Kritik:Dauergrinsen

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Ein wunderbarer Abend mit Patrick Salmen im Lustspielhaus.

Von Thomas Becker, München

Eigentlich muss man nur die Ankündigung seines neuen Bühnenwerks lesen. Das hört auf den beinahe griffigen Namen"Im Regenbogen der guten Laune bin ich das Beige" und geht so: "Eine spektakuläre Live-Leseshow für die geerdete Elite und den gehobenen Pöbel. Im Prinzip wie Stand-up-Comedy. Bloß im Sitzen. Und ein bisschen traurig. Sit-down-Tragedy klingt bloß zu sperrig. Ein Spektakel wird es allemal. Ballontiere nicht ausgeschlossen." Da bleiben doch keine Fragen offen, da wird später niemand enttäuscht aus dem Lustspielhaus schleichen. Und genau so kommt es dann auch: glückselige Mienen allerorten, das Dauergrinsen der vergangenen zwei Stunden, es bleibt einem einfach im Gesicht kleben. Wie schön.

Patrick Salmen ist einer dieser Menschen, denen man auch ein Telefonbuch zum Vorlesen in die Hand drücken kann, und man spielt nicht Vabanque, wenn man nun einen beträchtlichen Betrag darauf wettet, dass sich der Saal gleich vor Lachen und Giggeln winden wird, egal bei welchem Buchstaben Salmen anfängt. Der Enddreißiger stammt aus dem Ruhrpott, und vielleicht kann er deswegen auf der Bühne gar nicht anders als sich ständig von Hölzchen auf Stöckchen zu quasseln, bis er denn endlich mal zu Potte kommt mit der Geschichte, zu der er seit einer gefühlten Viertelstunde ansetzt. Irgendwann liest er dann tatsächlich los, und das ist dann nicht minder komisch. Kleine Textprobe aus dem Dankbarkeits-Tagebuch gegen die innere Schwärze, Oberthema Achtsamkeit: "Ich bin der Sonnenschein, der den Morgentau der Frühlingswiese küsst, die menschgewordene Kaschmirdecke im Tiny House, der Selfcare-Coach der Herzen! Menschen? Ich sage JA!" Bei Salmen gewesen. Tränen gelacht.

Er ist aber nicht allein. Für ein paar wenige Songs entert Enno Bunger (der am 20. August nochmal auf dem Dachauer Rathausplatz spielt) die Bühne und verleiht diesem eh schon wunderbaren Abend mit maximal gefühligen Texten und ein paar erstaunlichen Kniffen an seinem Keyboard/Synthesizer-Ding eine geradezu wohlige Wärme und Tiefe. Wie gut einem das alles tut! Gleich mal ins Dankbarkeits-Tagebuch eintragen.

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