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Perlach:"In Gänze abzulehnen"

LKW Verkehr Perlach, Weidener Straße, Blickrichtung Unterhachinger Straße

Dichter Verkehr, unter dem die Anwohner leiden: Die Weidener Straße - hinten die Unterhachinger Straße - braucht Entlastung.

(Foto: Florian Peljak)

Der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach fordert die Stadt auf, ihr "Strukturkonzept Hachinger Tal" noch nicht im Rathaus zu verabschieden. Es habe zu viele Nachteile fürs Viertel und müsse grundlegend verändert werden

Langsam müsste man den Mitgliedern im Unterausschuss Bauvorhaben, Stadtplanung und Bürgerbeteiligung die Ehrenmitgliedschaft im "Verein für deutliche Aussprache" antragen. Denn so wie einst der Vereinsgründer, der verstorbene Franz Josef Strauß, neigt auch dieses Gremium zu scharfen und entschiedenen Urteilen. Jüngstes Beispiel dafür ist seine Stellungnahme zum Strukturkonzept Hachinger Tal, die in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach vorgestellt und mehrheitlich beschlossen wurde.

Nach eingehender Prüfung sei man im Unterausschuss zu der Meinung gekommen, so dessen Vorsitzender Wolfgang Thalmeir (CSU), dass eine qualitätsvolle, innovative, zukunftsorientierte und geordnete weitere Entwicklung des Gebietes "Hachinger Tal" im Konzept des Planungsreferats nicht erkennbar sei. Auch würden darin die Interessen des Stadtbezirks 16 nicht angemessen berücksichtigt. Kurzum: "Die Vorlage ist in der derzeitigen Form unbrauchbar und deshalb in Gänze abzulehnen."

Die Vorlage aus der Verwaltung stelle gewissermaßen eine eigene Art von Rahmenplanung dar. Diese verfolge ausschließlich den Zweck, die Schaffung neuer, großer Wohnbaugebiete auf Freiflächen zu ermöglichen, die auf Münchner Flur liegen. Vorgesehen sei eine planerisch wenig durchdachte bloße Aneinanderreihung diverser Wohngebiete entlang der Unterhachinger Straße. Ebenfalls an der Unterhachinger Straße, aber auf dem Gemeindegebiet Neubibergs, sollen nach diesem Konzept dann bausteinartig reine Gewerbegebiete platziert werden. Die würden dann praktisch von der Stadt München "abgenickt".

Das alles werde unter dem Deckmantel einer als zwingend suggerierten "interkommunalen Zusammenarbeit" mit den Nachbargemeinden vorangetrieben. Wie sich das alles auf die weitere Stadtentwicklung und Stadtplanung aber auswirke, sei nicht hinreichend berücksichtigt worden, kritisieren die Lokalpolitiker. "Beide Entwicklungen werden dramatische infrastrukturelle Auswirkungen auf den gesamten Münchner Südosten, speziell auf den 16. Stadtbezirk, haben", warnen sie. Außerdem stößt ihnen sauer auf, dass die sonst bei so großen Planungsvorhaben geforderte Bürgerbeteiligung in Form von Informationsveranstaltungen und Diskussionsrunden bisher nicht stattfand.

Einer der Hauptkritikpunkte an den bisherigen Entwürfen lautet, dass umfangreiche bestehende und ökologisch wertvolle sowie für das Stadtklima wichtige Freiflächen einfach überplant würden. Die bereits existierenden, wegen der fehlenden Anbindung aber sich schlecht entwickelnden Flächen des Gewerbegebiets Perlach Süd hingegen wurden in diese Überlegungen nicht miteinbezogen.

Natürlich sei es leichter, auf der "grünen Wiese" neue Wohnbauprojekte zu realisieren, als sich mit der schwierigen Konversion bestehender Gewerbeflächen zu beschäftigen. Trotzdem führe daran kein Weg vorbei, alleine schon wegen des gebotenen sparsamen Umgangs mit Freiflächen und Ressourcen. Leider, so monierte Thalmeir, erledige das Planungsreferat diese "Hausaufgaben im Bestand" nicht. Obwohl die Behörde dazu vom BA schon vor Längerem aufgefordert wurde, sei noch immer kein Ortstermin zustande gekommen.

Massive planerische Defizite erkennt der Bezirksausschuss ebenso in puncto Infrastruktur. Mit dem bisher Angekündigten - Höhenfreimachung von zwei Bahnübergängen, Entwicklung von Radwegeverbindungen, interkommunale Bus- und Straßenbahnverbindungen - werde es jedenfalls nicht getan sein. Zumal es bei dem einen oder anderen Projekt, speziell der Straßenbahn, bei der Ankündigung bleiben könnte, wie der BA befürchtet. Zugleich lasse der Bau von vermutlich mehr als 1200 Wohnungen direkt an der Unterhachinger Straße ein Verkehrschaos im nördlich anschließenden Bereich Unterhachinger Straße/Ottobrunner Straße/Mittlerer Ring erwarten. Dieses Problem werde sich weder durch eine interkommunale Busverbindung noch durch einen Radschnellweg lösen lassen. Auch das mehr oder weniger verschämte "Offenhalten" der mittlerweile völlig überholten Pläne für eine Südanbindung Perlach (SAP) werde hier nicht weiterhelfen. "Die ist eigentlich schon gestorben", urteilte Wolfgang Thalmeir. Aus Sicht des BA habe erst die Infrastrukturuntersuchung und Infrastrukturplanung zu erfolgen und erst dann seien die neuen Wohngebiete zu planen - keinesfalls umgekehrt.

Ein wirklich sinnvolles Projekt ist für den BA die sogenannte Münchner Lösung, also die Verbindung der Unterhachinger mit der Unterbiberger Straße zur Erschließung des Gewerbegebietes Perlach-Süd. Sie müsse so schnell wie möglich realisiert werden, weitere Verzögerungen seien nicht hinnehmbar. Die Anwohner der Weidener Straße warteten seit Jahren auf eine Entlastung, insbesondere vom Lkw-Verkehr. Unterdessen entwickle sich das Gewerbegebiet mehr und mehr zu einem Konglomerat verschiedenster Nutzungen, von denen einige wünschenswert, andere aber eher kontraproduktiv seien. Zugleich würden wertvolle, aber leer stehende Flächen auf Dauer dem Wohnungsbau entzogen, obwohl sie dafür geeignet wären.

Als Konsequenz fordert der BA, die Vorlage des Strukturkonzepts Hachinger Tal umgehend zurückzuziehen und von der Tagesordnung des Planungsausschusses beziehungsweise des Stadtrats zu nehmen. Außerdem sollen die Planungen sowohl dem BA als auch der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ebenso müsse das Gewerbegebiet Perlach Süd in das vorliegende Strukturkonzept aufgenommen werden. Unabhängig davon aber sollen die Planungen für die "Münchner Lösung" sofort priorisiert werden. Gegen vier Stimmen der Grünen beschlossen die übrigen BA-Mitglieder diese Forderungen.