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Pfingsten:Wenn die Stadt zum Paradies für Kinder wird

Viel los in den Ferien: Tierpark-Mitarbeiterin Janina Lebdowicz schminkt Luise und Helene.

(Foto: Robert Haas)

Weil viele Familien über Pfingsten in München bleiben, statt zu verreisen, gibt es in dieser Zeit inzwischen ein großes Angebot für Kinder. Ein Überblick.

Die Autobahnen sind voll, der Flughafen meldet Passagierrekorde und am Hauptbahnhof drängeln sich die Reisenden mit schwerem Gepäck. In den Pfingstferien fahren und fliegen die Münchner traditionell in den Süden, auf die Balearen, die Kanaren, an die italienische Adriaküste oder den Gardasee. Doch langsam zeichnet sich eine Trendwende ab.

Immer häufiger bleiben Familien auch zu Hause; beschäftigt wollen die Kinder aber trotzdem werden. Deshalb werden Ferienprogramme immer beliebter, manche Angebote sollen schneller ausgebucht gewesen sein als das Rolling-Stones-Konzert, erzählt man sich. Nicht nur am Strand, sondern auch in München gibt es viel zu erleben. Ein kleiner Streifzug durch die erste Ferienwoche - natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Schminken im Tierpark

Sophie Edhofer und Raihana Scherzad müssen nicht lange überlegen. "Giraffe und Tiger", sagen die beiden jungen Frauen. Ja, die Kinder wollten am liebsten als Giraffe oder Tiger geschminkt werden hier im Giraffenhaus des Tierparks Hellabrunn. Für drei Euro, die den Tieren zugute kommen, können sich die kleinen und größeren Besucher am Pfingstwochenende unter anderem von Edhofer und Scherzad im Gesicht bemalen lassen. Hauptsache dabei, es glitzert, egal ob bei Spiderman, Maus, Schmetterling oder Erdmännchen.

Luise Popp, acht Jahre alt, ist sicher: Ihr Gesicht soll sich in ein Tiger-Antlitz verwandeln. Ihre sechsjährige Schwester Helene wird derweil zum Delfin. Die beiden haben eine Jahreskarte, kommen mit ihren Eltern Barbara und Wolfgang Popp öfter in den Tierpark. Auch sonst wird der Familie in den Ferien kaum langweilig: Residenz, Ägyptisches Museum, Nationalmuseum, Stadtmuseum oder die Wandertouren des MVV stehen auf dem Plan.

"Es gibt tolle Angebote, die immer da sind", sagt Barbara Popp. Aus ihrer Sicht brauche es gar nicht so viele extra Events nur für die Ferien. "Wir lieben den Münchner Ferienpass", sagt sie. Damit erhalten die Kinder in vielen Einrichtungen kostenlosen oder sehr günstigen Eintritt. Tochter Luise hat sich nun entschieden, auf ihre Hand noch ein Erdmännchen malen zu lassen. Tierpark-Mitarbeiterin Janina Lebdowicz erfüllt den Wunsch sofort. Dann muss die Familie los, der Tierpark lässt sich immer wieder aufs Neue entdecken.

Ferien in der Schule

Schulen haben in den Ferien geschlossen? Das war einmal, zumindest im Fall der Ichoschule in Giesing. 100 Kinder, und damit etwa ein Drittel der gesamten Schülerschaft, haben sich fürs Ferienprogramm angemeldet. 80 davon gehen ins Tagesheim, bis zu 20 werden von Asya Dilova und Jean Luca Frino in der Offenen-Ganztags-Gruppe betreut. Der Tag beginnt mit einem Frühstück. Danach bestimmen die Kinder, was sie machen wollen.

In der Ichoschule frühstücken die Kinder erst, bevor das Tagesprogramm beginnt.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Kino", rufen Oscar und Maxim. Linus will lieber ins Museum. Was alle sich vorstellen können: ein Besuch in der Kinderwelt Coco Loco in Grünwald. Oder eine Discoparty mit der Discokugel. Was bisher der beste Ferientag war? Asya Dilova meint: Halloween im vergangenen Jahr. Die Kinder haben Kürbisse geschnitzt und wollten dann als Vampire und Hexen verkleidet die anderen im Schulhaus erschrecken.

Leider waren die Erst- und Zweitklässler alleine im Gebäude, so dass der Hausmeister als Opfer herhalten musste. "Die Kinder haben ihn den halben Tag gejagt", sagt Asya Dilova und lacht. In den Pfingstferien geht es noch nach Maulwurfhausen und in die Kinder- und Jugendfarm nach Ramersdorf - das erleben die Kinder nicht jeden Tag.

Technik für Mädchen

Annika guckt enttäuscht: Schon zum dritten Mal hat das mit der Fräse irgendwie nicht hingehauen. Während die meisten anderen Mädchen hier in der Maschinenhalle schon an ihren kleinen Windrädern schrauben, steht das Mädchen vor der großen Maschine und wartet. Das ist eine Sache, die die Teilnehmerinnen des Technik-Camps für Mädchen lernen sollen: Es klappt vielleicht nicht alles auf Anhieb, aber wer sich anstrengt, erreicht auch etwas.

Bei den Stadtwerken zeigt Azubi Sebastian Wenninger Roxana seine Arbeit.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Gemeinsam mit Annika haben sich neun andere Mädchen aus Mittelschulen, Realschulen und Gymnasien für den Workshop angemeldet, den das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft organisiert hat. Die erste Pfingstferienwoche verbringen sie im Ausbildungszentrum der Stadtwerke München. Sie fräsen, sie schrauben, bohren und feilen. Am Schluss entsteht ein Windrad. Ihr Werkstück präsentieren die zwölf- bis 15-jährigen Mädchen in einem Vortrag vor Publikum.

"Die Mädchen machen hier ein richtiges Praktikum", sagt Eva-Maria Etspüler, Referentin im Bildungswerk. "Ich wollte mal was ganz Neues ausprobieren", sagt die 14-jährige Roxana. Ihr Batteriegehäuse ist bereits fertig, nun braucht das Werkstück noch eine Stange und muss verkabelt werden. "Aufs Löten freue ich mich besonders", erklärt die Realschülerin. Und die Stadtwerke würden sich freuen, wenn sie mehr weiblichen Nachwuchs gewinnen könnten. So profitieren beide Seiten.