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Filmemacherin:Das nächste Projekt ist eine surreale Dystopie

Von Januar an - ihr Mann nimmt dann Elternzeit - kümmert sie sich intensiver um das fiktionale Projekt, das eine surreale Dystopie werden soll, also das Bild einer beschädigten Gesellschaft. Orwells "1984" oder Langs "Metropolis" sind Dystopien. Bei Roenneberg geht es um das Altern, das leider im deutschen Fernsehen zu selten zu sehen sei. Die "vielen tollen alten Schauspieler" bekämen oft Rollen, "in denen sie süß oder tüdelig dargestellt werden".

Mit ihrem Kollegen Felix Bärwald plane sie die Miniserie "Der Milchmann": In einer überzeichneten Zukunft gilt der Generationenvertrag nicht mehr, ältere Menschen werden in Wälder abgeschoben. Zum 70. Geburtstag gibt es von der Familie einen Koffer und vom Staat ein praktisches Wurfzelt. Im Wald stehen dann Automaten mit Milch, die mit Schmerzmitteln angereichert sind - ansonsten sind die Alten auf sich alleine gestellt. Die Hauptfigur ist Franz, ein ehemaliger Milchmann; einer, der sich nichts gefallen lassen will.

"Das klingt düsterer, als es ist", sagt Roenneberg. "Es wird wieder tragisch-komisch."

Woher kommt dieses Faible?

"Meine Großmutter war Engländerin, die hatte viel schwarzen Humor", sagt sie. "Außerdem bin ich Münchnerin, und ich mag den alten bayerischen Humor - zum Beispiel den von Karl Valentin." Sie überlegt kurz. "Vielleicht bin aber einfach nur ich", sagt sie. "Wenn's mir gelingt, gehe ich an schwierige Situationen mit Humor."

Familienstatus: kompliziert, aber mit Humor

Sie komme aus einer komplizierten Familie. "Wir haben alle viel Humor, aber wenn wir diskutieren, erinnert das an Szenen aus dem Film ,Der Gott des Gemetzels'." Der Vater ist Wissenschaftler, die Mutter ist Autorin. Sie führte früher auch Regie. Das wurde weniger, als die Kinder kamen. Pauline Roenneberg, die selbst zwei Kinder hat, will "beides unter einen Hut bekommen".

Als sie klein war, durfte sie wenig fernsehen. Sie gingen oft in die Schauburg, denn die Eltern waren mit dem Intendanten und mit Schauspielern befreundet. Und die Mutter nahm Filme für die Familie auf, Hitchcock, Buster Keaton, Billy Wilder, Klassiker aus den Dreißigerjahren.

Pauline Roenneberg wollte dann Bühnenbildnerin werden. Im Leistungskurs Kunst entwarf sie ein abstraktes Bühnenbild für die Theatergruppe. "Aber der Regisseur wollte unbedingt, dass ich ein konkretes baue", sagt sie. "Und da habe ich gesehen: Wenn ich später beim Theater das Bühnenbild mache, bin ich abhängig von der Vision des Regisseurs." Sie beschloss, selbst Regie zu führen.

Roenneberg war dann Assistentin am Metropoltheater in München. Das sei eine "unglaublich bereichernde Zeit" gewesen, sehr prägend für ihre Art zu erzählen. "Aber ich merkte, dass am Theater alles im Dunkeln stattfindet", sagt sie, "fernab vom Leben draußen". Also ging sie an die Filmhochschule, um Dokumentarfilm zu studieren.

Die vierteilige Serie "früher oder später" ist noch bis Ende Februar in den Mediatheken der ARD und des BR zu sehen.

© SZ vom 02.01.2019/vewo
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