Peter Maffay und sein  Sohn Yaris„Mein Vater und ich, wir sind zwei nicht so emotionsintelligente Menschen“

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Musik verbindet: Peter Maffay und sein Sohn Yaris Makkay hinter der Bühne beim Open-Air in Rosenheim.
Musik verbindet: Peter Maffay und sein Sohn Yaris Makkay hinter der Bühne beim Open-Air in Rosenheim. Krisztian Miklos

Yaris Makkay wollte als Musiker nie „der Sohn von ...“ sein. Jetzt hat er seinem Vater, dem deutschen Rekordrocker Peter Maffay, einen Song gewidmet: „Papa“. Die  beiden erzählen, warum es nicht immer leicht war zwischen ihnen.

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Nein, der Alte hat es ihm nicht leicht gemacht. Als Yaris Makkay mit 17 von Mallorca zu seinem Vater nach Deutschland zog, um hier ebenfalls Rockstar zu werden, setzte ihn Peter Maffay erst einmal an den Empfang seines Büros am Starnberger See und ließ ihn Tausende Fan-Briefe zukleben. Aber bald gab er ihm die  Chance, sich auf der Bühne zu beweisen, im Background-Chor und meist mit einem eigenen Song mitten im Konzert. So wie beim Finale der „Love Places“-Tour in Rosenheim. Es ist ein besonderer Tag: Vor Zigtausend Fans seines Vaters spielt Yaris zum ersten Mal live seinen neuen Song: „Papa“. Ein kritisches Lied. Aber am Ende liegen sich Vater, 76, und Sohn, 22, in den Armen.

Yaris, Sie haben Ihre Karriere begonnen ohne Nachnamen und mit der Ansage, Sie wollen „nicht der Sohn von …“ sein. Jetzt kommen sie mit dem Song an Ihren Vater Peter Maffay heraus: „Papa“. 

Yaris Makkay: Tatsächlich nenne ich ihn zuhause „Dad“ ...  Der Song ist nicht über Nacht entstanden, das Thema hat mich jahrelang beschäftigt. Irgendwo ist das auch so ein bisschen Therapie.

Wo drückte der Schuh?

Yaris Makkay: Ich habe halt vieles nicht verstanden als Kind: Warum er gemacht hat, was er gemacht hat. Warum er nicht da war. Daher kommt wohl der  Vorwurf in dem Song. Wobei, es ist weniger ein Vorwurf, es ist meine Erklärung. Seit ich selber Musiker bin,  verstehe ich, was er zu bewältigen hat, was alles in seinem Kopf sein muss den ganzen Tag. Erst nachdem ich das erkannte hatte, konnte ich es in einen Song packen.

Haben Sie das Gefühl, Sie kommen zu schlecht weg in dem Song, Herr Maffay?

Peter Maffay: Nein, es  ist ein wunderschöner Blumenstrauß, den er mir da überreicht.

Ja, das ganze Bouquet: Sie waren und sind sein Mutmacher. Aber Ihr Sohn singt auch: „Du warst so selten zuhause, es war nicht leicht, deine Stimme am Telefon hat nicht gereicht.“

Peter Maffay: Es ist diesem Musikerleben geschuldet. Der Druck in unserem Job ist nicht unerheblich. Wenn man sich für die Musik entscheidet, gibt es keinen Plan B. Diese klare Positionierung kreiert zuweilen Härtefälle im Umgang miteinander, was die gemeinsame Zeit zum Beispiel anbelangt. Es gibt Leute, denen ist dieser Seiltanz sehr gut gelungen, mir manchmal nicht. Wir haben manche gemeinsame Augenblicke verpasst. Aber das ist nichts, was man nicht reparieren kann. Jetzt holen wir das in vollen Zügen nach.

Yaris, in welchem Moment hätten Sie Ihren Vater damals auf Mallorca gerne an Ihrer Seite gehabt?

Yaris Makkay: Zum Beispiel bei meinen musikalischen Anfängen: das erste Konzert mit der Schülerband. Oder bei meiner Abschlussaufführung in der sechsten Klasse. Da hätte ich mir gewünscht, dass er da ist, und das habe ich ihm damals übel genommen.

Hat Yaris Sie als Jugendlicher auch mal zur Weißglut getrieben?

Peter Maffay: Ich kann mich an keine komplizierten oder schrägen Situationen erinnern. Ich habe mich immer gewundert: Yaris hat eine ungeheuer höfliche, zuvorkommende Art. Er ist für sein Alter enorm überlegt, er reflektiert, um Quintessenzen zu ziehen.

Yaris Makkay: Ich war immer ein guter Junge? Das ist so ein Quatsch, also wirklich. Die Pubertät war ganz schlimm, ich habe nur Kacke gebaut mit meinen Kumpels. Aber vieles hast du nicht mitbekommen, meine Mutter hat das meiste ausbaden müssen. Nur wenn ich selbst auf sie nicht mehr gehört habe, dann wurde Papa angerufen. Und dann konnte ich mich irgendwo in der Ecke verkriechen ...

