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Perlach:Forschung ja, Autos nein

Firma/Fabrikhalle an der Unterbiberger Straße 53 im Gewerbegebiet Perlach-Süd

Dieses Gebäude im Gewerbegebiet Perlach-Süd an der Unterbiberger Straße könnte zu einem neuen Standort der Freudenberg Gruppe werden: Der Konzern möchte hier Brennstoffzellen testen und entwickeln.

(Foto: Florian Peljak)

Die Freudenberg Gruppe will in einer Halle an der Unterbiberger Straße Brennstoffzellen entwickeln und testen. Weil die Zufahrt zum Gewerbegebiet aber heute schon überlastet ist, kommt Einspruch aus dem Stadtbezirk

Der Name "Freudenberg Gruppe" wird den meisten Münchnerinnen und Münchnern vermutlich wenig bis nichts sagen. Dabei handelt es sich um einen Technologiekonzern, dessen Unternehmen laut Geschäftsbericht für das Jahr 2017 rund 48 000 Mitarbeiter in rund 60 Ländern beschäftigten und die zusammen einen Umsatz von ungefähr 9,3 Milliarden Euro erzielten. Die verschiedenen Firmen des Familienunternehmens sind als Zulieferer verschiedener Branchen, wie der Automobil-, der Maschinenbau-, Textil-, Bau- und Telekommunikationsindustrie tätig. Zu den in München bereits existierenden Standorten würde der Konzern nun gerne einen weiteren hinzufügen: Er beabsichtigt, in einer bereits bestehenden Halle an der Unterbiberger Straße Teststationen für die Entwicklung und Optimierung von Brennstoffzellen aufzubauen.

Die Halle solle als weiterer Forschungs- und Entwicklungsstandort der Freudenberg Gruppe genutzt werden. Letztlich gehe es dabei um die Entwicklung innovativer Energie- und Batterietechnik, berichtete Wolfgang Thalmeir in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Ramersdorf-Perlach. Das Gremium begrüßte das Projekt - allerdings mit einer wesentlichen Einschränkung: In Anbetracht der derzeitigen infrastrukturellen Anbindung des Standorts ist das Vorhaben nach Meinung der Lokalpolitiker noch nicht entscheidungsreif. Oder anders ausgedrückt: Solange des Gewerbegebiet Perlach Süd ausschließlich über die überlastete Weidener Straße angefahren werden könne, sei eine Genehmigung gegenüber den betroffenen Anwohnern nicht zu rechtfertigen.

Vor der Abstimmung hatte Thalmeir seine Kolleginnen und Kollegen über die Präsentation des Projekts im Unterausschuss Bauvorhaben, dem er vorsitzt, informiert. Demnach betreibt das Unternehmen bereits einen Standort an der Bayerwaldstraße und benötigt dringend Flächen zur Erweiterung. Die nahegelegene Halle an der Unterbiberger Straße 53 sei für diese Pläne ideal. Für die Versuchsstrecken würden Wasserstoff und Methanol als Betriebsstoffe benötigt. Zu dem Zweck seien im Außenbereich zwei große Tanks vorgesehen. Darüber führe das Unternehmen Gespräche mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt. Und die Genehmigungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz, so Thalmeir, seien bereits, soweit notwendig, beantragt und in Aussicht gestellt worden. Um den Lieferverkehr für Methanol und Wasserstoff möglichst gering zu halten, die Rede ist von je einer Fahrt pro Woche, habe man bewusst große Tanks gewählt.

Der Betrieb werde circa 50 bis 60 neue Mitarbeiter am Standort beschäftigen. Diese würden, wie es im Unterausschuss hießt, überwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen. Das Unternehmen halte auch emissionsfreie Dienstfahrzeuge für die Mitarbeiter bereit.

Der Bezirksausschuss begrüßt nun grundsätzlich die Ansiedlung einer innovativen Forschungseinrichtung. Das geplante Investitionsvorhaben belege zudem, dass das Gewerbegebiet Perlach keinesfalls ein "kränkelnder" oder gar "sterbender" Standort sein müsse. Zumindest dann nicht, wenn die Stadt ihrer Planungsverpflichtung für das Gebiet nachkäme. Doch daran hapert es aus Sicht der BA-Mitglieder. Weshalb denn auch die schlechte Anbindung des Standorts die Diskussionen erst im Unterausschuss und danach in der Vollversammlung bestimmte. Der Ärger floss ungefiltert in die Stellungnahme ein: "Leider ist, wie es scheint, in konsequenter, nachhaltiger und vollständiger Ignorierung aller möglichen Ideen und Ansätze des Bezirksausschusses bis zum heutigen Tage nichts wirklich Sichtbares oder Messbares geschehen." Stattdessen würden die vom Durchgangs- und Lieferverkehr seit Jahren geplagten Anwohner der Weidener Straße mit ihren Nöten alleingelassen.

Die schon vor mehr als acht Jahren ins Spiel gebrachte "Münchner Lösung" habe bis heute keinen konkreten Niederschlag in den Planungen der Stadt gefunden. Diese etwa 400 bis 500 Meter lange Verbindungsstraße von der Unterhachinger zur Unterbiberger und Bayerwaldstraße war als alternative Anbindung des Gewerbegebiets gedacht, nachdem die große Lösung einer "Südanbindung Perlach" aufgeben worden war. Umso ärgerlicher, wenn durch die schlechte Anbindung jetzt ein zukunftsträchtiges und für den Technologiestandort München wichtiges Projekt gefährdet würde. Der BA kommt jedenfalls zu dem Schluss, dass die Freudenberg Gruppe nun gewissermaßen "das auszubaden" habe, "was die Verwaltung hier über Jahre hinweg versäumt hat". Freilich wünscht sich das niemand im BA. Auf Vorschlag des Vorsitzenden Thomas Kauer (CSU) ergänzte das Gremium seine Stellungnahme um die dringliche Empfehlung an die Stadt, vor einer Entscheidung erst einmal ein Verkehrsgutachten für das Gewerbegebiet zu erstellen.

© SZ vom 12.03.2020

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