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Paulaner-Brauerei zieht um:Der große Sprung nach Westen

Wochenlang wurde spekuliert, jetzt steht es fest: Die Paulaner-Brauerei zieht von der Innenstadt an den westlichen Stadtrand. Nur kleine Teile bleiben am Nockherberg. Für den Wohnungsmarkt ist der Umzug eine große Chance.

Es ist eine historische Entscheidung für den Wirtschaftsstandort München - und eine gewaltige Chance für den Wohnungsmarkt. Nach wochenlangen Spekulationen um einen Wegzug aus der Innenstadt gab die Paulaner-Brauerei am Montag die Entscheidung bekannt: Das Unternehmen investiert einen "dreistelligen Millionenbetrag" in einen Neubau am westlichen Stadtrand - die moderne Paulaner-Produktionsstätte soll in Langwied entstehen, wo deutlich mehr Platz zur Verfügung steht als am Isarhochufer.

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Die Brauerei hat sich für eine Verlagerung an den westlichen Stadtrand nach Langwied emtschieden.

(Foto: Robert Haas)

Verwaltung und Vertrieb sollen an der Ohlmüllerstraße in der Au bleiben. "Wir sind und bleiben eine Münchner Brauerei. Das unterstreicht die geplante Großinvestition eindeutig", sagte Paulaner-Geschäftsführer Andreas Steinfatt. Für das Unternehmen, das seit 1634 am Nockherberg Bier braut, bedeutet die Verlagerung einen tiefen Einschnitt. Schließlich gibt Paulaner nicht nur seinen traditionellen Standort an der Hochstraße auf, sondern muss in einer Zeit, in der die Branche mit sinkenden Umsätzen kämpft, eine enorme Summe investieren.

Deshalb war vor allem eine Frage für den Deal entscheidend: Wie kann man das frei werdende, 85 000 Quadratmeter große Grundstück in der Innenstadt optimal verwerten? Praktischerweise bringt Paulaner gleich einen eigenen Projektentwickler mit: Verkauft wird das Grundstück an die zum Schörghuber-Konzern gehörende Bayerische Hausbau, diese wird das Areal "in enger Abstimmung mit der Stadt entwickeln", teilte Steinfatt mit. Zum Kaufpreis machte das Unternehmen keine Angaben, es sei "Stillschweigen vereinbart".

Oberbürgermeister Christian Ude zeigte sich wenig überrascht: "Wir sind seit langem im Gespräch mit Paulaner." Für die Entwicklung des Geländes gebe es eine enge Kooperation mit dem Planungsreferat, sagte Ude. "Es gibt sehr weit fortgeschrittene Planungsüberlegungen, für die ist jetzt der Startschuss gefallen. Die Bürgerbeteiligung kann beginnen."

Eine zentrale Bedingung der Stadt musste die Schörghuber-Gruppe erfüllen, um die Zustimmung der Stadt zu erhalten: 30 Prozent der Gebäude müssen geförderter Wohnungsraum sein - auch das sogenannte München-Modell soll dort zum Tragen kommen. Jürgen Büllesbach, Chef der Bayerischen Hausbau, versuchte die Befürchtung zu zerstreuen, dass auf dem bisherigen Betriebsgelände ein Luxusquartier geplant sei. "Wir wollen eine Mischung aus Eigentums- und Mietwohnungen für Familien und Singles mit unterschiedlichen Einkommen, ergänzt durch kleinteiliges Gewerbe und großzügige Grünflächen", sagte Büllesbach. Geplant sind auch eine Kindertagesstätte, eine Tiefgarage und "viele Spielmöglichkeiten für Kinder".

Bereits 2012 soll es einen städtebaulichen Wettbewerb geben, den die Bayerische Hausbau gemeinsam mit der Stadt auslobt - mit dem Ziel, einen geeigneten Architekten zu finden und die Anzahl der Wohnungen festzulegen. Der Baubeginn ist für 2018 vorgesehen. Seit Jahren war Paulaner am Nockherberg an Kapazitätsgrenzen gestoßen. Es gebe einfach zu wenig Platz zur Lagerung von Voll- und Leergut sowie zum Rangieren für Gabelstapler und Lastwagen. Kurzfristig will Paulaner daher Teile der Logistik auf eine bereits angepachtete Fläche in Sauerlach verlagern, bis die Brauerei am neuen Standort fertiggestellt ist.

In Langwied gibt es deutlich mehr Platz. Das Gelände ist 15 Hektar groß, die dort bestehende Option auf vier weitere Hektar will die Brauerei zudem wahrnehmen. "Mit 190 000 Quadratmetern haben wir damit mehr als doppelt so viel Platz wie jetzt", sagte Steinfatt. Ganz verschwinden aus der Au wird Paulaner nicht. Auf einem kleinen Teil der Fläche an der Ohlmüllerstraße - am Eiskeller, also dort, wo die berühmte Linde-Kältemaschine untergebracht ist - soll künftig das neue Gebäude für Verwaltung und Vertrieb von Paulaner entstehen. Es soll in die denkmalgeschützte Klenze-Fassade integriert werden und Platz für 250 Mitarbeiter bieten.

Insgesamt will Paulaner mit dem Neubau etwa 90 von seinen rund 900 Arbeitsplätzen abbauen - weil man dann ja auch effizienter arbeiten könne, so Steinfatt. Für OB Ude steht fest: Der Umzug mit all seinen Folgen wird die Stadt in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen. "Erst muss der Paulaner-Neubau im Westen stehen, dann kommt der Umzug mit allen Unwägbarkeiten, dann der teilweise Abriss und der Neubau - das ist ein Thema für eine Dekade."

© SZ vom 29.11.2011/bica

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