Wie ist das für Sie, wenn Ihre Fans jetzt in einem Song hören, was Ihr Sohn über Sie denkt? 

Peter Maffay: Ganz normal. Auch auf meinem letzten Album war ein Song von mir an meinen Papa. Wir haben den Song gemacht, als er im Sterben lag. Johannes (Oerding) machte den Text dazu und sagte: Bei mir ist es gerade genau dasselbe. Lieder zu beziehen auf Menschen, die einem nahe sind, das halte ich für normal. Eric Clapton hat seinen Song geschrieben für seinen Sohn in einer tragischen Situation. Man befreit sich dann von einem Druck. Die Perspektive von Yaris und mir ist natürlich eine lebendige. Es ist berührend, dass er sich Gedanken über seinen Alten macht.

Yaris, sind Sie eigentlich manchmal eifersüchtig auf Johannes Oerding, weil der so viel Zeit mit Ihrem Vater verbringt? Die beiden waren gerade fürs ZDF in Nashville, haben ein gemeinsames Album aufgenommen und gehen nächstes Jahr auf Tournee zusammen.

Yaris Makkay: Nein, gar nicht. Ich finde es unglaublich schön, wenn ich ihn sehe, wie frei er mit Johannes schreibt und singt. Das ist sein bester Kumpel in der Musik. Und ich finde das wunderschön, wenn man so jemanden hat.

Fällt es Ihnen leicht, mit Ihrem Vater über Gefühle zu reden? 

Yaris Makkay: Ich bin einer der Musiker, die Songs machen, weil sie nur so ihre Gefühle ausdrücken können. Mein Vater und ich, wir sind zwei nicht so emotionsintelligente Menschen, wenn es darum geht, miteinander zu kommunizieren. Er hat nie wirklich seine Gefühle in Worte packen können, aber in seinen Songs wie vom Album „So weit“ habe ich dann doch diese Wärme gespürt. Ich bin auch nicht der Begabteste, meinem Vater zu sagen, wie lieb ich ihn habe. Aber ich liebe ihn abgöttisch. Er macht alles für mich. Für mich ist das eine Erleichterung gewesen, das rauszulassen. Ich war so nervös, als ich ihm das erste Mal den Song vorgespielt habe, weil ich null wusste, wie er das aufnimmt.

Haben Sie ihm erst die fertige Version vorgespielt?

Yaris Makkay: Nein, seine Meinung will ich immer sofort haben. Ob ich seine Kritik dann annehme, ist egal. Aber sobald ich die erste Version fertig habe, interessiert es mich zu wissen: Was denkst du, was würdest du anders machen?

Und, was hat er gesagt?

Yaris Makkay: Am Anfang ist seine Antwort immer relativ gleich. Er wartet ab, was passiert. Da sagt er: Das geht schon in die richtige Richtung. Aber am Ende der Produktion wurde er genauer: Das muss mehr Tiefe bekommen, deine Stimme muss weiter nach  vorne. Und dann beredeten wir, wir wir das Stück auf die Bühne bringen, und da meinte er: Hey, die Bläser könnten danach doch noch so „da da, da da baba“ spielen. Da waren wir wie zwei Kinder am Spielen und Rumprobieren im Studio und haben uns darüber gefreut, wie geil das wird.

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Sie sind sich schon recht ähnlich. Jetzt machen Sie auch noch  Deutschrock. Herr Maffay, haben Sie Ihrem Sohn nicht mal geraten: Mach doch Hip-Hop oder Techno und kling nicht wie dein Alter! Oder schmeichelt Ihnen das?

Peter Maffay: Um Schmeicheln darf es nicht gehen. Es geht nur darum, dass das, was er mit seinen Jungs macht, ihn ausfüllt, dass er sein Publikum erreicht, dass er eine Vision hat, damit er am Ende seiner Reise sagen kann: War gut! Er könnte auch auf dem Kamm blasen, wenn er wollte. Van Halen hat gesagt: Wenn es gut klingt, ist es richtig.

Yaris Makkay: Am Anfang war ich als Musiker stur auf der Schiene: Alles, was in seine Richtung geht, das mache ich nicht. Bis ich realisiert habe: Ey, ich schäme mich nicht für meinen Vater. Ich bin im Gegenteil stolz auf ihn. Warum soll ich es verleugnen? Jetzt finde ich es schön, wenn ich ihn in meinen Songs wiedererkenne.

Sie singen: „Ein Teil von dir klingt in allen meinen Liedern.“ Wollen Sie Peter Maffays Nachfolge antreten?

Yaris Makkay: Das habe ich nie versucht, ich gehe meinen eigenen Weg. Aber es ist nicht schlimm, wenn sich ab und zu die Linien überkreuzen.

Wohnen Sie jetzt in Tutzing eigentlich zusammen in einem Haus?

