Pflege-Initiative Daheim statt im Heim

Senioren sollen nach dem Willen von CSU und SPD nicht gleich ins Heim müssen, wenn die Pflegekraft zu Hause mal für eine Woche ausfällt.

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CSU und SPD wollen Senioren helfen, ihren Alltag zu Hause zu meistern - auch mit zeitweiliger Pflege-Unterstützung. Sie wünschen sich zudem einen zentralen Notruf und mehr günstige Mittagessen in den Alten- und Servicezentren

Von Dominik Hutter

Putzen, Waschen, Kochen, Einkaufen: Für viele ältere Menschen sind diese alltäglichen Tätigkeiten ein echtes Problem. Vor allem dann, wenn ihre Rente zu niedrig ist, um eine Haushaltskraft bezahlen zu können, aber zu hoch, um staatliche Hilfen zu bekommen. Die Rathausfraktionen von SPD und CSU wollen Münchner Senioren nun das Leben erleichtern: mit warmem Mittagessen, Hilfe im Haushalt oder bei der Pflege sowie einem zentralen Notruf für alle Fälle. Das Ziel: "Ambulant vor stationär", wie CSU-Sozialsprecher Marian Offman sagt, die Senioren sollen so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben können. Auch wenn mal für eine Woche die Pflegekraft ausfällt.

Ein detailliertes Konzept für die große Seniorenoffensive gibt es noch nicht. Das sollen die Experten vom Sozialreferat austüfteln, vorausgesetzt, der Stadtrat stimmt der Initiative der beiden großen Fraktionen zu - was angesichts der Mehrheitsverhältnisse sehr wahrscheinlich ist. Bislang ist unklar, wie viel das neue Angebot kosten würde. SPD-Stadträtin Anne Hübner räumt aber ein, dass ein flächendeckender Pflege- und Haushaltsservice durchaus kostspielig werden kann. Nur: "Dinge, die sein müssen, sollten nicht allein auf ehrenamtlichen Schultern ruhen." Denn natürlich gibt es viele der gewünschten Angebote schon: Diverse Alten- und Service-Zentren servieren ein günstiges warmes Mittagsessen - wenn auch oft nur ein- bis zweimal je Woche. Vereine und Kirchen bieten Unterstützung im Haushalt an. Aber eben nur partiell und oft mit erheblichem Engagement freiwilliger und zumeist schlecht bezahlter Helfer.

Diese Strukturen wolle man keineswegs ersetzen, versichert Hübner. Aber eben so ergänzen, dass ein regelmäßiges und möglichst stadtweites Angebot vorhanden ist. Dabei will SPD-Sozialsprecher Christian Müller die potenziellen Berliner Großkoalitionäre beim Wort nehmen. Im frisch verfassten Koalitionspapier nehme das Thema breiten Raum ein, so Müller. Kommunen wie München dürften daher bei der Versorgung der Senioren auf finanzielle Unterstützung des Bundes wie der Länder hoffen. Denn bei dem Antragspaket von SPD und CSU geht es um mehrere Millionen Euro, das ist auch schon vor Fertigstellung eines konkreten Konzepts klar.

Für den warmen Mittagstisch sollen vor allem die 34 Alten- und Servicezentren zuständig sein, die dafür personelle Unterstützung benötigten. Die bestehenden ehrenamtlichen Strukturen könnten nur erhalten bleiben, wenn sie durch hauptamtliche Hauswirtschaftskräfte ergänzt werden, steht in dem Antrag von SPD und CSU. Mehr als 15 000 Münchner erhielten staatliche Unterstützung, fast 60 000 gälten wegen ihrer niedrigen Rente als armutsgefährdet, betonen die Stadträte. Ein Mittagstisch sei daher ein wichtiges Angebot.

Um Senioren, die ihren Haushalt nicht mehr alleine erledigen können, den Umzug in ein Heim zu ersparen, soll das Sozialreferat prüfen, wie der gelegentliche oder auch regelmäßige Besuch von Haushaltshilfen stadtweit ermöglicht werden könnte. Dies ist manchmal auch nur vorübergehend notwendig, etwa wenn die normale Hilfe krankheitsbedingt ausfällt. Oder, wie SPD-Stadträtin Constanze Söllner-Schaar betont, wenn die Menschen direkt nach einem Klinikaufenthalt noch nicht komplett auskuriert nach Hause kommen und mit ihrem Alltag überfordert sind. Dann müsse unkomplizierte Hilfe möglich sein, Anruf genügt.