SZ-Pflegekolumne „Auf Station“Die Pflegerin als SZ-Kolumnistin

Lesezeit: 3 Min.

Pola Gülberg arbeitet als Pflegekraft auf der Intensivstation vor den Toren Münchens in der Ebersberger Kreisklinik.
Pola Gülberg arbeitet als Pflegekraft auf der Intensivstation vor den Toren Münchens in der Ebersberger Kreisklinik. Peter Hinz-Rosin

Im fünften Jahr der SZ-Pflegekolumne können nun noch mehr Menschen die Geschichten von Pflegerin Pola Gülberg lesen. Warum die 41-Jährige jede Woche über ihre Arbeit auf der Intensivstation der Ebersberger Kreisklinik erzählt.

Von Johanna Feckl

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Im Kindergarten malte Pola Gülberg eine Krankenschwester. „Was wollt ihr werden, wenn ihr groß seid?“ So lautete die Aufgabe an sie und die anderen Kinder. Überlegen habe sie da überhaupt nicht müssen, es sei einfach völlig klar gewesen, schildert die heute 41-Jährige ihre Erinnerung an jene Zeit. Ihr Interesse daran, wie ein Körper funktioniert, und was zu tun ist, wenn er es nicht mehr richtig tut, ist ihr in die Wiege gelegt worden: Ihr Vater ist Mediziner, damals in seinem Praktischen Jahr im Krankenhaus, also im letzten Studienjahr, in dem die Bald-Absolventen unter ärztlicher Aufsicht ihr Wissen in der Praxis vertiefen.

Warum wollte sie dann aber keine Ärztin werden? „Ich wollte ja mit meinem Papa zusammenarbeiten, da konnte ich ja schlecht das Gleiche machen wie er.“ Klingt logisch. Zumindest für ein Kindergartenkind. Gülberg lacht.

Gülberg ist tatsächlich Pflegerin geworden. Sie arbeitet vor den Toren Münchens auf der Intensivstation der Ebersberger Kreisklinik. Seit 2022 tut sie das mit einer abgeschlossenen Fachweiterbildung für Intensivpflege und Anästhesie – und seit eben jenem Jahr ist sie auch SZ-Pflegekolumnistin.

Jeden Montag berichtet sie über ihre Arbeit auf einer Intensivstation: Über einen Patienten, dessen Angehörige sie nicht verständigen sollte. Über einen anderen, der zweimal gestorben ist und das Krankenhaus trotzdem lebendig verlassen hat. Über die ganz eigene Art von Stille während einer Nachtschicht. Oder das jährliche Sommerloch, das es auch in einer Klinik gibt. Bislang konnten die Leserinnen und Leser der Ebersberger Landkreisausgabe der SZ die Geschichten der Pflegerin erfahren, fortan können das auch die Münchner und Bayern.

SZ-Pflegekolumne: Auf Station
:Empathisch bleiben, selbst wenn zugebissen wird

Für Pflegerin Pola Gülberg gehören Verständnis und Freundlichkeit unbedingt zum Werkzeug für ihre Arbeit auf der Intensivstation dazu –  auch dann noch, wenn eine Patientin ausgesprochen aggressiv ist.

Protokoll von Johanna Feckl

Pola Gülberg ist ein echtes Kindl der Ebersberger Kreisklinik: Dort ist sie zur Welt gekommen. Ein paar Jahre später, als sie den Kindergarten und ihre beiden älteren Geschwister die Grundschule besuchten, haben die drei kleinen Gülbergs auf dem Nachhauseweg oft ihren Vater im Krankenhaus besucht – damals lebte die Familie in der Kreisstadt. Noch ein paar Jahre später, als sie in der zehnten Klasse am Gymnasium war, machte sie ein dreiwöchiges Pflegepraktikum in der Klinik, das war Teil ihrer Ausbildung zur Rettungssanitäterin – seitdem sie zehn Jahre alt ist, engagiert sich die 41-Jährige beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Seit einigen Jahren leitet sie die Jugendgruppe in ihrem Wohnort und bringt Vorschulkindern Erste Hilfe bei.

