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Perlach:Seit 150 Jahren im Einsatz

Die Freiwillige Feuerwehr Perlach wurde 1869 gegründet, kurz nachdem die organisierte Brandbekämpfung in München entstanden war. Das Jubiläum feiern die 50 Mitglieder und ihre Gäste an diesem Wochenende

Viel älter geht nicht: 1869 ist die Freiwillige Feuerwehr Perlach gegründet worden. Knapp drei Jahre zuvor, nämlich am 10. September 1866, ist die organisierte Brandbekämpfung in München überhaupt erst ins Leben gerufen worden. Dies war das Ergebnis einer, neudeutsch gesprochen, Fusion von Städtischer und Freiwilliger Feuerwehr, die von da an eng zusammenarbeiteten. Notwendig machte diesen Schritt das Wachstum, das die Residenzstadt im 19. Jahrhundert erlebte. Entsprechend war die Feuerwehr "bereits wenige Jahre nach ihrer Gründung ein unverzichtbarer Bestandteil der Gefahrenabwehr Münchens. In einer Stadt, die damals etwa 170 000 Einwohner zählte", heißt es dazu im Archiv der Freiwilligen Feuerwehr.

"Herzlich willkommen den tapferen Kriegern": die Freiwillige Feuerwehr Perlach im Jahr 1919.

(Foto: Heimatarchiv Perlach/oh)

Betrachtet man Bilder aus jener Zeit, drängt sich schnell der Eindruck auf: Die Einsätze der Männer im Kampf gegen die Flammen waren anscheinend oft gefährlich, ihre Ausrüstung wenig Vertrauen erweckend. Die Perlacher ließen sich davon allerdings nicht abhalten, für das Stadtviertel eine eigene Truppe aufzustellen, um Menschen und Gebäude im Brandfall zu schützen.

Im Anschluss an die Eingemeindung Perlachs nach München im Jahr 1930 wurde sie zunächst zur "Abteilung 13" und später zur "Abteilung Perlach der Freiwilligen Feuerwehr München". Heute zählt die Perlacher Feuerwehr circa 50 Köpfe, wobei schon länger auch Frauen hier ihren Mann stehen. Gemeinsam sind die ehrenamtlichen Helfer im vergangenen Jahr wieder zu mehr als 140 Einsätzen gerufen worden. Insbesondere rückt die Wehr in die Stadtteile Perlach, Neuperlach, Ramersdorf, Fasangarten und Giesing aus, um Menschen zu retten, Brände zu bekämpfen oder technische Hilfe bei Unfällen und Unwettern zu leisten.

Freiwillige Feuerwehr Perlach 150-Jahr-Feier im Mai 2019

Vorführungen und Mitmachaktionen sind zum Tag der offenen Tür am Sonntag am Feuerwehrhaus geplant.

(Foto: Privat)

Sowohl für die Truppe als auch die Bürgerinnen und Bürger gibt es also genügend gute Gründe, den 150. Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Perlach groß zu feiern. Die Jubiläumsfeierlichkeiten beginnen am Freitag, 17. Mai, um 19.30 Uhr mit einer Blaulichtparty für alle jungen und jung gebliebenen Erwachsenen, die in Liveband-Atmosphäre abtanzen und Party machen möchten. Veranstaltungsort ist das Feuerwehrhaus Ecke Wolfram-/Neubiberger Straße. Der Festsonntag, 19. Mai, beginnt um 9 Uhr mit einem ökumenischen Festgottesdienst in der Perlacher Barockkirche St. Michael. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst vom Perlacher Michaeli-Chor und dem Blasorchester St. Michael München-Perlach. Anschließend startet der Festzug um 10 Uhr am Pfanzeltplatz. Er führt am Hachinger Bach entlang, durch den historischen Perlacher Ortskern, vorbei an St. Paulus, der ältesten noch erhaltenen evangelischen Kirche in München, zum heutigen Feuerwehrhaus an der Wolframstraße 4. Dort findet für geladene Gäste und Vereine von 11 Uhr an der Festakt zum Gründungsjubiläum der Feuerwehr Perlach statt.

Die Gründung

Die ersten Feuerwehren um München waren bis 1879 zwei Bezirksämtern zugeordnet - links und rechts der Isar. Am 10. Oktober 1869 wurde in der "Richtung über Perlach" ein anscheinend heftiger Brand in der hiesigen Presse gemeldet, vielleicht der Auslöser zur Gründung der Perlacher Feuerwehr, wie es in der Jubiläumsfestschrift heißt. Demnach kam an einem nicht mehr feststellbaren Tag im Oktober 1869 der Vorsitzende des bayerischen Landesfeuerwehr-Verbands, Ludwig Jung, nach Perlach, um mit Bürgermeister Jakob Wolfram und Pfarrer Martin Pfanzelt die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr Perlach zu besprechen. Mit Erfolg. Das beiderseitige Interesse erbrachte eine Einladung an die 18- bis 55-jährigen wehrfähigen Männer Perlachs. An einem ebenfalls unbekannten Tag erschienen etwa 80 Personen, um von Ludwig Jung zu hören, welche Nutzen und Vorteile die Gründung eines solchen "Gemeinnützigen Instituts" habe. Jung sagte ihnen, "dass der Feuerwehrmann, wenn ein feindliches Element sich erblicken lässt oder der Ruf Feuer oder Trompetensignale ertönen, sofort alles verlässt und dem Feuerhaus zueilt, um mit den nötigen Löschgeräten dem feindlichen Element entgegenzutreten, dasselbe zu bekämpfen, um Menschen und des Nächsten Hab und Gut zu retten in Aufopferung seines eigenen Lebens, nun, sei es bei Tag oder Nacht, bei Sturm und Wind". Diese markigen Worte, am Feuerhaus an der Friedhofsmauer gesprochen, zeigten Wirkung und wurden von den Zuhörern mit Begeisterung aufgenommen. Ludwig Jung, Martin Pfanzelt und Jakob Wolfram waren damit die geistigen Väter der Freiwilligen Feuerwehr zu Perlach, deren Gründung man im Jahre 1869 verzeichnete. gru

Der Landtagsabgeordnete und CSU-Generalsekretär Markus Blume ist Schirmherr der Feierlichkeiten. Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Stefinger (CSU) und Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher (SPD) haben ihre Teilnahme zugesagt. Stadtrat Christian Vorländer (SPD) vertritt die Stadtspitze. Thomas Kauer (CSU) wird als Vorsitzender des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach präsent sein. Alle Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie insbesondere alle Kinder sind am Sonntagnachmittag von 14.30 bis 18 Uhr zum Tag der offenen Tür am Feuerwehrhaus Ecke Wolfram-/Neubiberger Straße eingeladen. Dort können sie ihre "Stadtteilfeuerwehr" aus nächster Nähe erleben. Bei Vorführungen, Einsätzen und Mitmachaktionen werden Rettungs- und Brandbekämpfungstechniken gezeigt sowie Tipps zur Schadenverhütung gegeben. Dabei dürfen sich die Kinder auch selbst als kleine Brandmeister versuchen. Und was auch viele Besucher freuen dürfte: Der bewährte Feuerwehr-Küchenchef wird für das leibliche Wohl der Gäste sorgen.

© SZ vom 15.05.2019

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