Pflege:Möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben

Rund 31 000 Senioren erhalten Leistungen aus der Pflegeversicherung: Die Stadt investiert sowohl in ambulante als auch stationäre Angebote

Von Sven Loerzer

Sieht so die Zukunft aus? Glücklich lächelnde Senioren fahren mit dem Treppenlift im Einfamilienhaus auf und ab, beißen dank Super-Haftcreme wieder kraftvoll zu und tollen, weil eine Schmerzsalbe Wunder bewirkt, wie junge Hupfer völlig unbeschwert durch Haus und Garten. So jedenfalls sieht die Zukunft der Senioren in der Fernsehwerbung aus. Die Realität schaut leider häufig ganz anders aus. Mit zunehmendem Alter steigen Hilfe- und Pflegebedürftigkeit. Das macht die bundesweite amtliche Pflegestatistik deutlich: Während bei den 70- bis 75-Jährigen erst sechs Prozent pflegebedürftig sind, beträgt der Anteil bei den Menschen im Alter von mehr als 90 Jahren 71 Prozent.

Ende 2018 waren nach den Daten des Statistischen Amtes der Landeshauptstadt 266 265 Münchnerinnen und Münchner mindestens 65 Jahre alt oder älter. Das entspricht einem Anteil von 17,3 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Zu diesem zählen 76 791 Hochbetagte im Alter von 80 Jahren oder älter, fünf Prozent der Gesamtbevölkerung. Darunter wiederum waren fast 9500 90- bis 94-Jährige und knapp 2700 Personen, die das 95. Lebensjahr erreicht oder überschritten haben.

Rund 31 000 Münchnerinnen und Münchner erhielten nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Statistik Ende 2017 Leistungen der Pflegeversicherung. Damit ist bereits knapp die Zahl erreicht, die das Sozialreferat in seiner letzten Pflegebedarfsermittlung von 2016 für das Jahre 2025 prognostiziert hat. Eine Aktualisierung der Prognose erfolgt alle fünf bis sechs Jahre, sie steht also schon bald in der Amtszeit des neuen Stadtrats an. Noch werden die meisten Pflegebedürftigen, etwa 14 000, ausschließlich von Angehörigen zuhause versorgt, etwa 10 000 nehmen ambulante Pflege von einem der etwa 260 Pflegedienste in Anspruch, rund 7000 lebten 2017 in einem der 60 Pflegeheime. Derzeit gibt es rund 8000 stationäre Pflegeplätze, bis 2025 sollen es 8800 sein.

In der stationären Pflege hat die Stadt immer wieder durch freiwillige Leistungen für dauerhafte Verbesserungen gesorgt. Seit Jahrzehnten fördert sie die Pflegeüberleitung, um den Übergang ins Heim zu begleiten. Von der hausinternen Tagesbetreuung in den Heimen profitieren Menschen mit Demenz, denen zusätzliche Betreuung mehr Lebensqualität bringt. Die Beschwerdestelle für Probleme in der Altenpflege und eine gut aufgestellte Heimaufsicht tragen dazu ebenso bei.

Auch in der ambulanten Versorgung hat der Stadtrat von großem Konsens getragen dafür gesorgt, die Voraussetzungen zu verbessern, dass Menschen trotz nachlassender Kräfte im Alter möglichst lang in ihren eigenen vier Wänden bleiben können. Das Rückgrat bilden dabei die 32 Alten- und Servicezentren (ASZ) in der Stadt, die beraten, aber auch Hilfeleistungen organisieren. Zu ihrem Angebot gehört auch der präventive Hausbesuch: Damit können sich ältere Menschen über alle Möglichkeiten der Unterstützung beraten lassen. In vielen Fällen stellen die ASZ-Mitarbeiterinnen dabei fest, dass eigentlich schon hauswirtschaftliche Hilfe, etwa beim Putzen der Wohnung, erforderlich wäre. Aber das kann sich nicht jeder leisten.

Auf Antrag der SPD und auch gemeinsam gestellte Anträge von SPD und CSU hat der Stadtrat im November einstimmig beschlossen, den sozialen Mittagstisch in den ASZ auszubauen und die hauswirtschaftliche Versorgung für Menschen zu finanzieren, deren Einkommen unter der Armutsgrenze von 1350 Euro monatlich liegt, aber knapp über der Grenze für Sozialhilfe.

In den Heimen waren 2018 knapp 2600 Pflegebedürftige, etwa ein Drittel der Bewohner, auf Sozialhilfe angewiesen. Bei ihnen reichten Rente und Vermögen nicht, um den Eigenanteil, etwa 2300 bis 2500 Euro nach Abzug der Pflegeversicherungsleistung, aufzubringen. Den Betroffenen bleibt dann nur ein Barbetrag in Höhe von 122,31 Euro monatlich, über den sie verfügen können, um etwa Getränke, Zeitschriften, Friseur, Fußpflege, Telefon oder einen Fernseher zu bezahlen.

© SZ vom 05.02.2020
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