lobt ihn. "Du machst das super, Mäxchen."

Max, eineinhalb Jahre alt, ist ein Aussiedoodle, eine hübsche Kreuzung aus einem Australian Shepherd und einem Pudel, und einer der ersten Patienten in dem am Donnerstag eröffneten Zentrum für Tiermobilität der Ludwig-Maximilians-Universität in München. "Das Zentrum ist einmalig in Deutschland, vielleicht sogar europaweit", sagt Katrin Hartmann, Vorstand der Medizinischen Kleintierklinik, nicht ohne Stolz.

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Physiotherapie für Hunde? Soll das ein Witz sein? Keineswegs. "Wir wollen, dass die Tiere fit und gesund durchs Leben gehen, bis ins hohe Alter", sagt Hartmann. Und die Prophylaxe, also die vorbeugenden Maßnahmen, komme bei Tieren nun mal oft zu kurz. Der Tierarzt werde oft erst konsultiert, wenn das Tier bereits krank sei oder Beschwerden habe. "Aber ich lasse mich ja auch regelmäßig durchchecken, etwa wenn ich zum Frauenarzt gehe."

Zentrum für Tiermobilität - das klingt erst einmal imposant. Dahinter versteckt sich: ein knapp 30 Quadratmeter großer Raum in der Kleintierklinik am Englischen Garten. Darin zu finden: zwei Laufbänder, jede Menge Matten, Bälle, eine Wippe, Pylonen. Dass die Gerätschaften nicht für Menschen gedacht sind, lässt sich nur an Details erkennen, wie etwa dem Balance-Kissen in Form eines Knochens.

Während Aussiedoodle Max fröhlich weiter auf dem Laufband trabt, soll ein paar Meter weiter Windhund Bambi eine Übung auf der Hundewippe absolvieren. Bambi hat ein verkürztes Bein und bereits einige Stunden Physiotherapie genossen. Aber heute traut Bambi sich nicht so recht. Es ist wohl das Lampenfieber. Schließlich ist der ganze Raum gefüllt mit Journalisten, zwei Dutzend Augen sind auf die junge Hundedame gerichtet. Manch ein Politiker würde sich über so viel Aufmerksamkeit freuen, wenn er zu einer Pressekonferenz lädt. Nicht so Bambi. Auch die Leckerchen ziehen nicht.

Auch Uschi Ackermann beobachtet die Szenerie. Sie ist potenzielle Kundin, die das neue Therapiezentrum künftig wohl regelmäßig aufsuchen wird, auch wenn ihrem Mops Julchen noch nichts fehlt. Rund 60 Euro soll eine Therapiestunde kosten. Ob es ihr das wert sei? Ackermann macht eine wegwerfende Handbewegung. "Ach wissen Sie, ich tue alles für den Hund, ich habe ja keine Kinder. Es ist mir egal , wie viel das kostet." Chemotherapie und Herzschrittmacher für Hunde seien heute gang und gäbe, sagt Klinikvorstand Katrin Hartmann. Physiotherapie sei da nur die logische Konsequenz.

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