Fünf Jahre hat Pola Gülberg ihre Großmutter in Chile gepflegt, gearbeitet hat sie dort bei einem privaten Rettungsdienst

Nach dem Praktikum war Gülberg endgültig klar: „Das Gymnasium durchziehen bis zum Abi? Ne. Ich wollte lieber eine Ausbildung in der Pflege machen.“ So schilderte sie es in einer vergangenen Folge.

Und so absolvierte sie eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin – ja, auch diese an der Ebersberger Kreisklinik. Danach gab es ein paar Jahre, in denen Gülberg dem Krankenhaus den Rücken kehrte: Zunächst arbeitete sie auf einer Neuro-Intensivstation einer Reha-Einrichtung, bis sie 2009 nach Chile zog, um dort ihre chilenische Großmutter zu pflegen. „Häusliche Pflegekräfte gibt es dort kaum“, sagt sie. Im Fall der Fälle seien Familien deshalb darauf angewiesen, die Pflege der Angehörigen selbst zu organisieren.

Neben ihrer Arbeit auf der Ebersberger Intensivstation engagiert sich Pola Gülberg ehrenamtlich beim BRK – als zehnjähriges Mädchen trat sie dem Jugendrotkreuz bei.
Neben ihrer Arbeit auf der Ebersberger Intensivstation engagiert sich Pola Gülberg ehrenamtlich beim BRK – als zehnjähriges Mädchen trat sie dem Jugendrotkreuz bei. Peter Hinz-Rosin

In der Pflege gearbeitet hat sie in Chile nicht. Die Voraussetzungen, um in dem Bereich arbeiten zu dürfen, handhaben Länder recht unterschiedlich. Vielerorts ist es üblich, in der Pflege ein Studium abzuschließen – eine duale Ausbildung wie in Deutschland gibt es dort nicht. Auch in Chile ist das so, Gülbergs deutsche Ausbildung als Qualifikation für den Pflegeberuf im Krankenhaus ist nicht anerkannt worden, wie sie erzählt. Und so arbeitete sie als Sanitäterin bei einem privaten Rettungsdienst, der für die Autobahn-Rettung zuständig war.

Nach fünf Jahren kehrte sie zurück in den Landkreis Ebersberg, mit dabei war nun ihr kleiner Sohn, der in der Zwischenzeit geboren war. Und seit 2015 ist die Ebersberger Kreisklinik wieder ihr Arbeits-Zuhause. „Ich mag’s da halt einfach“, sagt sie und lacht.

Werkstattbericht aus der SZ-Pflegekolumne
:„Die Kolumne hat mich bestärkt: Ich liebe meinen Beruf“

Seit bald vier Jahren gibt es die SZ-Pflegekolumne – dies ist die 200. Folge. Ein Anlass für Pflegekolumnistin Pola Gülberg, einmal innezuhalten und zu reflektieren, was die 40-Jährige selbst über das Projekt denkt.

SZ PlusProtokoll von Johanna Feckl

Pola Gülberg ist mit Leib und Seele Pflegerin – das wird jedem klar, der sich einmal etwas länger mit ihr über ihren Beruf unterhält. „Pflege kann so viel bewirken“ ist ein Satz, der so oder so ähnlich immer wieder von ihr zu hören ist. Für sie geht es in der Versorgung von Patientinnen und Patienten immer um Teamwork, eine kompetente Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Pflegekräften. „Da kann keiner den anderen Part ersetzen“, sagt sie.

Die Ärztinnen und Ärzte hätten eine lange und harte Ausbildung hinter sich und verfügten deshalb freilich über tieferes medizinisches Fachwissen. Doch die Pflege sei es, die 24 Stunden am Bett beim Patienten steht und ihn beobachtet. Und oft seien es diese kleinen Beobachtungen, die entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung sind.

Mit der Pflegekolumne „Auf Station“ möchte Gülberg genau das vermitteln: dass Pflege vielfältig ist. Dass sie spannend und herausfordernd ist. Und dass sie nicht weniger wichtig ist als eine ärztliche Versorgung.

Die gesammelten Folgen der Kolumne sind online unter sz.de/aufstation zu finden.

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