Yaris Makkay: Ich wohne 800 Meter entfernt. Das ist nah genug dran, dass man mal auf einen Kaffee vorbeikommt, und weit genug weg, dass man seine Ruhe hat, und zwar sowohl er als auch ich.

Herr Maffay, mit Ihrer siebenjährigen Tochter Anouk haben Sie schon gemeinsam ein Lied aufgenommen: „Warum sind Kriege da“ von Udo Lindenberg. Warum so früh?

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Peter Maffay: Anouk macht das jetzt schon aus eigenem Antrieb. Sie spielt ein bisschen Klavier. Früher habe ich immer gesagt: Du musst üben! Jetzt sagt sie: Ich spiel' dir was vor! Das ist der entscheidende Schritt. Viele Leute behaupten zurecht: Wenn man richtig atmet, spricht und singt, entwickelt man seine Persönlichkeit richtig.

Yaris, würden Sie auch gerne mal einen Song zusammen mit Ihrem Vater machen?

Yaris Makkay: Das wäre schon eine Idee. Nur ich bin kein Mensch, der Sachen erzwingt. Wenn er und ich mal irgendwie eine Melodie im Kopf haben oder ein Thema, das uns gleichermaßen beschäftigt, dann ist das ein Moment, wo man dann ins Studio geht.

Bisher machen Sie Musik zusammen eher ohne Plan. Wie läuft das ab?

Yaris Makkay: Wenn er spielt, habe ich den Drang, einfach mitzumachen. Und wenn ich mir nur auf die Schenkel klopfe im Takt. Ich bin eben schon als Kind bei den Konzerten auf den Boxen eingeschlafen. Wo er Musik macht, das ist für mich ein Wohlfühlort. Da ist ein Gefühl der Nähe.

Was verbindet Sie noch?

Yaris Makkay: Sport und Schach.

Haben Sie ihn inzwischen endlich einmal geschlagen im Schach?

Yaris Makkay: Noch nie. Das ist wohl so seine Art einer Lektion: Dass man halt nicht aufgibt und den Fokus behält, auch wenn man immer verliert, deswegen hat er mich nie gewinnen lassen.

Sie scheinen aber auch nicht das Gefühl zu haben, Ihren Vater übertrumpfen zu müssen.

Yaris Makkay: Er ist absolut verdienterweise da, wo er ist. Deswegen empfinde ich da keinen Neid. Klar, da will ich irgendwann auch hin. Aber das ist mein Weg, da muss ich erst mal selber hochklettern.

Peter Maffay: Ich versuche, ohne zu dominieren, dabei zu sein, wenn er das will. Wenn er an meinem Rockzipfel hängen wollte, wäre es das Gefährlichste und Unnötigste, was er tun kann. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Das passiert gerade: Yaris ist in guter Gesellschaft, er hat gute Kumpels um sich, die ihr Handwerk verstehen und das Leben inzwischen kennen. Ich habe im Dezember seinen Auftritt in München erlebt, das hat mich sehr beruhigt.

Wann haben Sie das erste Mal begriffen, dass Ihr Vater eine Rock-Legende ist?

Yaris Makkay: Als Kind war ich ja nur bei den Soundchecks dabei, da habe ich 200 Leute gesehen, dann ging ich backstage schlafen. Aber mit elf, da hat er mich einmal „Sieben Brücken“ in der Show singen lassen, in Bremen. Plötzlich waren da 11 000 Leute vor mir. Das ist übrigens das Cover-Foto der Single „Papa“. Ich dachte: Wow, so fühlt sich das an! Ich war wie angenagelt. Da hat es zum ersten Mal Klick gemacht: So, okay, der Typ, der hat schon eine Position. Er hat zwei Persönlichkeiten, auf der Bühne ist er so ein Charakter, zuhause ist er super bodenständig, ehrlich, schaut immer, dass alle alles haben.

Herr Maffay, Sie geben Ihrem Sohn eine Plattform für seine eigene Musik. Suchen Sie die Songs mit aus, die er zur Halbzeit Ihrer Konzerte spielt?

Peter Maffay: Er ist im besten Sinn volljährig. Er entscheidet selbst über sein Schicksal. Natürlich teilen wir uns die Aufgabe, ich bringe meine Band mit. Aber die Jungs machen das sehr gerne mit, weil das gutes Material ist. Ich freue mich, dass er diese Schritte macht in der Umgebung von Musikern, die ihm zeigen können, wo es langgeht. Ich habe ihm gesagt, dass man nach Möglichkeit mit Leuten arbeiten sollte, die in der Kompetenz vor einem liegen. Es ist jetzt ein gutes Alter, zwischen 20 und 30, Vollgas zu geben.

Yaris, „Kein Plan B“-Tour, Donnerstag, 26. November, München, Feierwerk; Peter Maffay & Johannes Oerding, Mittwoch, 21. April 2027, München, Olympiahalle

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