Fusion-Jazz:Verkannt und gefeiert

Lesezeit: 4 min

Fusion-Jazz: Vielseitig, virtuos und auch ohne Studium Professor: der Gitarrist Peter O'Mara.

Vielseitig, virtuos und auch ohne Studium Professor: der Gitarrist Peter O'Mara.

(Foto: Pola Jane O'Mara)

Der Gitarrist und Münchner Jazz-Fixstern Peter O'Mara kommt zu seinem 65. Geburtstag mit einem Bigband-Projekt in die Unterfahrt.

Von Oliver Hochkeppel

In Ankündigungen heißt es immer "der australische Gitarrist Peter O'Mara", was indes nur die halbe Wahrheit ist: Wenn der Mann aus Sydney am 9. Dezember 65 Jahre alt wird, dann hat er 41 Jahre, also fast Zweidrittel seines Lebens, in München verbracht. Seit mehr als 30 Jahren sitzt er in der Stammbesetzung von Klaus Doldingers Passport, kein hiesiger Jazzer von Rang, mit dem er noch nicht gespielt hätte, und seit etlichen Jahren ist O'Mara auch Professor für Jazzgitarre an der Münchner Hochschule für Musik und Theater - man darf ihn also mit Fug und Recht einen Münchner nennen.

1981 kam er an die Isar, eher zufällig, so wie vieles in seiner erstaunlichen Karriere auf bemerkenswerten Fügungen beruht, wie er zu berichten weiß. Angefangen damit, dass seine Grundschullehrerin seine gute Stimme entdeckte und ihn Solostücke vor der Klasse singen ließ. Eine musikalische Grundausbildung, die zur erfolgreichen Bitte an seine unmusikalischen Eltern führte, ihm mit zehn Jahren eine Gitarre zu kaufen.

Im Preis waren drei Unterrichtsstunden inbegriffen, doch damit war bald Schluss, weil O'Mara ungern mit dem Lehrbuch arbeitete, das der Lehrer ihm aufoktroyierte: "Ich wollte Akkorde lernen und die Songs spielen, die ich im Radio hörte." So beschied der Lehrer nach sechs Monaten O'Maras Mutter: "Der Junge ist unbegabt, weitere Stunden bei mir machen keinen Sinn."

Zweimal fiel er durch die Aufnahmeprüfung am Konservatorium

Erfahrungen, die sich später wiederholten. So fiel O'Mara nach dem Abitur 1975 zweimal durch die Aufnahmeprüfung am Konservatorium von Sydney, weshalb er nie an einer Hochschule studiert hat. Hoffentlich sieht Talentsichtung heute anders aus. Er selbst hält es im Nachhinein für einen Segen: "Ich konnte machen, was ich wollte, und war nicht gefesselt."

Abgesehen von Privatunterricht und Workshops bei Stars wie John Scofield, Dave Liebman, Randy Brecker, Adam Nussbaum oder Steve Swallow wurde so die Praxis zu seiner Universität. Erst die Schülerband seines besten Freundes ("ohne ihn wäre ich nie Musiker geworden"), dann kleine Unterrichtsjobs und erste Gigs, vermittelt durch den Gitarristen George Golla und den Bassisten Jackie Orsacsky . Bald spielte O'Mara regelmäßig in den Jazzclubs von Sydney, im "Pinball Wiz" zum Beispiel, wo gleichzeitig auch ein gewisser Tommy Emmanuel anfing.

O'Mara, der ohnehin zuerst mit Jimi Hendrix, Rory Gallagher, Led Zeppelin, Deep Purple oder Black Sabbath groß geworden war, also vom Rock kam, bevor er über George Benson und John McLaughlin zum Jazz fand, sammelte als Teil der Szene schnell Erfahrungen aller Art. Bei Studiojobs, einer Disco-Coverband, als Theatermusiker, in Bigbands mit internationalen Gästen und mit den ersten eigenen Projekten. 1981 kam sein erstes Album heraus, das nicht nur gute Kritiken bekam, sondern ihm auch zu einem später noch wichtigen Stipendium verhalf.

Auf der Heimreise aus New York blieb er in München hängen

Noch im selben Jahr machte er sich dann mit allen Ersparnissen und zwei Kollegen nach New York auf. Er übte wie verrückt, besuchte Jam Sessions und so viele Konzerte wie möglich und lernte Attila Zoller kennen, der ihn unter seine Fittiche nahm. Als das Touristenvisum auslief, sollte die Heimreise über Europa führen, mit München als erster Station: "Weil ich einige Platten von ECM und Enja so mochte und dachte, in München müsse einiges los sein", wie er erzählt.

"Zoller sagte mir dann: ,Hey, ich bin auf Tournee gleich auch in München, komm' mit mir!' Wieder ein unglaublicher Zufall in meinem Leben." Hier angekommen, landete er in der Unterfahrt, mit dem Pianisten Werner Klausnitzer als Tischnachbar - der ihm prompt das WG-Zimmer eines gemeinsamen New Yorker Bekannten vermittelte - "und das am ersten Abend in der Stadt!", wie O'Mara heute immer noch ungläubig betont. Aus drei Wochen wurden neun Monate, bis die Ersparnisse aufgebraucht waren und das Rückflugticket nach Australien abzulaufen drohte.

Aber dank des erwähnten Stipendiums konnte er schon nach drei Monaten zurückkehren. Und sich - "ohne Visum, das hat damals niemanden interessiert" - in der Jazzszene etablieren, unter anderem auf Vermittlung Zollers als Lehrer an der Jazz School Munich. "Es gab damals nicht viele Gitarristen in München, ich hatte weniger Konkurrenz als in Sydney oder New York. Ich habe eine Lücke gefunden, ohne Studium, nur durch mein Talent und die Hilfe vieler Musikerkollegen", fasst er heute zusammen.

Die Besten der hiesigen Szene spielen mit ihm in der Unterfahrt

Weil die Selbstdarstellung nicht zu seinen Stärken gehört, ist er trotz zahlloser Sideman-Auftritte bei großen Stars und vielen eigenen Projekten eher ein "musicians musician" geblieben - beim breiten Publikum nicht so bekannt, wie es sich gehören würde, aber von den Kollegen und der Kritik als eine Art Münchner John Scofield hochgeschätzt.

So geben sich die Besten der hiesigen Szene, von Andi Unterreiner und Uli Wangenheim über Florian Trübsbach und Matthieu Bordenave bis zu Gregor Bürger oder Eberhard Budziat, ganz selbstverständlich die Ehre bei der Umsetzung seines lange gehegten und während des Lockdowns erarbeiteten Traums: einem Bigband-Projekt mit eigenen Kompositionen, das nun an seinem Geburtstag, dem 9. Dezember, in der Unterfahrt Premiere hat.

Dass es mit den Pianisten Christian Elsässer und Matthias Bublath, den Bassisten Henning Sieverts und Patrick Scales sowie den Schlagzeugern Matthias Gmelin, Guido May und Christian Lettner zwei überkomplette Rhythmusgruppen gibt, liegt an den zwei Programmhälften: eine eher akustisch und "straight", die andere elektrisch und "Funk-Fusion". Schon immer die zwei Seiten des Peter O'Mara.

Peter O'Mara Bigband Project, Freitag, 9. Dezember, 20.30 Uhr, Unterfahrt, Einsteinstraße 42

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema