Pasing/Obermenzing Ausgebremst

Damit die S 2 an der Berduxstraße hält, muss zuerst die Express-S-Bahn eingeführt werden. Das geht nur mit der zweiten Stammstrecke.

(Foto: Carmen Wolf)

Stadt und Verkehrsministerium halten die Anbindung des Wohngebiets Paul-Gerhardt-Allee ans S-Bahn-Netz kurzfristig für nicht realisierbar. Zuerst muss die zweite Stammstrecke gebaut werden

Von Jutta Czeguhn, Pasing/Obermenzing

An der Paul-Gerhardt-Allee wird in den kommenden Jahren ein neues Stadtquartier für mindestens 5000 Menschen entstehen. Das Wohngebiet im Osten Pasings nahe dem Nymphenburger Schlosspark soll alles bekommen, was an Infrastruktur heute Standard ist: ein Quartierszentrum als Treffpunkt, eine vierzügige Grundschule mit Dreifach-Sporthalle, Kindertagesstätten, Krippen und Kindergärten, zudem einen Indoor-Skatepark, der junge Leute aus ganz München anziehen wird. Angebunden allerdings, und das wird seit Bekanntwerden des Projekts heftig kritisiert, wird diese Großsiedlung an ein Straßennetz, das im Wesentlichen durch Wohngebiete führt. Ein Bus-Shuttle, Rad- und Fußwege zum Pasinger Bahnhof und Richtung Innenstadt sollen eingerichtet werden. Für völlig unzureichend halten das viele im Viertel und fordern eine direkte, attraktive S-Bahn-Anbindung des künftigen Quartier. Zuletzt kam dazu im vergangenen März ein Antrag von der Stadtratsfraktion Die Grünen/Rosa Liste, auf den das Planungsreferat nun mit einer Art "vielleicht" geantwortet hat.

Die Stadt möge sich "mit dem Freistaat und der Deutschen Bahn AG ins Benehmen setzen, damit ein S-Bahn-Halt an der Berduxstraße schnellstmöglich, gegebenenfalls von der Landeshauptstadt München vorfinanziert, gebaut werden kann", heißt es in dem Antrag. Das Planungsreferat kann dazu folgendes mitteilen: Ein optionaler S-Bahn-Haltepunkt Berduxstraße sei als Projekt des Freistaates Bayern im aktuellen Nahverkehrsplan der Landeshauptstadt bereits enthalten. Dem entsprechend seien in der Bebauungsplanung die für eine spätere Realisierung des S-Bahn-Stopps notwendigen Flächen und Zufahrten frei gehalten.

Grundsätzlich aber, so das Referat, sei der aktuelle Stand folgender: Was die Anbindung des Wohngebiets nach Westen an das Pasinger Zentrum beziehungsweise den Bahnhof angehe, bringe ein S-Bahn-Halt Berduxstraße "nur einen geringen Vorteil", während der Verkehr von oder in Richtung Münchner Innenstadt deutlich profitieren würde. Nachteile hätten durch den Stopp im neuen Quartier die "Durchfahrer" auf der Linie S 2, weil sich zwischen Obermenzing und Laim die Fahrzeit verlängern würde. Wenn also alle Züge der S 2 an der Berduxstraße halten würden, fällt die Bewertung aus Sicht des Referats negativ für eine solche Anbindung aus. Erst durch die Einführung von Express-S-Bahnen auf der Achse Dachau-München würden die negativen Wirkungen des Halts Berduxstraße für die Durchfahrer "so weit minimiert, dass sich eine positive Bewertung einstellt".

Das Planungsreferat verweist auf das zuständige bayerische Verkehrsministerium; für dieses käme "eine neue S-Bahnstation an der S 2 dann in Betracht, wenn die zweite Stammstrecke realisiert und auf der S 2 ein ganztägiger 15-Minuten-Takt zuzüglicher Express-S-Bahnen eingeführt wird". Diese Umstellung der S 2 sei jedoch gemäß Bahnknoten-Konzept erst nach Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke vorgesehen, da hierfür zumindest zwischen Dachau und Petershausen zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen erforderlich seien. Unter diesen Rahmenbedingungen halte das Ministerium den Stopp an der Berduxstraße, der von der S 2 im 15-Minuten-Takt angefahren werden könnte, "grundsätzlich für möglich". Dazu bedürfe es jedoch "zu gegebener Zeit noch vertiefender Planungen und Untersuchungen einschließlich des belastbaren Nachweises eines positiven Nutzen-Kosten-Verhältnisses".

Vor diesem Hintergrund sieht das Referat für Stadtplanung und Bauordnung also "nach wie vor keine Möglichkeit für eine kurzfristige Realisierung eines S-Bahn-Haltepunktes Berduxstraße". Von daher seien auch Verhandlungen zu einer eventuellen Vorfinanzierung durch die Landeshauptstadt "zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll".